mediadome pressclub: Ankünder setzt im Süden auf stabile Reichweiten – und Wachstum über digitale Netze
Im „mediadome pressclub“ vom 8. Februar 2026 sprach Herausgeber Chris Radda mit den beiden Geschäftsführern des Grazer Out-Of-Home Werbeunternehmens Ankünder GmbH, Bernd Schönegger und Diethard Weber, über die Frage, warum Außenwerbung selbst in schwächeren Konjunkturphasen ein vergleichsweise robustes Medium bleibt – und woher das aktuelle Wachstum tatsächlich kommt. Das Traditionsunternehmen mit Sitz in Graz positioniert sich dabei als regionaler Reichweitenanker mit zunehmend international skaliertem digitalen Technologie-Unterbau.
Lokale Verankerung als Stabilitätsfaktor
Schönegger und Weber zeichneten das Bild eines Marktes, der zwar unter Budgetdruck und verschärftem Effizienzdiktat steht, aber gerade deshalb Außenwerbung als „schnellen Reichweiten-Hebel“ wieder stärker in den Mediaplänen sieht. In der Logik der beiden Geschäftsführer ist das klassische Plakatgeschäft – „analog“ – der Stabilitätskern: hohe Sichtbarkeit, planbare Standorte, und ein Produkt, das in regionalen Märkten weiterhin zuverlässig Reichweite liefert.
Dass diese Stabilität nicht nur behauptet, sondern strukturell abgesichert ist, hängt bei Ankünder eng mit der Eigentümer- und Partnerkonstellation zusammen: Als Mehrheitsbeteiligung der Holding Graz ist das Unternehmen in der Region tief verankert und zugleich Teil eines größeren Verbundes.
Wachstum kommt aus Digitalisierung
Der zweite, deutlich dynamischere Teil der Erzählung ist digital: Ankünder sieht sein eigentliches Wachstum in Digital-Out-of-Home, Bewegtbild und neuen Buchungslogiken. Der Talk machte klar, dass das Unternehmen nicht nur Flächen vermarktet, sondern zunehmend Netze orchestriert: Screens, Standortpakete, Frequenzmodelle, Datenanreicherung und – perspektivisch – Automatisierung in der Ausspielung.
Für den österreichischen Markt ist das Timing günstig. Out-of-Home hat zuletzt sichtbar an Anteil gewonnen; für 2023/2024 wird in Branchenauswertungen ein OOH-Anteil von rund acht Prozent am „Above-the-line“-Kuchen genannt. Parallel verweist der Branchenverband OOHA auf hohe Marktabdeckung und eine bereits weit fortgeschrittene programmatische Buchbarkeit digitaler Flächen – ein Hinweis darauf, dass die Infrastruktur für skalierbares DOOH längst gelegt wird.
Internationales Know-how: Gewista/JCDecaux als Technologie-Backbone
Als zentralen Hebel beschrieben Schönegger und Weber die Partnerschaft mit Gewista GmbH, die Teil des weltweiten JCDecaux SE-Netzwerks ist. In der Argumentation der Ankünder-Geschäftsführer ist das mehr als eine Beteiligungs- oder Einkaufslogik: Der internationale Konzern liefert Benchmarks, technologische Standards und Innovationsimpulse – etwa anhand der Dynamik in Metropolen wie London, wo die Screen-Dichte und digitale Reichweitenmodelle seit Jahren ein Experimentierfeld für die Branche sind.
Retail Media als Beweis, dass OOH zum „Medienprodukt“ wird
Konkreter wurde der Talk dort, wo Ankünder neue Produkte an der Schnittstelle zwischen Handel und Bewegtbild positioniert. Beispielhaft genannt wurde Retail Media im Umfeld der Shopping City Seiersberg – inklusive digitaler City-Light-Netze und großformatiger Screen-Logik direkt am Point of Sale. Zu diesem Ausbau existieren auch publizierte Eckdaten (u. a. Anzahl an City Lights/Screens und wöchentliche Kontakte).
Die Botschaft dahinter: Außenwerbung wird in solchen Setups weniger als „Fläche“ verstanden, sondern als redaktionell und datenlogisch kuratierbares Inventar. Kampagnenbeispiele wie „30 Jahre OmniBiotic“ im Seiersberg-Kontext wurden als Proofpoints ins Gespräch eingebracht – als Indiz, dass sich Markenführung, Angebotskommunikation und Bewegtbild zunehmend auch in stationären Handelsräumen messen lassen.
Vom Außenwerber zum Medienunternehmen
Im mediadome pressclub wurde außerdem eine strategische Verschiebung skizziert: Durch Kooperationen mit Medienmarken wie Kronen Zeitung und Kleine Zeitung soll aus dem reinen Außenwerber ein breiter aufgestellter Medienanbieter werden – einer, der Reichweite nicht nur verkauft, sondern in Formaten denkt und redaktionelle bzw. „contentfähige“ Werbeumfelder anbietet. Der Subtext: Wer künftig Budgets gewinnen will, muss in Wirkmechaniken argumentieren (Aufmerksamkeit, Frequenz, Kontext, Abverkauf) – nicht bloß in Quadratmetern.
Public Value: Infrastruktur, Sicherheit, Stadtraum
Ein drittes Kapitel des Gesprächs drehte sich um Public Value – und damit um die Legitimität von Außenwerbung im öffentlichen Raum. Wartehallen, Informationssysteme, Katastrophenwarnung oder Defibrillatoren wurden als Beispiele genannt, bei denen Werbeträger und Stadtraum-Infrastruktur ineinandergreifen. Diese Positionierung zielt erkennbar darauf, OOH nicht nur als kommerzielle, sondern als stadträumlich nützliche Infrastruktur z