medianet technology: Mehr Steuereinnahmen, mehr Monopol: Der „JTI-Tabakmarkt-Report 2025“ über eine Branche zwischen Regulierung und Stagnation

Im Studioformat „medianet Technology“ diskutierte Herausgeber Chris Radda mit Silvia Polan, Director Public Affairs & Communication der JTI Austria GmbH, über die aktuellen Kennzahlen des heimischen Tabak- und Nikotinmarkts – und über eine politische Linie, die 2025 sichtbar weiter verfestigt wurde: höhere fiskalische Erträge bei gleichzeitig stärkerer Einbindung neuer Produktkategorien in das österreichische Monopolsystem.
Im Zentrum stand der „JTI-Tabakmarkt-Report 2025“, den Polan im Gespräch als Bestandsaufnahme eines Markts skizzierte, der zwar strukturell rückläufig ist, dem Staat aber weiterhin stabile – zuletzt sogar steigende – Einnahmen liefert. Demnach seien die Einnahmen aus der Tabaksteuer 2025 um 50 Mio. Euro auf 2,18 Mrd. Euro gestiegen. Aus Sicht Silvia Polans entspricht das in etwa den Erwartungen des Finanzressorts und passt in ein Paket zur Budgetkonsolidierung, das auch tabakbezogene Steuermaßnahmen umfasst.

Ein System aus 1784 – mit sozialpolitischem Kern
Ein zweiter Schwerpunkt des Gesprächs war die Besonderheit des österreichischen Trafikensystems: Es geht historisch auf ein Monopol zurück, das 1784 unter Kaiser Joseph II eingerichtet wurde. Im EU-Binnenmarkt musste Österreich zwar das frühere Vollmonopol (insbesondere in der Produktion) aufgeben, das Vertriebsmonopol blieb jedoch – auch mit Verweis auf den sozialpolitischen Zweck des Systems.
Polan betonte, dass das Trafikensystem bis heute Menschen mit Behinderung bevorzugt: Vorzugsberechtigt sind Personen ab 50 Prozent Behinderungsgrad, denen damit eine Möglichkeit zur selbstständigen Erwerbstätigkeit eröffnet werde. Dieser Inklusionsgedanke werde politisch wie administrativ weiterhin als Legitimation des Systemsverstanden – flankiert durch eine gesetzlich regulierte Handelsspanne, die in Österreich im europäischen Vergleich ungewöhnlich hoch ist.

Höchste Handelsspanne in Europa – und ein schrumpfendes Netz
Die regulierte Trafikantenmarge für Zigaretten bezifferte Polan mit 53 Prozent vom Nettowert bzw. „Wirtschaftsnutzen“ – ein Wert, der laut Gespräch „die höchste“ Handelsspanne Europas darstellt. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Trafiken: Von früher oft genannten 4.500 Standorten sei das Netz mittlerweile auf rund 4.300 zurückgegangen.
Als Ursache nannte Polan vor allem Standort- und Nachfolgeprobleme: Wenn eine Trafiklizenz zurückgegeben wird, versuche die Monopolverwaltung zwar eine Neubesetzung; teils fehle es aber an geeigneten Bewerbern oder die Umsatzbasis eines Standorts sei einfach zu gering. Um die Nahversorgung zu sichern, würden in Einzelfällen auch andere Verkaufsstellen (z. B. Nahversorger oder Poststellen) über entsprechende Lizenzen eingebunden.

Ab April 2026: Ausweitung des Monopols auf neue Nikotinprodukte
Strategisch relevant ist die Erweiterung des Monopols auf weitere Produktgruppen. Ab April 2026 werden Nikotinbeutel („Pouches“) sowie E-Liquids in den Monopolrahmen einbezogen – wobei Polan zwischen vollständiger Monopolintegration und einem separaten Lizenzsystem differenzierte. Begründet wurde das im Gespräch einerseits mit Einnahmen- und Systemstabilität, andererseits mit Jugendschutzargumenten: Trafiken seien ein „geschützter Kanal“, über den der Verkauf konsequent auf Erwachsene beschränkt werden könne.
Diese Ausweitung ist auch eine industriepolitische Positionsbestimmung: Polan räumte ein, dass ein Monopol in einer marktwirtschaftlichen Logik grundsätzlich kritisch gesehen werden kann, stellte aber den Konsens heraus, dass sich Industrie, Trafikanten und Staat auf dieses Modell als stabilen Vertriebs- und Regulierungsrahmen verständigt hätten.

