WIEN. Soziale Medien haben sich für Jugendliche und junge Erwachsene zu einem wichtigen Kanal für politische Informationen entwickelt. Laut der vom Parlament beauftragten Studie „Junge Menschen & Demokratie 2025“ des Foresight-Instituts informieren sich 69% der 16- bis 26-Jährigen zumindest einmal pro Woche über Politik auf sozialen Medien. 2018 lag dieser Anteil noch bei 30%. Unter den zumindest gelegentlichen Nutzern sozialer Medien als politische Informationsquelle liegt Instagram mit 72% vor TikTok mit 37%.
Reichweite und Vertrauen klaffen auseinander
Klassische Medien werden dadurch allerdings nicht vollständig verdrängt. Von den jungen Menschen, die soziale Medien oder KI-Chatbots zur politischen Information verwenden, greifen 78% zusätzlich auf Tageszeitungen, Fernsehen oder Radio zurück. Gleichzeitig zeigt sich ein deutlicher Unterschied beim Vertrauen: Rund drei Viertel der Nutzerinnen und Nutzer klassischer Medien vertrauen dem jeweiligen Medium, bei sozialen Medien ist es nur rund ein Fünftel.
Politische Inhalte treffen auf Plattformen zudem unmittelbar auf Unterhaltung, Werbung und private Beiträge. Nachrichten werden dadurch häufiger nebenbei konsumiert. Gleichzeitig orientieren sich junge Menschen stärker an einzelnen Personen und weniger an etablierten Medienmarken.
Fragmentierte Öffentlichkeit
Die Parlamentskorrespondenz sieht darin eine Ambivalenz: Digitale Medien erleichtern den Zugang zu Informationen und ermöglichen neue Formen politischer Beteiligung, schwächen aber zugleich klassische Strukturen zur Auswahl und Einordnung von Informationen. Soziale Medien schaffen zudem algorithmisch zusammengesetzte Teilöffentlichkeiten, in denen Nutzerinnen und Nutzer unterschiedliche Themen und Erzählungen präsentiert bekommen. Für Jugendliche bedeutet das, zunehmend mit unterschiedlichen Ausschnitten gesellschaftlicher Wirklichkeit aufzuwachsen.
Die Analyse ist Teil des parlamentarischen Jahresschwerpunkts „teilhaben teilsein“, der 2026 die gesellschaftspolitische Teilhabe junger Menschen in den Mittelpunkt stellt. (red)