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Coronakrise bringt Schweine-Erzeugerpreis wieder zum schmelzen © APA/dpa/Daniel Maurer
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Redaktion 27.04.2020

Coronakrise bringt Schweine-Erzeugerpreis wieder zum schmelzen

Schweinebörsenchef hofft, dass Lebensmittelhandel Preisspirale nach unten nicht noch zusätzlich mit Lockangeboten befeuert.

WIEN. Wie gewonnen so zerronnen: Das gilt derzeit aufgrund der Coronakrise im Frühjahr 2020 für die heimischen Schweinebauern. Lag der Erzeugerpreis in den ersten Monaten des heurigen Jahres noch um etwa ein Drittel höher als im Jahr davor, so wurde dieses Hoch nun wegen der Auswirkungen des Virus praktisch zur Gänze wieder abgegeben.

"Wir haben die Talsohle jetzt wohl noch nicht erreicht", befürchtete Johann Schlederer, Chef der österreichischen Schweinebörse, im Gespräch mit der APA. Erst dieser Tage wurde ein Preiseinbruch verzeichnet. "Der Erzeugerpreis ist von 2 auf 1,70 Euro gefallen", so Schlederer. "Ein Schlachtschwein ist praktisch auf einen Schlag um 30 Euro weniger wert."

Zuerst gab es in den vergangenen Monaten, etwa seit vorigen April, ein relatives Preishoch von an die 2 € pro Kilogramm Schlachtgewicht. Das war hervorgerufen durch Marktverwerfungen durch die Schweinepest, die in Asien zugeschlagen hatte. So kaufte China viel Schweinefleisch in Europa, wodurch der Preis stieg. Davor hatte es bis zum vorigen Frühjahr ein extremes Preistief von etwa 1,30 € gegeben.

Dass jetzt der Preis neuerlich sinkt ist laut Schlederer einerseits dem geschuldet, dass in Europa aufgrund des Coronastillstands  im Frühjahr weniger Fleisch konsumiert wird. Wenn Gasthäuser und Kantinen wegfallen, wird das vom Heimkonsum nicht kompensiert, so der Fachmann. Dazu komme vor allem aber auch, dass derzeit US-amerikanische Produzenten wegen des dortigen Stillstands mit Kampfpreisen auf den chinesischen Markt drängen, "dass es grad so rauscht". So werden europäische Anbieter tendenziell ausgestochen, und der Schweinepreis hierzulande sinkt.

Bei den Verbrauchern dürfte der sinkende Preis wie immer zeitverzögert ankommen. Schlederer hofft jedenfalls, dass der Lebensmitteleinzelhandel in der jetzt wieder angespannten Preissituation die Spirale nach unten nicht noch zusätzlich befeuert. Allerdings gilt Schweinefleisch in Österreich als eines der besten Lockangebote für Supermärkte, um die Kunden zu sich zu ködern. (red)

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