Leapmotor-Bilanz ein Jahr nach Markteintritt
© Stellantis
MOBILITY BUSINESS Redaktion 19.06.2026

Leapmotor-Bilanz ein Jahr nach Markteintritt

Brand Manager Christian Bley über das Österreich-Geschäft, neue Modelle und China-Bedenken.

•• Von Alexander Haide

Leapmotor ist ein chinesischer Hersteller, der Elektroautos und auch hybride Modelle im Portfolio hat. Das Unternehmen wurde im Jahr 2015 von dem Elektronik-Ingenieur Zhu Jiangming gegründet und ist zu 21% im Besitz des Konzerns Stellantis mit Sitz in den Niederlanden. An Leapmotor International hält Stellantis mit 51% die Mehrheit. Im medianet-Interview erklärt Leapmotor Österreich-Brand Manager Christian Bley, weshalb Vorbehalte in Sachen Datenschutz, Ersatzteilverfügbarkeit und mangelnde Reichweite völlig unbegründet sind.

medianet: Wie hat sich Leapmotor in Österreich etabliert und was sind die bisher gefragtesten Modelle?
Christian Bley: Leapmotor hat eine sensationelle Entwicklung genommen. Wir sind im vergangenen Jahr im März gestartet, haben in diesem Mai zum ersten Mal die Ein-Prozent-Hürde beim Marktanteil geknackt und viele namhafte Hersteller hinter uns gelassen. Zudem freut uns, dass Leapmotor als Elek-tromarke wahrgenommen wird. Die Hauptmodelle sind derzeit ganz klar der C10, B10 und mit geringem Abstand der T03, der gerade seine Nische findet. Unser Durchschnittskunde ist zwischen 30 und 40 Jahre alt und davon sind mehr als 80 Prozent Neukunden, die von anderen Marken zu uns wechseln. Der Auftragsbestand ist sehr gut. Mit dem B05 kommen in den kommenden Tagen neue Fahrzeuge ins Land und im Herbst der B03X. Wir werden in diesem Jahr noch ein weiteres Modell vorstellen, das im ersten Quartal 2027 auf den Markt kommen wird.

medianet: Wie ist das Verhältnis von reinen BEV und Hybriden?
Bley: Es sind rund 80 Prozent reine Elektrofahrzeuge und 20 Prozent Hybride.

medianet: Sind mit den derzeitigen Modellen alle Klassen und Segmente bereits abgedeckt?
Bley: Wir sind mit dem kleinsten und dem größten Fahrzeug gestartet, mit dem B10 decken wir nun das C-Segment ab. Mit dem B05 gibt es eine flachere Variante im C-Segment und damit können wir weitere Kunden gewinnen, da der Markt in diesem Bereich mit dieser Reichweite nicht sehr groß ist.
Leapmotor ist als Tech-Company gestartet und der Gründer ist auch Ingenieur. Sein Traum war es immer, ein Auto zu entwickeln, bei dem die Produktion derart hochgradig automatisiert ist und über einen großen technologischen Vorsprung verfügt. Das Leapmotor-Konzept ist so einfach aufgestellt, dass es nicht zig Varianten gibt. In jedem Fahrzeug ist alles enthalten, nur die Farbe kann gewählt werden. Damit ist alles vorhanden, was der Fahrer an Bord benötigt und die Fahrzeuge können einfach produziert werden. Deshalb entwickelt sich der B10, dicht gefolgt vom C10, zum Verkaufsschlager, in der Stadt wie auf dem Land.

medianet: Wer ist der typische Leapmotor-Käufer?
Bley: Derzeit sind das hauptsächlich Familien und Menschen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren. Darunter sind viele, die auf dem Land wohnen und gerade ein Haus mit PV-Anlage auf dem Dach gebaut haben. Der Wandel zum Elektro-Auto findet so ganz automatisch, ohne Druck, statt. Die Fahrzeuge sind heute technologisch sehr gut ausgereift und auch die Ladeleistung von rund zwanzig Minuten ist beachtlich. Die Reichweiten sind mit 400 bis 500 Kilometern ebenfalls sehr gut. Es gibt also keinen Nachteil mehr gegenüber dem Verbrenner.

