INDUSTRIAL TECHNOLOGY
Gläserne Fasern © Pixabay Rosy
© Pixabay Rosy

Helga Krémer 30.09.2022

Gläserne Fasern

Stakeholder der Glasfaser- und Mobilfunkbranche tauschten sich am 10. FiberDay in Linz über Chancen, Möglichkeiten und die Zukunft des Breitbandes aus.

LINZ. Logischerweise stand am 10. FiberDay auch FTTH im Fokus. FTTH steht dabei für "Fiber to the Home" und bedeutet, dass die Datenübertragung von der Vermittlungsstelle bis zum Anschluss des Kunden vollständig über Glasfaser erfolgt. Dabei wird im Gebäude ein Glasfaser-Hausanschluss installiert, von wo innerhalb des Hauses die weitere Verkabelung ebenfalls per Glasfaserkabel verläuft. Für den Kunden sind auf diesem Weg höchste Geschwindigkeiten von 10 Gbit/s und darüber möglich. Im Zusammenhang mit FTTH wird gelegentlich auch der Begriff FTTO ("Fibre to the Office") verwendet. Dieser beschreibt das Verlegen von Glasfaser bis in einzelne Büros hinein.

Experten unter sich
Das Panel des Businesstalks „Die Zukunft des FTTH-Marktes in Österreich“ – bestehend aus Igor Brusic, Präsident Open Fiber Austria, Boris Nemšić, Senior Advisor Connecting Europe Broadband Fund, Marcus Grausam, CEO A1 Telekom Austria AG, und Johannes Gungl, RML Infrastruktur GmbH – erörterte die Frage, ob jeder Haushalt und jedes Unternehmen in zehn Jahren einen Glasfaseranschluss haben werde. Igor Brusic, Präsident des Verbands der offenen Glasfasernetze Open Fiber Austria, betonte, „dass Glasfasernetze notwendige Infrastruktur für Alle“ seien und nahm den öffentlichen Bereich beim Ausbau in die Pflicht: „Glasfaser ist kein Werkzeug, sondern eine neue und gesellschaftsrelevante Infrastruktur für die künftigen Generationen. Die öffentliche Hand muss daher eine viel größere Rolle einnehmen. Der Ausbau darf nicht rein privat erfolgen.“

Auch Nemšić fand klare Worte: „Wir als Gesellschaft in Österreich können es uns gar nicht leisten, dass nicht jeder Haushalt einen Glasfaseranschluss hat. Das ist eine Notwendigkeit, unsere Kinder stehen im Wettbewerb mit China und den USA, deshalb müssen bis 2030 alle einen Glasfaseranschluss haben, auch wenn sie ihn nicht wollen oder glauben, ihn jetzt nicht zu brauchen.“
Aber welches Modell ist das Beste für einen flächendeckenden Ausbau? Marcus Grausam, CEO von A1: „Wir planen einen jährlichen Ausbau von 200.000 Haushalten. Unsere Strategie ist eine hybride Strategie: In dicht besiedelten Gebieten bauen wir Glasfaser, in dünn besiedelten Gebieten verwenden wir Kupfertechnologie. Der Ausbau der Glasfaser-Infrastruktur bedarf einer längeren Vorlaufzeit. Wichtig ist dabei, dass wir den Kunden nie außer Acht lassen“.

Das liebe Geld…
Bei der Diskussion zeigte sich, dass Vertreter privater Investoren im Sinne des Investitionsmodells handeln und den Business Case im Fokus haben, um das investierte Geld auch zeitnah wieder zurückzuverdienen. Brusic: „Wettbewerb ist als Antrieb für den Ausbau gut, darf aber nicht auf Kosten der Qualität gehen.“ Einig waren sich alle Diskutanten, dass auf den Endnutzer vergessen werde und die Vorteile und die Bedeutung von Glasfaser noch stärker kommuniziert werden sollte, um die Nachfrage zu erhöhen. Daher pocht die Open Fiber Austria darauf, den Wettbewerb auf eine andere Ebene zu heben: „Auf der baulichen Infrastrukturebene ist dieser Wettbewerb nicht zielführend, daher ist es sinnvoll, die Infrastruktur für alle zu öffnen – ähnlich wie es beim Stromnetz schon heute ist“, so Brusic.

Bei der Anzahl der Glasfaseranschlüsse in Österreich bestehe laut OFAA jedenfalls Nachholbedarf: Der Anteil an versorgungsfähigen Häusern in Österreich liege bei 23%, die Quote jener Häuser, die ein Service in Anspruch nehmen, liege nur bei 3%.

Über die OFAA
Die Open Fiber Austria, OFAA, wurde 2021 mit dem Ziel gegründet, ein offenes, flächendeckendes und demokratisches Glasfasernetz in Österreich zu ermöglichen. Der Verband sieht sich als innovative Drehscheibe für Infrastrukturnutzer, Telekommunikationsbranche, Glasfasernetzbesitzer und Kabelbetreiber, um die notwendige Infrastruktur zu schaffen, die dem Endkunden schnellstes, unabhängiges und kostengünstiges Internet bis ins Wohnzimmer garantiert. Ein erster Meilenstein ist die Entwicklung des zukunftsorientierten Standards, OAID (Open Access ID), der den Zugang zu einem offenen Netz vereinfacht. Diese Glasfaser-ID ist die Kennzeichnung des Zugangs zum Glasfasernetz in der Wohnung oder im Büro. (hk)

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