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Stabilisierte Geschäftslage, skeptischer Ausblick dpa Fredrik von Erichsen

Der Verfall des Ölpreises und der Preise für Industrierohstoffe spiegeln die globale Nachfrageschwäche wider. Selbige bremse die Erholung in Europa zwar, halte sie aber (noch) nicht auf.

dpa Fredrik von Erichsen

Der Verfall des Ölpreises und der Preise für Industrierohstoffe spiegeln die globale Nachfrageschwäche wider. Selbige bremse die Erholung in Europa zwar, halte sie aber (noch) nicht auf.

Redaktion 26.01.2016

Stabilisierte Geschäftslage, skeptischer Ausblick

IV-Chefökonom Helmenstein: Globale Wachstumsabschwächung und Gegenwind von den internationalen Finanzmärkten prägen die Konjunkturerwartungen

Wien. Die internationalen Börsen präsentieren sich zu Jahresbeginn in einer schwachen Verfassung. So markant der Fehlstart an den Aktienmärkten ausgefallen ist, so gering ist er mit der tatsächlichen Konjunkturentwicklung verknüpft. Vielmehr handele es sich, so die Industriellenvereinigung (IV) in einer Aussendung am Dienstag, "um die Korrektur einer Hausse, die von einer unkonventionellen Geldpolitik, welche auf negative Einlagezinsen und – global betrachtet – billionenschwere Anleihenkäufe setzt, befeuert wurde". Vorübergehend wurden im Ergebnis ambitionierte Bewertungsniveaus erreicht, sodass für sich genommen wiederholt zu beobachtende, wenngleich eher kleine Unterschreitungen der erwarteten makroökonomischen Dynamik genügten, um eine kräftige Kurskorrektur auszulösen.

Abkühlung seit dem Sommer

Denn schon seit dem Sommer hat sich das globale Konjunkturumfeld abgekühlt. Sowohl in China als auch in den USA hat sich diese Tendenz über den Jahreswechsel hinweg fortgesetzt. Der Verfall des Ölpreises, noch verstärkt durch die Rückkehr des Irans auf die internationalen Märkte, und der Preise für Industrierohstoffe spiegeln die globale Nachfrageschwäche wider. Selbige bremse die Erholung in Europa zwar, halte sie aber (noch) nicht auf. Dementsprechend „berichten die Unternehmen einerseits von einem stabilisierten Geschäftsgang, andererseits überwiegt ein skeptischer Tenor bei den Geschäftsaussichten“, so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer bei einem Pressegespräch zu den Ergebnissen des aktuellen Konjunkturbarometers aus dem 4. Quartal 2015.

Ergebnisse des Konjunkturbarometers

Das IV-Konjunkturbarometer, das als Mittelwert aus den Beurteilungen der gegenwärtigen Geschäftslage und der Geschäftslage in sechs Monaten bestimmt wird, erholt sich nach dem Rücksetzer im Vorquartal und steigt von +16 Punkten auf +22 Punkte. Dieser Wert übertrifft zwar die bisherigen Ergebnisse des Jahres 2015, liegt aber nach wie vor hinter den Werten der beiden letzten Erholungsphasen 2010/2011 und 2013/2014 zurück. Getragen wird der Anstieg von einer verbesserten aktuellen Geschäftslage (+46 nach +35 Punkten). „Hingegen verharren die Geschäftserwartungen nach ihrem Einbruch im Herbst weiterhin auf einem besorgniserregend tiefen Niveau“, so IV-Chefökonom Christian Helmenstein. „Der negative Saldo von -2 nach -3 Punkten im Vorquartal bringt zum Ausdruck, dass der Anteil jener Respondenten, die einen ungünstigen Geschäftsgang erwarten, weiterhin überwiegt“, so Helmenstein.

Belastend wirkt dabei der Rückgang der Gesamtauftragsbestände, die um 2 Punkte von +43 Punkten per Saldo auf +41 Punkte sinken. Zwar erweisen sich die Auftragsbestände noch als überwiegend auskömmlich, um die Produktionskapazitäten weitgehend auszulasten. Auftragsmangel herrscht bei lediglich jedem fünfundzwanzigsten Unternehmen. Allerdings entfernt sich der betreffende Wert immer weiter von den für eine normale Aufschwungsphase typischen Niveaus, sodass sich bei schrumpfender Auftragsreichweite die Voraussetzungen für die Vornahme von Erweiterungsinvestitionen weiter eintrüben. Stabilisierend wirkt derzeit vor allem die Komponente der Auslandsaufträge, welche sich von +36 Punkten auf +41 Punkte verbessert, sodass sich die seit einem Jahr bestehende Lücke zwischen Inlands- und Auslandsdynamik wieder geschlossen hat. Dies deutet darauf hin, dass die höhere Wachstumsdynamik insbesondere auf den zentral- und osteuropäischen sowie den deutschen Märkten in abgeschwächter Weise nunmehr auch die heimischen Betriebsstätten erreicht. Dennoch sind die Exporteure mit erheblichen Schwierigkeiten konfrontiert, ihre internationale Marktposition trotz der exportfördernden absatzseitigen Preisvorteile im Gefolge der deutlichen Abwertung der europäischen Gemeinschaftswährung zu halten.

Im Einklang mit der schwächeren Auftragslage gestalten die Unternehmen ihre Produktionsplanung für die nächsten Monate weiterhin vorsichtig. Der saisonbereinigte Wert der Produktionstätigkeit auf Sicht eines Quartals bildet sich von +16 auf +12 Punkte zurück. Aufgrund grosso modo stagnierender Produktionserwartungen und einer abnehmenden Auftragsreichweite verfestigt sich der im vorhergehenden Quartal zu beobachtende Trendwechsel bei der Einstellungsneigung: Der Saldo für den Beschäftigtenstand bleibt mit -4 nach -5 Punkten in negativem Terrain.

Überkapazitäten befeuern Preisdruck

Unverändert herausfordernd ist die Situation bei den Verkaufspreisen. Hier schlagen sich die international weiterhin vorhandenen Überkapazitäten in einem hohen Preisdruck nieder (Saldo von -8 Punkten nach -7 Punkten im Vorquartal), der zu nach wie vor fallenden Verkaufspreisen für industriell erzeugte Güter führt. Im Einklang mit einer rohstoffkostenbedingten Entlastung auf der Beschaffungsseite, zugleich aber auch einem unverändert hohen Druck auf die Verkaufspreise bei einer noch befriedigenden Auftragslage verbessert sich die aktuelle Ertragslage etwas (Saldo +16 Punkte nach +12 Punkten). Auf Sicht von sechs Monaten hingegen zeichnet sich keine Verbesserung der Ertragsaussichten ab, im Gegenteil: Auch dieser Indikator bleibt bei einem Saldo von -2 Punkten nach zuvor -4 Punkten auf Schrumpfkurs.

Umso wichtiger sei, hieß es, "die beschlossene Senkung der Arbeitszusatzkosten in mehreren Etappen. Sie kann den Einstieg in eine nachhaltige Trendumkehr zugunsten einer kostenseitigen Entlastung der Produktion am Standort Österreich markieren, sofern die Vorhaben den Auftakt für eine Serie weiterer Maßnahmen bilden. Kostensenkende Reformen sind notwendig, aber nicht hinreichend, um verlorengegangene Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen. Zugleich braucht es sowohl vertrauensbildende als auch potenzialerhöhende Maßnahmen, um den Standort Österreich wieder an die europäische Spitze zurückzuführen".
An der jüngsten IV-Konjunkturumfrage beteiligten sich 422 Unternehmen mit rund 265.400 Beschäftigten. (red)

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