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20 Prozent weniger als vor zehn Jahren: Entwicklung bäuerlicher Einkünfte ist ein Armutszeugnis © Kovanda / Hron
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Redaktion 23.08.2021

20 Prozent weniger als vor zehn Jahren: Entwicklung bäuerlicher Einkünfte ist ein Armutszeugnis

Handelskonzerne feiern Rekordgewinne, landwirtschaftliche Betriebe zahlen die Rechnung; Bürgerinitiative oekoreich fordert Systemwandel.

WIEN. Wie Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger kürzlich deutlich gemacht hat, entwickeln sich die landwirtschaftlichen Einkünfte der heimischen Bäueren katastrophal. Mittlerweile verdienen sie um rund 20% weniger als noch vor zehn Jahren. Lag das durchschnittliche Einkommen im Jahr 2011 noch bei rund 35.000 € pro Jahr und Betrieb, waren es 2020 nur noch rund 28.000 €. In den letzten drei Jahren gab es zudem ein Netto-Minus von rund neun Prozent. Und das, obwohl die Rohstoffpreise genauso wie alle anderen Lebenskosten stark anziehen. Kein Wunder, dass immer mehr landwirtschaftliche Betriebe für immer schließen müssen.

Gleichzeitig verdienen sich insbesondere die Handelskonzerne eine goldene Nase, immer öfter mit importierter Ware, wie oekoreich zuletzt mehrfach bei Eiern oder Fleisch aufdeckte. Noch nie war die Lage so günstig für Rewe, Hofer & Co wie im Corona-Jahr 2020. Während die Produzenten immer weniger Lohn für ihre ehrliche Arbeit erhalten, streifen die Handelsbetriebe neue Rekordgewinne ein. Für die Bürgerinitiative oekoreich, Nachfolgerin des erfolgreichen Tierschutzvolksbegehrens, kommt diese Entwicklung einem Armutszeugnis gleich und verlangt nach einem Systemwandel.

„Zu Recht verlangen wir Konsumenten höchste Standards bei Tierwohl und Naturschutz – aber diejenigen, die sie zu erbringen haben, werden im Stich gelassen. Die Handelskonzerne schauen nur noch auf ihre Profite und importieren lieber Qualitätsfleisch aus Litauen wie Hofer oder pflegen Geschäftsbeziehungen zu dubiosen Agrarkonzernen aus der Ukraine wie Rewe, statt faire Preise zu bezahlen. Die Politik appelliert an die Konsumenten, aber blockiert immer noch die Herkunftskennzeichnung. So geht’s nicht mehr weiter, wir werden diese desaströse Dynamik in der Landwirtschaft nicht länger hinnehmen“, so Sebastian Bohrn Mena, Sprecher der Bürgerinitiative oekoreich und Initiator des Tierschutzvolksbegehrens.

Die wichtigste Maßnahme zur Steigerung des landwirtschaftlichen Einkommens der Bauern ist die verpflichtende Herkunftskennzeichnung bei Lebensmitteln – von verarbeiteten Produkten im Supermarkt bis hin zum Landgasthaus. Zudem gilt es die kleinbäuerlichen Betriebe im Zuge der GAP-Reform stärker zu bedenken, auch Tierwohl & Naturschutz müssen mehr gefördert werden. Nicht zuletzt braucht es mehr Kommunikation zwischen Konsumenten und Produzenten, um das Bewusstsein zu schärfen. Plumpe Propaganda und durchsichtiges Marketing helfen nicht. Die Bürgerinitiative oekoreich bietet hierzu erneut die Zusammenarbeit an. (red)

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