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Zweiter Tiefschlag? © APA/Ingrid Kornberger

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP), Kastner & Öhler-Chef Martin Wäg (r.) und Grazer Bgm. Siegfried Nagl.

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Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP), Kastner & Öhler-Chef Martin Wäg (r.) und Grazer Bgm. Siegfried Nagl.

Redaktion 29.05.2020

Zweiter Tiefschlag?

Non Food- und Textil-Händler bangen: Die Auszahlung der doppelten Gehälter könnte zum Stolperstein werden.

WIEN. Seit dem wochenlangen Shutdown kämpfen viele Händler ums Überleben. Im Modehandel hat es mit Airfield, Colloseum, Dressmann, Haanl und Stefanel einige Pleiten gegeben. Nun steht die nächste kritische Phase bevor: „Wir stehen vor der Auszahlung der Urlaubsgelder, hier ist wirklich Gefahr in Verzug”, prognostiziert Martin Wäg, Chef das Grazer Traditionskaufhauses Kastner & Öhler. Wäg sowie C&A-Österreich-Chef Norbert Scheele und Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will appellierten in der Vorwoche an die Politik, dass zugesicherte Hilfen rascher fließen müssen.

„Österreich ist es gut gelungen, die gesundheitlichen Folgen der Krise zu bewältigen, aber bei den wirtschaftlichen sind wir noch gar nicht weit”, kritisierte Wäg. Die vom Staat angekündigten Unterstützungen seien erst in einem sehr geringen Ausmaß bei den Firmen angekommen.

Andere waren schneller

„Aus anderen Ländern kann ich berichten, dass das dort viel schneller ging”, holt Scheele, der neben Österreich auch weitere Länder der Textilkette C&A verantwortet, zur Schelte aus. Insbesondere die Mitarbeiterunterstützung (sprich: Kurzarbeitsgeld) müsse schneller kommen. Doch nicht nur die: „Am Beispiel des Härtefallfonds zeigt sich, wie existenzgefährdend Bürokratie ist”, beurteilt Will einen weiteren Aspekt der zögerlichen Geldflüsse.

Zuschuss als Fehlschuss

Als „reine Willkür” bezeichnete Will den Fixkostenzuschuss, den Firmen seit dem 20. Mai beantragen können. Wer einen Umsatzausfall von 39% habe, bekomme null Euro Zuschuss; der Zuschuss gilt erst ab einen Umsatzentgang von 40%.

Um aus der Krise zu kommen, müsse nun die Kaufkraft gestützt werden. Die ersten Wochen seit der Vollöffnung am 2. Mai lagen in der Kundenfrequenz in den Geschäften deutlich unter der Vor-Coronazeit. Als Anreiz schlugen die Handelsvertreter bekanntlich einen „Österreich-Scheck” über 500 € sowie das Vorziehen der Steuerreform vor. Eine Sonntagsöffnung zur Abfederung der Umsatzausfälle sieht Will eher kritisch; vier offene Sonntage würden helfen, „aber keine generelle Sonntagsöffnung, weil die Zuschläge zu hoch sind”. (APA/red)

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