WIEN. „Ein vollständiges Aus ist möglich, aber keineswegs zwangsläufig“, sagte Carsten Kortum von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn der dpa. Eine Fortführung mit deutlich weniger Häusern sei denkbar, nicht jedoch eine dauerhafte Rettung des gesamten Filialnetzes.
Galeria betreibt aktuell 83 Filialen und beschäftigt rund 12.000 Mitarbeiter. Am Freitag meldete das Düsseldorfer Unternehmen zum vierten Mal innerhalb von sechs Jahren Insolvenz an. Voraussetzung für eine Fortführung seien laut Kortum wirtschaftlich tragfähige Häuser, ein klares Sortimentsprofil und ausreichend Eigenkapital für Modernisierungen. Zudem brauche Galeria einen Eigentümer, der langfristig an das Geschäftsmodell Warenhaus glaube. Eine weitere Sanierung, die vor allem auf Forderungsverzicht und Kostensenkungen setze, werde kaum ausreichen.
Als grundlegende Probleme nennt Kortum zu große und teilweise wenig attraktive Verkaufsflächen, hohe laufende Kosten und ein schwaches Sortimentsprofil gegenüber Onlinehandel, Fachgeschäften und Discountern. „Man kann Schulden streichen und Verträge kündigen, aber keine Kundennachfrage herbeisanieren“, so der Experte.
Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg sieht vor allem die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit im Mode-Sortiment als Ursache. Dieses stehe für mehr als die Hälfte des Umsatzes. Die wiederholten Insolvenzen von Galeria sowie den Vorgängerunternehmen Kaufhof und Karstadt verglich Roeb mit einem Gummiball, der eine Treppe hinunterhüpft: Nach jedem Aufschlag gehe es kurzfristig wieder aufwärts, langfristig lande der Ball jedoch immer tiefer.
Noch skeptischer äußert sich Jörg Funder von der Hochschule Worms. Er nennt eine schwache Unternehmensführung, Defizite im Geschäftsmodell und die anhaltende Konsumschwäche als wesentliche Ursachen. Bereits 2008 habe er geschätzt, dass in Deutschland maximal 55 zentral geführte Warenhausfilialen wirtschaftlich betrieben werden könnten. Den jüngsten Eigentümern wirft Funder mangelndes Interesse am operativen Geschäft und das Fehlen einer langfristigen Perspektive vor. Seine Einschätzung zur Zukunft von Galeria: „Ich glaube, es wird Zeit, von der Palliativstation ins Ruhebett überzusiedeln.“