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Brauchen wir nur mehr Raketenwissenschaftler? © Sebastian Freiler

Markus Hengstschläger, Jan Trionow, Patricia Neumann, Franz-Josef Lackinger, Henrik Starup Hansen

© Sebastian Freiler

Markus Hengstschläger, Jan Trionow, Patricia Neumann, Franz-Josef Lackinger, Henrik Starup Hansen

Redaktion 27.03.2019

Brauchen wir nur mehr Raketenwissenschaftler?

Über „Me, Myself & A.I.“ in der Arbeitswelt diskutierten Experten am Montag in Wien.

WIEN. Welche Kompetenzen der Mensch, und insbesondere der Arbeitnehmer, braucht, um im Wettbewerb und in Koexistenz mit Künstlicher Intelligenz & Co. bestehen zu können, thematisierten Patricia Neumann, Markus Hengstschläger, Henrik Starup-Hansen und Jan Trionow am Montagabend im Rahmen des ExpertenClubs des BFI Wien.

Gesucht: Raketenwissenschaftler?
„Wenn es um die Vermittlung von Digitalkompetenzen geht, geht es auf der einen Seite meist um die Frage ‚Wo drehe ich den Computer auf?‘ und auf der anderen Seite sind wir auf der Ebene ‚Raketenwissenschaft‘", leitete BFI Wien-Geschäftsführer Franz-Josef Lackinger die Diskussion ein. "Dazwischen spielen sich aber vermutlich 80 Prozent der Bedürfnisse der heimischen Arbeitnehmer und Unternehmer ab.“

Trionow: Digitale Unreife
„Mehr als die Hälfte der heimischen KMU befinden sich auf der digitalen Reifeskala noch am Anfang", so Drei-CEO Jan Trionow - und obwohl die Digitalisierung gerade erst begonnen habe, spreche man schon jetzt von einem Fachkräftemangel.

Neumann: Offenheit für Technik
Patricia Neumann, CEO IBM Österreich, zeigte sich nicht zuletzt wegen dieser rasanten Entwicklung überzeugt davon, "dass die digitale Transformation alle betrifft". Das bedeute zwar nicht, dass künftig jeder Programmierkenntnisse entwickeln müsse, aber die „Menschen brauchen künftig mehr Technologieverständnis und mehr Offenheit für Technik.“ Das sei auch nicht als Bedrohungsszenario zu sehen, schließlich seien die Menschen durchaus dafür empfänglich: „Beim Smartphone haben wir auch nicht lange gebraucht, um uns damit anzufreunden“.

Starup-Hansen: Tool statt Thermosäge
Henrik Starup-Hansen, Geschäftsführer Wiesenthal Handel und Service GmbH, teilt diese Einschätzung – früher hat der Mechaniker gleich das Werkzeug zur Hand genommen, heute hat man sich daran gewöhnt, dass man zuerst die Diagnosesoftware aufruft“. Vor allem ältere Mitarbeiter hätten mit der rasanten Entwicklung aber doch auch Schwierigkeiten. „Wir sind hier als Unternehmen gefordert, mittels Schulungen die Mitarbeiter bei der Entwicklung zu unterstützen.“

Hengstschläger: Bildung hört nicht beim Programmieren auf
Für Markus Hengstschläger, Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik der MedUni Wien, geht es primär darum, die Talente zu wecken, die in allen von uns schlummern, und neben technischen Fertigkeiten vor allem die sogenannte ungerichtete Bildung zu forcieren: „Ich bin überzeugt, dass jeder das Programmieren lernen kann. Wobei nicht jeder gleich gut“, so der Genetiker, so wie ein Elefant auch mit viel gutem Willen nicht auf einen Baum komme.

„Wichtig ist, dass wir den Menschen Mut, Flexibilität, das psychische Umgehen mit diesem Mehr an Flexibilität, die richtige Selektion von Information, intra- sowie interpersonelle Intelligenz vermitteln.“ Und: Es brauche daher politische Konzepte, "damit in dieser Übergangsphase nicht Menschen auf der Strecke bleiben".

Von nichts kommt nichts
Klar sei auch, dass in die Kompetenzvermittlung der Menschen aktiv investiert werden muss. Denn „das lebenslange Lernen hört nicht auf“, wie Neumann betont. Eine bedeutende Rolle spielen dabei aber nicht nur die Bildungseinrichtungen, sondern auch die Unternehmen. „Wir müssen eine Kultur des Lernens schaffen und den Mitarbeitern die Rahmenbedingungen liefern, um sich weiterentwickeln zu können“, sagt Trionow. Das gelte auch für die Rekrutierung neuer Mitarbeiter, wie Starup-Hansen betont: „Wenn wir nicht das richtige Umfeld schaffen, haben wir bei den Talenten keine Chance.“

Mit offenen Augen
Fest stehe jedenfalls, dass die Zukunft am Arbeitsmarkt des 21. Jahrhunderts per se keine Bedrohung sei: Man muss den Mut haben, einmal loszugehen. Denn wer losgeht, findet Lösungen auf Fragen, die er nicht einmal gestellt hat. Wer aber zu Hause bleibt, findet nichts und muss dafür bezahlen, was ein anderer gefunden hat“, wünschte sich Hengstschläger, dass mehr Menschen mit Enthusiasmus – und vor allem offenen Augen und Ohren – durch die Welt gehen, anstatt Angst vor dem Neuen zu haben.

Diskussionen
Anschließend tauschten sich in der Wiener Labstelle rund 100 Gäste aus, darunter AMS Wien-Chefin Petra Draxl, Gabriela Grottenthaler-Riedl (AWS), Sabine Bretschneider (medianet), Andreas Eichler (fair-finance Holding), Brigitte Heller (Bildungsdirektion für Wien), Christian Horak (Contrast Ernst & Young), Christoph Matzl (Kronen Zeitung) und Monika Ottenschläger (Bawag PSK). (red)

 

 

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