medianet: Wo liegt der USP von Leapmotor?
Bley: Durch den hohen Grad an Automatisierung bei der Produktion können wir natürlich sehr attraktive Preise anbieten. Es ist die Kombination von Hochtechnologie und Preis. Beim B10 etwa ist von der Sitzheizung und -belüftung bis zum Panoramadach das ganze Spektrum vorhanden.
Um die Hemmschwelle zu einem chinesischen Produkt zu senken, errichtet Leapmotor derzeit ein riesiges Werk im spanischen Saragossa. Ab November laufen dort die ersten Fahrzeuge vom Band. Das ist allerdings nicht nur das Zusammenschrauben des Autos – sondern ein Großteil der Fertigung, wie dem Stanzen der Karosserie bis zum Pressen von Kunststoffteilen passiert in Spanien. Im ersten Schritt wird noch das Batteriepack zugeliefert, alles andere wird im Werk in Saragossa gefertigt.

medianet: Leapmotor wirbt mit dem Slogan ‚Design für Nachhaltigkeit‘. Was kann man sich darunter vorstellen?
Bley: Es sind sehr viele Recyclingprodukte in den Fahrzeugen verbaut, beginnend beim Schaumstoff in den Sitzen bis hin zu Kunststoffteilen und Stahl, wenn er noch über eine gewisse Güte verfügt. Darauf legt Leapmotor großen Wert. Auch beim Bau neuer Werke wird darauf geachtet, dass nicht nur auf den Dächern Solaranlagen errichtet werden, sondern auch Solarfelder, um beinahe die gesamte Produktion mit Energie zu versorgen.

medianet: Es gibt noch immer Vorbehalte bei chinesischen Fahrzeugen, was etwa die Datensicherheit betrifft.
Bley: Leapmotor ist natürlich sehr connected. Wenn es um das Thema Datenschutz geht, unterscheidet sich Leapmotor von anderen Herstellern. Da Leapmotor zu 51 Prozent Stellantis gehört, werden die Regeln wie für andere Stellantis-Marken beachtet. Es werden keine Daten direkt nach China geschickt, sondern an Stellantis. Danach wird gefiltert, welche Daten weitergegeben werden. Der Hauptserver steht in den USA, aber wir halten die europäischen Regeln ein. Natürlich sind Over-the-Air-Updates und Konnektivität große Themen.

medianet: Leapmotor wird noch immer als Start-up bezeichnet. Nun meinte der ÖAMTC, dass gerade junge Marken manchmal rasch wieder vom Markt verschwinden und Reparaturen und Ersatzteile dann schwer bzw. gar nicht zu bekommen sind. Wie ist das bei Leapmotor?
Bley: Hier ist der riesige Benefit das Asset, dass Leapmotor eine Marke von Stellantis ist. Deshalb gibt es gewisse Verträge und Verpflichtungen. Wir garantieren, dass zumindest für zehn Jahre nach dem Kauf die Ersatzteilverfügbarkeit gewährleistet ist. Dafür steht der Stellantis-Konzern gerade und würde im Anlassfall einspringen. Das ist der riesige Benefit gegenüber anderen Herstellern. Wir haben in Europa mittlerweile auch ein Netz von knapp eintausend Händlern aufgebaut.

medianet: Wie sieht es mit flächendeckenden Werkstätten aus?
Bley: Wir sind in Österreich und Europa sehr gut vertreten und wachsen stetig weiter. In Österreich gibt es mittlerweile 40 Werkstätten, in den kommenden Wochen und Monaten kommen fünf weitere hinzu. Das ist eine gute Marktabdeckung, die uns auch besonders wichtig ist. Wenn der Worst Case eintritt haben wir auch die Möglichkeit, Over-the-Air extrem viel im Bereich von Pannenhilfe zu leisten.
Leapmotor zeichnet sich auch dadurch aus, dass extrem wenige unterschiedliche Teile in den verschiedenen Modellen verbaut sind. In einem B10 finden sich die gleichen Schrauben wie im C10. Beim C10 gibt es für alle Varianten nur eine Stoßstange, die vorrätig gehalten werden muss. Es wird versucht, dass so wenig Ersatzteile wie möglich gebraucht werden. Das macht unsere Lagerhaltung viel einfacher und sorgt für eine exorbitant bessere Verfügbarkeit von Ersatzteilen.

medianet: Welches Auto fahren Sie derzeit?
Bley: Aktuell ist das ein C10.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL