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Gender Gap: Digital Skills forcieren Gleichberechtigung Accenture

Sandra Babylon, Accenture

Accenture

Sandra Babylon, Accenture

Redaktion 07.03.2016

Gender Gap: Digital Skills forcieren Gleichberechtigung

Zum Weltfrauentag publiziert Accenture eine Studie über den Einfluss digitaler Kompetenzen auf Frauenkarrieren. Bessere Qualifikation heißt nicht mehr Geld: Für ein "gutes Leben", so eine Untersuchung der Allianz, verdienen Frauen um 900 Euro zu wenig.

Wien. Frauen nutzen die Chancen der Digitalisierung, um im Beruf aufzusteigen und den Karriereabstand zu ihren männlichen Kollegen zu verringern, so eine Studie des Beratungsunternehmens Accenture in 31 Ländern zum Weltfrauentag am 8. März. Eine hohe Digital Fluency – digitale Kompetenzen sowie neue berufliche Möglichkeiten durch Digitalisierung – hilft besonders Frauen dabei, ihre Karriereaussichten zu verbessern und die nötigen Voraussetzungen für den beruflichen Aufstieg zu schaffen. Somit könne die Digitalisierung in den nächsten Jahren dazu beitragen, die Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Arbeitsleben weiter voranzutreiben.
Die Studie "Getting to Equal: How Digital is Helping Close the Gender Gap at Work" zeigt für alle untersuchten Länder einen ausgeprägten Zusammenhang zwischen einer hohen Digital Fluency von Frauen und ihrem Bildungsniveau sowie ihren Berufsaussichten. In 16 der 31 untersuchten Länder erreichen Frauen ein höheres Bildungsniveau als Männer – unter anderem, weil sie digitale Technologien effektiver nutzen. Zudem eröffnen sich neue berufliche Chancen für Frauen, da sie Dank der Digitalisierung flexibler arbeiten können und stärker von neuen Berufsbildern profitieren. Männer ziehen daraus zwar ebenfalls Vorteile im Job, doch laut Studie hat Digital Fluency einen wesentlich stärkeren Einfluss auf die Karrierechancen von Frauen.

Österreich im Mittelfeld

Im Vergleich aller untersuchten Länder belegt Österreich lediglich einen der mittleren Plätze, sowohl was die Digital Fluency (Platz 16), das Bildungsniveau (Platz 12), die Beschäftigungsfähigkeit (Platz 13) und die beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten (Platz 12) von Frauen betrifft. Gerade bei der für die zukünftigen Karrierechancen von Frauen so wichtigen Digital Fluency sind die Niederlande, die skandinavischen Länder und die USA führend, während Schwellenländer wie die Philippinen, Indien und Indonesien auf den letzten Plätzen landen. In Österreich geben 81% der Männer und 61% der Frauen an, täglich digitale Kanäle zu nutzen. 52% der in Österreich befragten Frauen und Männer sind überzeugt, dass digitale Technologien es für Frauen einfacher machen, eine Beschäftigung aufzunehmen und auf Dauer am Berufsleben teilzunehmen. Dass die Digitalisierung mehr Flexibilität im Beruf bringt und somit eine bessere Work-Life-Balance ermöglicht, sagen 52% aller Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer in Österreich. 33% meinen, dass digitale Möglichkeiten den Zugang zu Kinderbetreuung erleichtern. Immerhin knapp ein Drittel der Befragten (31%) gab an, digitale Fähigkeiten für den beruflichen Aufstieg genutzt zu haben, wenn auch nur zehn Prozent darin den Grund für ein höheres Gehalt sehen.

Digitale Kompetenz bringt noch nicht mehr Geld

Das Berechnungsmodell zeigt weiterhin: Wenn Regierungen und Unternehmen die Geschwindigkeit verdoppeln, mit der Frauen digital kompetent werden, könnte Geschlechtergleichheit am Arbeitsplatz in den Industriestaaten bereits im Jahr 2040 erreicht werden, also 25 Jahre schneller als bei der jetzigen Entwicklung. Während Digital Fluency Frauen zwar dabei hilft, in ihrer Karriere schneller voranzukommen, ist es noch nicht gelungen, den Abstand zu Männern in Führungspositionen deutlich zu verringern oder den Gehaltsunterschied zwischen den Geschlechtern auszugleichen. „Auf dem beruflichen Weg nach oben gehen noch zu viele Frauen verloren, obwohl sie immer besser qualifiziert sind und die Chancen der Digitalisierung zu ihrem Vorteil zu nutzen wissen“, sagt Sandra Babylon, Geschäftsführerin für den Bereich Financial Services und verantwortlich für die Women Initiative bei Accenture. „Die Unternehmen müssen mehr tun, um qualifizierten Frauen den beruflichen Aufstieg zu ermöglichen und dabei ihre digitalen Kompetenzen voll auszuspielen. Denn genau diese Fähigkeiten werden im Arbeitsalltag immer wichtiger und bieten Frauen somit eine Möglichkeit, bei Karriere und Bezahlung zu ihren männlichen Kollegen aufzuschließen.“

„Gutes Leben“ beginnt für Frauen bei rund 2.400 € im Monat

Laut einer am Montag publizierten "Geldstudie" der Allianz verdienen Frauen jedenfalls  "900 Euro zu wenig für ein gutes Leben": „Neun von zehn Frauen halten ihr Einkommen für niedrig oder bestenfalls durchschnittlich, sind aber in ihren finanziellen Ansprüchen deutlich bescheidener als die Männer“, kommentiert Martin Bruckner, Chief Investment Officer der Allianz Gruppe in Österreich, die Ergebnisse der Studie, die sich mit den Einstellungen und Perspektiven der Frauen rund um das Thema Geld beschäftigt. Wie die Befragung zeigt, sind Frauen mit ihrem aktuellen persönlichen Monatseinkommen deutlich unzufrieden: Mehr als jede dritte Befragte als „durchschnittlich“. Mehr als die Hälfte der Frauen definiert ihr Einkommen als „sehr niedrig“ (17%) beziehungsweise „eher niedrig“ (38%). Nach aktuellen Zahlen der Statistik Austria verfügen Frauen im Mittel über ein Nettomonatseinkommen von 1.490 €. Um ein „gutes Leben“ führen zu können, würden sie der Umfrage zufolge aber etwa 900 € mehr benötigen, nämlich 2.374 €. Damit zeigen sie sich aber noch immer deutlich bescheidener als Männer, für die ein guter Lebensstandard ab 3.492 € monatlich beginnt.  (red)

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