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Karstadt-Kaufhof-Fusion: Die eigentliche Arbeit fängt jetzt erst an © Karstadt

Stephan Fanderl

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Stephan Fanderl

Redaktion 11.12.2018

Karstadt-Kaufhof-Fusion: Die eigentliche Arbeit fängt jetzt erst an

Die Mitarbeiter, Lieferanten und Kunden müssen sich auf viele Veränderungen einstellen - Sparstift wird angesetzt.

ESSEN/KÖLN. Noch ist in den Warenhäusern von Kaufhof und Karstadt in Deutschland nichts von dem bevorstehenden Umbruch zu bemerken: Das Hauptaugenmerk gilt dem wichtigen Weihnachtsgeschäft. Doch 2019 dürfte für die neuerdings unter einem Dach vereinten Warenhausketten massive Veränderungen bringen.

Die Eigentümer von Karstadt und Kaufhof, die österreichische Signa-Holding des Tiroler Investors Rene Benko und der kanadische Handelskonzern HBC, hatten Mitte September mitgeteilt, die beiden Warenhausketten zusammenzuschließen. Der Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof wurde Ende November offiziell vollzogen. Die Karstadt-Mutter Signa hält dabei einen Anteil von 50,01 Prozent an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen, HBC 49,99 Prozent. Der bisherige Karstadt-Chef Stephan Fanderl soll nun aus den schwächelnden Ex-Konkurrenten einen auch im Internet-Zeitalter wettbewerbsfähigen Handelsriesen schmieden. Das werde "harte Arbeit" hat er schon angekündigt.

Tatsächlich sind die Herausforderungen groß. "Das Warenhaus ist die Königsdisziplin des Einzelhandels. Kein anderes Geschäftsmodell ist so kompliziert", erklärt Jörg Funder, Professor für Unternehmensführung im Handel an der Hochschule Worms. "Die Infrastruktur beider Häuser – ihre Steuerungs- und Beschaffungssysteme - zusammenzuführen, wird deshalb eine Mammutaufgabe."

Fanderl betonte in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", sein Ziel sei es, bei der Warenhaushochzeit "das Beste aus beiden Welten optimal zu verbinden". Die ersten Weichen für den Kurs des neuen Handelsriesen wurden bereits gestellt. Geleitet wird das Unternehmen demnach in Zukunft vor allem von Karstadt-Managern. Neben Fanderl wird so auch Karstadt-Finanzvorstand Miguel Müllenbach eine Schlüsselrolle im neuen Konzern übernehmen. Kaufhof-Chef Roland Neuwald wird den Konzern dagegen Ende Jänner verlassen. Die Kaufhof-Geschäftsführer Edo Beukema, Klaus Hellmich und Peter Herlitzius haben bereits ihre Mandate niedergelegt.

Weitere wichtige Entscheidungen etwa über die Frage, ob die Kaufhof-Zentrale in Köln oder die Karstadt-Zentrale in Essen aufgegeben wird, könnten schon Anfang 2019 fallen, signalisierte Fanderl. "Wir stellen gerade Wirtschaftlichkeitsberechnungen an und verhandeln mit den Städten." Doch auch andere wichtige Fragen müssen rasch beantwortet werden: ob Filialen geschlossen werden. Und: wie viele Arbeitsplätze in der Logistik und in der IT eingespart werden können.

Wie vielen Warenhäusern im Zuge der Fusion das Aus drohen könnte, ist bisher noch ein gut gehütetes Geheimnis. "Wir werden um jede Filialen mit aller Kraft kämpfen", versprach Fanderl kurz nach dem Vollzug der Fusion der Warenhausketten. Bei Karstadt habe sich gezeigt, das defizitäre Standorte durch Änderungen im Betriebsmodell wieder in die schwarzen Zahlen gebracht werden könnten. "Das trauen wir uns auch bei Kaufhof zu." Die Karstadt-Sanierung werde in vielen Punkten als Vorbild für die Neuaufstellung der Kaufhof-Warenhäuser dienen.

Branchenkenner Funder ist grundsätzlich optimistisch, was die Chancen des neuen Handelsriesen angeht. "Die Erfolgsaussichten sind gar nicht so schlecht. Es ist eine große Herausforderung, aber sie ist mit entsprechendem Einsatz zu bewältigen." Der Handelsexperte ist überzeugt: "Einen Kahlschlag wird es nicht geben. Maximal sind pro Jahr vielleicht vier bis sechs Filialen gefährdet. Filialschließungen im größeren Stil sind gar nicht möglich. Das wäre schon wegen der lange laufenden Mietverträge viel zu teuer", meint der Branchenkenner.

Dass es zu einem Arbeitsplatzabbau bei dem neuen Warenhausriesen kommt, gilt unter Experten dennoch als ausgemacht. Dies dürfte nicht zuletzt die Logistik und die IT betreffen. Denn hier lässt sich durch die Zusammenlegung der Strukturen richtig Geld sparen. Und Geld sparen will Fanderl. Die Fusion soll Synergien in dreistelliger Millionenhöhe bringen.

Auch die Mitarbeiter werden für die Sanierung der Warenhäuser finanzielle Opfer bringen müssen. Fanderl will die bei Bekanntwerden der Übernahmepläne ins Stocken geratenen Verhandlungen mit der deutschen Gewerkschaft Verdi über einen Sanierungstarifvertrag für Kaufhof rasch wieder aufnehmen. Zur Debatte stehen könnten dann beispielsweise Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Für die Karstadt-Häuser gibt es eine solche Regelung schon längst.

Das alles ist sozusagen klassisches Handwerk. Doch will Fanderl bei der Neuausrichtung von "Kaufstadt" auch neue Wege gehen. So könnten die Warenhausfilialen in den Stadtzentren nicht mehr nur dem Verkauf dienen, sondern parallel auch als "Logistik-Hubs" zur Auslieferung von Online-Bestellungen für Dritte funktionieren. Fanderl hat dazu eigens ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Logistik-Dienstleister Fiege gegründet.

Auch für die Kunden dürfte sich einiges ändern. "Wir werden uns noch stärker auf die traditionell starken Warenhaussortimente konzentrieren und ihnen deutlich mehr Platz geben. Dazu gehören beispielsweise Damenoberbekleidung, Wäsche, Strümpfe, Lederwaren oder Koffer", verriet Fanderl bereits. Die für das Warengruppenmanagement und das Marketing des neuen Warenhausriesen zuständige Managerin Claudia Reinery signalisierte im Gespräch mit der Fachzeitung "Textilwirtschaft" außerdem bereits, dass das Thema Sport wieder stärker in die Häuser geholt werden soll.

Bei anderen Sortimenten, bei denen die Warenhäuser über die Jahre an Bedeutung und Kompetenz verloren haben, will Fanderl dagegen in Zukunft verstärkt Partner in die Häuser holen. Wie das Aussehen könnte, darauf gibt die Karstadt-Filiale in Düsseldorf einen Vorgeschmack. Dort sind kürzlich eine Aldi-Filiale und ein Go-Asia-Supermarkt ins Untergeschoß eingezogen. "Das schafft Besucherfrequenzen, die wir dort früher nicht gesehen haben", berichtet Fanderl. Und geht gleich noch einen Schritt weiter. Auch Dienstleistungsangebote könnten künftig eine größere Rolle spielen, meint er. "Warum soll es nicht in einer Warenhausimmobilie beispielsweise innerstädtische Kindertagesstätten geben." (red)

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