Steuererhöhungen ab Februar 2026 – bei weiter sinkendem Zigarettenabsatz
Trotz der fiskalischen Mehreinnahmen bleibt der klassische Zigarettenmarkt rückläufig. Polan sprach für 2025 von einem Absatzminus von rund 4 Prozent (stärker als der langjährige Trend von etwa 1 bis 1,5 Prozent pro Jahr). Als wesentlichen Faktor nannte sie eine Konsumverschiebung durch Preis- und Steuerimpulse: Auch mehr Käufe wanderten ins Ausland.
Entsprechend stieg laut Gespräch der Anteil nicht im Inland versteuerter Zigaretten von 11,7 Prozent auf 13 Prozent. Polan ordnete das überwiegend als legalen Einkauf in Nachbarstaaten (EU-Binnenmarkt) ein – nicht als „Abdrängen in Illegalität“. Für 2026 verwies sie zudem auf weitere Steuererhöhungen für klassische Tabakwaren ab Februar 2026, eingebettet in breitere budgetpolitische Maßnahmen.

Illegalität bleibt Randphänomen – Fälschungen bei 0,5 Prozent
Beim Thema illegale Ware zeichnete Polan ein differenziertes Bild: Der österreichische Markt sei für gefälschte Produkte „uninteressant“, der Anteil liege bei rund 0,5 Prozent. Damit ging sie auch auf ein wiederkehrendes Narrativ der Branche ein, wonach das Zusammenspiel aus Monopol, kontrolliertem Vertrieb und politischem Bekenntnis zur Legalität des Markts dazu beitrage, Schmuggel und Fälschungen vergleichsweise niedrig zu halten.

Cannabisprodukte und Monopol: Rechtslage als Regulierungstreiber
Zum Abschluss streifte das Gespräch ein Thema, das 2025/26 medial wieder an Fahrt aufgenommen hat: der Vertrieb rauchbarer Hanfprodukte und die Frage, ob Trafiken als regulierter Kanal dienen sollen. Polan verwies auf die Rechtslage: Cannabisprodukte mit unter 0,3 Prozent THC seien laut OGHtabaksteuerpflichtig. In der Folge sei der Vertriebsweg über den lizenzierten Großhandel relevant geworden; zudem seien im Zuge der Novelle des Tabakmonopolgesetzes Regelungen geschaffen worden, wie künftig mit solchen Produkten im Rahmen des Monopols umzugehen ist. Inhaltlich hielt sich Polan bewusst zurück, da diese Produktgruppe nicht zum JTI-Portfolio gehöre. Sie bewertete aber grundsätzlich positiv, wenn der Verkauf nicht „an jeder Ecke“ erfolge, sondern über geregelte Strukturen, die Alterskontrolle und Marktordnung unterstützen.

Stabilität durch Regulierung – und ein klarer Kurs Richtung Ausweitung des Monopols
Das Studiogespräch zeigte den Kernkonflikt, der den österreichischen Markt aktuell prägt: Ein strukturell rückläufiger Zigarettenkonsum trifft auf einen Staat, der über Steuern und Monopolmechanismen weiterhin verlässlich hohe Einnahmen generiert – und diese Logik zunehmend auch auf neue Nikotin- und angrenzende Produktkategorien ausdehnt. Der „Tabakmarkt-Report 2025“ dient JTI dabei als Argumentationsrahmen: mehr Steuereinnahmen, eine politisch bestätigte Monopolarchitektur und eine Regulierung, die Stabilität verspricht – für Fiskus, Trafikennetz und Marktteilnehmer gleichermaßen.

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