Sachbezug für E-Autos gefährdet Mobilitätswende
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MOBILITY BUSINESS Redaktion 22.05.2026

Sachbezug für E-Autos gefährdet Mobilitätswende

Burkhard Ernst (WKO) kritisiert Pläne der Bundesregierung, Elektroautos künftig mit einem Sachbezug zu belegen.

•• Von Alexander Haide

Seit beinahe 70 Jahren haben die Familien Ernst und Lemberger die Marke „Mazda Rainer“ aufgebaut, heute ist die dritte Generation am Steuer. Im Laufe der Jahrzehnte gesellten sich zu Mazda die Marken Yamaha, Vespa, Piaggio und seit einigen Monaten auch Toyota. Damit ist das Familienunternehmen einer der Big Player im heimischen Autohandel. Geschäftsführer Burkhard Ernst ist stellvertretender Obmann des Bundesgremiums Fahrzeughandel der Wirtschaftskammer Österreich und täglich mit dem Thema der Mobilitätswende konfrontiert.

Nach dem Wegfall der Befreiung von der motorbezogenen Versicherungssteuer und maßgeblicher Förderungen beim Kauf von Elektroautos droht nun das nächste Hindernis am Weg zur Transformation: Können Unternehmen bisher ihren Mitarbeitern E-Autos steuerschonend als Teil des Gehalts zur Verfügung stellen, sollen diese zukünftig als Sachbezug gelten und damit besteuert werden. Im medianet-Interview analysiert Burkhard Ernst die aktuelle Situation.

medianet: Neuzulassungen bei E-Autos boomen aufgrund des Konflikts am Persischen Golf. Wird sich der Trend fortsetzen, auch wenn der Krieg vorbei ist?
Burkhard Ernst: Österreich ist immer ein Sonderfall, denn die Österreicher wollen Neuerungen prinzipiell nicht. Das ist tief in uns verwurzelt. Andererseits sind der politische Druck und Wille zur Energiewende und zum, von der EU verordneten, Green Deal vorhanden. Was macht der gelernte Österreicher? Er kauft Hybrid-Fahrzeuge, die mit zwei Motoren ausgestattet sind und wähnt sich sicher. Deshalb sind die Steigerungszahlen bei Hybrid-Fahrzeugen bei den Neuzulassungen am größten. Diese Situation wird sich weiter fortsetzen.

medianet: Und wie sieht es bei reinen E-Fahrzeugen aus?
Ernst: Auch dort gibt es starke Zuwächse, vor allem bei Firmenfahrzeugen. Wenn Unternehmen ihren Mitarbeitern Dienstfahrzeuge auch zur Privatnutzung zur Verfügung stellen, gibt es den gewaltigen Vorteil, dass es sich um keinen Sachbezug handelt und daher keine Steuern für die Nutzung fällig werden. Für Mitarbeiter macht das, abhängig vom Anschaffungspreis und der jeweiligen Steuerklasse pro Monat bis zu 500 Euro netto aus.

medianet: Wie war das bisherige Modell gestaltet?
Ernst: Hier geht es darum, dass ein Unternehmen seinen Mitarbeitern einen Wagen als Gehaltsbestandteil zur Verfügung stellt. Bei Verbrennern wird der Sachbezug so geregelt, dass monatlich zwei Prozent der Anschaffungskosten inklusive Umsatzsteuer als geldwerter Sachvorteil angerechnet und mit einer Obergrenze von 960 Euro pro Monat versteuert werden müssen. Bis zu einem CO2-Ausstoß von aktuell 126 Gramm pro Kilometer sind das monatlich 1,5 Prozent und maximal 720 Euro. Für diesen Betrag muss auch Lohn- bzw. Einkommenssteuer bezahlt werden. E-Fahrzeuge sind aktuell davon ausgenommen, denn sie stoßen kein CO2 aus.

medianet: Jetzt will die Regierung auch für E-Autos den Sachbezug einführen. Was würde das bedeuten?
Ernst: Hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen und ich kann die Verantwortungsträger in der Bundesregierung nur dringend ersuchen, diesen Schritt noch einmal zu überdenken. Das kann sehr schnell zum Bumerang werden. Wir haben zuletzt gesehen, dass die Verteuerung beim Dieseltreibstoff dazu geführt hat, dass Dieselfahrzeuge deutlich weniger nachgefragt werden. Jeder Mensch mit ökologischem Grundverständnis wird unterstreichen, dass es für den Umstieg zur E-Mobilität Anreize braucht. Sogar der Rechnungshof hat vor Jahren davor gewarnt, dass eine Einführung des Sachbezugs auf Elektrofahrzeuge nicht dabei helfen würde, die Klimaziele zu erreichen und, dass deren Verfehlung Österreich bis zu neun Milliarden Euro kosten könnte.

