WIEN. Auch wenn US-Präsident Donald Trump weiterhin für Turbulenzen sorgt und das internationale Umfeld schwierig bleibt, wachsen die meisten Volkswirtschaften Mittel-, Ost- und Südosteuropas solide. Die EU-Mitglieder der Region bleiben aber unter ihrem Potenzial. Die anhaltende Schwäche der Industrie in Deutschland, hohe Budgetdefizite und strukturelle Probleme drücken bei manchen von ihnen auf das Wachstum.
Die wiiw – Winterprognose
Aggressor Russland und die sich verteidigende Ukraine kämpfen mit wirtschaftlichen Problemen, wenn auch aus sehr unterschiedlichen Gründen. Das zeigt die neue Winterprognose des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) für 23 Länder der Region. In den östlichen Mitgliedstaaten der Europäischen Union vollzieht sich ein struktureller Wandel. „Haupttreiber des Wachstums war dort bisher der private Konsum infolge starker Reallohnsteigerungen. Dieser verliert an Dynamik, womit die Investitionen privater Firmen und der öffentlichen Hand an Bedeutung gewinnen“ , sagt Richard Grieveson, stellvertretender Direktor des wiiw und Hauptautor der Winterprognose.
Verlängerte Werkbank stockt
„Angesichts des starken Verlusts an Wettbewerbsfähigkeit in Ostmitteleuropas exportorientierter Industrie aufgrund stark gestiegener Lohnstückkosten steht das bisherige Erfolgsmodell als verlängerte Werkbank westlicher Konzerne zur Disposition. Investitionen in mehr Produktivität sind daher dringend notwendig“, so Grieveson.
Grundsätzlich profitiert die Region zwar von den stark steigenden Verteidigungsausgaben bei den dortigen NATO-Mitgliedern. „Wesentliche Wachstumsimpulse sind davon aber nur dann zu erwarten, wenn ein größerer Anteil als bisher in die Beschaffung von Waffen und Ausrüstung investiert wird und diese Güter auch lokal produziert werden, anstatt sie aus den USA und anderen Drittstaaten wie Südkorea zu importieren“ , sagt der wiiw-Experte.
Für 2026 prognostiziert das wiiw den EU-Mitgliedern der Region ein Wachstum von durchschnittlich 2,6% und damit gleich viel wie im Herbst erwartet. Auch 2027 dürfte es mit 2,7% ähnlich hoch ausfallen.
Leichter Anstieg bei Prognose
Gegenüber der Herbstprognose ist das für 2027 eine leichte Revision nach oben um 0,2 Prozentpunkte. Damit dürften diese Länder sowohl heuer als auch im nächsten Jahr trotz mancher Schwierigkeiten wieder fast doppelt so stark wachsen wie die Eurozone (2026: 1,4%; 2027: 1,5%). Spitzenreiter beim Wachstum unter den östlichen EU-Mitgliedern ist neuerlich Polen, und zwar sowohl heuer (3,7%) also auch im nächsten Jahr (3,2%), gefolgt von Litauen (2026: 3%) und Kroatien (2026: 2,8%).
In Ungarn geht’s aufwärts
In Ungarn, wo im April eine richtungsweisende Parlamentswahl stattfindet, die Premier Viktor Orbán das Amt kosten könnte, springt die Konjunktur nach der Stagnation im Vorjahr wieder an (2026: 2,2%; 2027: 2,5%).
Die sechs Staaten am Westbalkan expandieren vergleichsweise kräftig (2026: 3,1%; 2027: 3,5%), auch wenn es für Serbien aufgrund der anhaltenden Proteste eine Revision nach unten gab. Recht gut läuft es auch in der Türkei, die heuer um 3,9% und im kommenden Jahr um 4,4% wachsen dürfte.
Österreich kann optimistisch auf die Wirtschaftsentwicklung in Osteuropa blicken. Das spiegelt sich auch in den Exporten in die Region wider, die von Jänner bis Oktober 2025 um zwei Prozent zulegten, während sie insgesamt um 1,6% sanken. Auch wenn die wichtigen Handelspartner Rumänien und die Slowakei heuer noch etwas schwächeln, werden sie im nächsten Jahr wieder deutlich wachsen. (rk)
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