MAV warnt nach Ardo-Werksschließung
© Katharina Schiffl
Günter Thumser, Geschäftsführer MAV
RETAIL Redaktion 28.09.2026

MAV warnt nach Ardo-Werksschließung

Die angekündigte Schließung des Werks von Ardo Austria Frost in Groß-Enzersdorf nach der heurigen Ernte ist für den Österreichischen Verband der Markenartikelindustrie (MAV) ein Alarmsignal für den heimischen Lebensmittelstandort.

WIENJ. Rund 190 Beschäftigte und 50 saisonale Leiharbeitskräfte sind unmittelbar betroffen, zudem bangen rund 270 Gemüsebauern im Marchfeld um ihre wirtschaftliche Grundlage.

„Dieser Schritt ist mehr als die Schließung eines einzelnen Werks – er ist ein Fanal für das, was passiert, wenn der Preis zum einzigen Maßstab wird“, warnt Günter Thumser, Geschäftsführer des Österreichischen Verbands der Markenartikelindustrie. Der MAV warne seit Monaten vor einem Billigpreis-Wettlauf.

Der Verband sieht in der Werksschließung die Folge einer zunehmenden Ausrichtung auf den niedrigsten Einkaufspreis. Heimische Qualitätsstandards etwa bei Sozialstandards, Düngung, Pflanzenschutz oder Tierwohl seien mit höheren Produktionskosten verbunden. Eine ausschließliche Orientierung am niedrigsten Preis beschleunige daher die Abwanderung von Produktionsbetrieben an günstigere Auslandsstandorte.

„Nur ein fairer Preis sichert das Morgen“, betont Thumser. Heimische Qualität brauche eine wirtschaftliche Grundlage. Der MAV warnt zudem vor einer steigenden Importabhängigkeit bei Gütern des täglichen Bedarfs.

Gleichzeitig spricht sich der Verband gegen ein generelles Verbot territorialer Lieferbeschränkungen aus. Regionale oder nationale Vereinbarungen zwischen Herstellern und Handel seien wichtig, um heimische Produktion und Arbeitsplätze abzusichern. „Vier Handelskonzerne decken über 90 Prozent des täglichen Haushaltsbedarfs ab. Dieser enormen Marktkonzentration steht eine Vielzahl heimischer Lieferanten gegenüber“, so Thumser.

Der MAV appelliert daher an die Bundesregierung, den von Österreich auf EU-Ebene eingebrachten Vorstoß zu territorialen Lieferbeschränkungen vor dem EU-Rat am 15. und 16. Oktober neu zu überdenken.

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