medianet: Welche Auswirkungen erwarten Sie durch den Wegfall der Incentives auf die Verkaufszahlen von E-Fahrzeugen?
Ernst: Ich möchte den Teufel nicht an die Wand malen, aber wenn wir uns die Reaktionen von allen möglichen Seiten ansehen, dann lässt sich schon ableiten, dass dies zu einer Veränderung führt. Wir wissen auch aus Gesprächen, dass viele Unternehmen ihrer Orders für neue E-Fahrzeuge jetzt on hold gestellt oder sogar schon storniert haben. Manche überlegen sogar einen kompletten Ausstieg aus der E-Mobilität. Das ist in mehrfacher Hinsicht ein Problem. Wenn die Hersteller ihre Flottenziele nicht erreichen, wird letztlich auch die EU-Vorgabe mit der 90-prozentigen CO2-Reduktion bis zum Jahr 2035 nicht gelingen.

medianet: Was heißt der Wegfall von Förderungen wie die Steuerbefreiung für den E-Auto-Markt?
Ernst: Es bedeutet, dass sich die Situation für Elektrofahrzeuge deutlich verschlechtert. Unternehmen sind nicht nur aufgrund des grünen Gedankens auf Elektroautos umgestiegen, sondern auch, weil es sich in der Kassa ausgewirkt hat. So günstig konnte man kein vergleichbares Auto kaufen und als Mitarbeiter nutzen.

medianet: Welche langfristigen Auswirkungen auf den Verkauf von E-Fahrzeugen erwarten Sie?
Ernst: Das sind schleichende Prozesse, man kauft ja schließlich nicht jeden Tag ein neues Auto Daher wird sich das nicht so kurzfristig im Kaufverhalten niederschlagen, langfristig kann das die E-Mobilität aber ganz massiv aus der Spur bringen. Die Verkäufe von Hybriden sollten aber in jedem Fall weiter steigen.

medianet: Welchen Anteil haben E-Pkw am Geschäft der Rainer Gruppe und wie sind Ihre Zukunftsprognosen?
Ernst: Eine generell wichtige Tendenz seit vielen Jahren im Hause Rainer ist die fortwährende Reduktion der Verbrauchs- und Abgaswerte. Das schaffen wir durch die Verbesserung der Verbrennungsmotorentechnologie und durch alternative Antriebe, also Hybrid und Elektro. Ich bin sicher, dass sich beide Trends fortsetzen werden. Der Absatz von E-Autos wird aufgrund dieser Maßnahmen vermutlich temporär ein wenig zurückgehen, langfristig geht es aber kontinuierlich bergauf. Bei uns sollte der Anteil von E-Autos jedenfalls deutlich steigen, weil deren Anteil in der Gesamtflotte deutlich höher ist. Bei Mazda hatten wir nur wenige E-Fahrzeuge im Angebot, bei Toyota ist der Anteil deutlich höher. Es zeigt sich aber schon jetzt, dass die Hereinnahme der Marke Toyota eine gute Ergänzung für unser Portfolio war. Insgesamt entwickeln sich die Verkaufszahlen sehr gut.

medianet: Woran liegt es, dass in Österreich die Mobilitätswende eher schleppend vorangeht?
Ernst: Österreich verursacht aber gerade einmal 0,2 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Daher betrachte ich ­solche Thematiken gerne aus der Meta-Ebene. Brauchen wir die Mobi­litätswende? Wenn wir der politischen Vorgabe des Green Deal folgen, dann ist sie notwendig und muss auch aktiv betrieben werden. Global gesehen muss CO2 eingespart werden, das ist klar. Ich bin aber auch überzeugt, dass wir eine Energie- und Technologieoffenheit benötigen, und dass die Österreicherinnen und Österreicher wissen, welches Fahrzeug sie für welche Zwecke einsetzen. Es kann aber nicht sein, dass alles bis ins kleinste Detail vorgeschrieben wird. Und es wird immer schwierig, wenn sich die Politik in die Technologie einmischt.

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