RETAIL
Rohstoffe vor einer Preisexplosion © APA/dpa-Zentralbild/Patrick Pleul
© APA/dpa-Zentralbild/Patrick Pleul

Redaktion 09.04.2021

Rohstoffe vor einer Preisexplosion

Auf den internationalen Märkten befinden sich die Preise für Rohstoffe und Verpackung im Höhenflug.

WIEN. „Die Corona-Pandemie hat Auswirkungen auf viele Bereiche unseres Lebens. Was bisher völlig unbemerkt blieb, sind die Entwicklungen auf den internationalen Rohstoffmärkten für agrarische Produkte wie Getreide, Mais, Honig und Pflanzenöle”, erläutert Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie.

Engpässe & Verknappungen

Auch bei Verpackungsarten wie Kunststoff, Kartonagen, Aluminium, etc. seien bereits Lieferengpässe und Verknappungen eingetreten. „Die Preise haben sich innerhalb eines Jahres ungefähr verdoppelt und haben zuletzt gleichzeitig in einer Reihe von Kategorien in unglaublicher Geschwindigkeit angezogen”, weiß Koßdorff.

Ausschlaggebend dafür ist die steigende internationale Nachfrage nach diversen Agrarwaren und Verpackungsmaterial, die bereits weltweit zu einer Knappheit bei vielen Rohstoffen führt. Im Bereich der Frachtkosten ist die Steigerung der Preise sogar noch höher; bis zum Achtfachen sind die Preise für Container von China nach Rotterdam angestiegen – eine Entwicklung, die schon vor der jüngsten Blockade des Suezkanals durch ein Frachtschiff sozusagen auf Schiene ist.
Die Situation insgesamt beschleunigt sich zusehends: Für Agrar-Rohstoffe veröffentlicht die Landwirtschaftsorganisation der WHO, die FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations), auf ihrer Website regelmäßig einen eigenen Index für Lebensmittel, den Food Price Index (FFPI). Dieser Index ist ein Maß für die monatlichen Änderungen der internationalen Preise eines Lebensmittelkorbs. Er besteht aus dem Durchschnitt von fünf Preisindizes für Warengruppen, gewichtet mit den durchschnittlichen Export­anteilen jeder Gruppe für den Zeitraum 2002–2004. Dieser Index hat sich in den letzten neun Monaten nach oben bewegt und erreichte kürzlich den höchsten Stand seit Juli 2014.

Die Kurve zeigt nach oben

Die Preise für fünf Warengruppen werden darin gesondert dargestellt: Getreide, Pflanzenöl, Milch, Fleisch und Zucker. Alle fünf Kurven zeigen seit Monaten kontinuierlich nach oben. Besonders stark war der Anstieg bei Pflanzenölen: Mit 147 Punkten wurde ein Höchststand seit April 2012 erreicht; im Mai 2020 lag der Index bei lediglich rund 78 Punkten, also eine Steigerung um rund 90%.

Butter hat sich in der EU seit Anfang Jänner um rund acht Prozent verteuert, Honig ist am Weltmarkt innerhalb eines Jahres um rd. 33% teurer geworden. Und die verfügbaren Frachtressourcen sind ebenso wie die Mengen knapp. In Österreich sind zuletzt sowohl die Preise für Schlachtschweine als auch Getreide und Milchprodukte gestiegen. (red)

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL