macro – Der Blick aufs Ganze: Junge Industrie fordert Reformen für Arbeit, Pensionen und Bürokratie
Generationengerechtigkeit, eine stärkere Anerkennung von Leistung und Europa als Wohlstandsgarant: Diese drei Schwerpunkte stellte Eduard Fröschl, Bundesvorsitzender der Jungen Industrie in der Industriellenvereinigung, im Studiogespräch mit medianet-Herausgeber Chris Radda im medianet TV-Format „macro – Der Blick aufs Ganze“ in den Mittelpunkt.
Ein zentrales Anliegen Fröschls ist die langfristige Absicherung des Pensionssystems. Gemeinsam mit Vertretern weiterer Jugendorganisationen und der Jungen Sozialpartnerschaft wolle die Junge Industrie parteiübergreifend Reformvorschläge erarbeiten. „Auch unsere Generation hat es verdient, irgendwann in Pension zu gehen und dabei finanziell abgesichert zu sein“, sagte Fröschl.
Der demografische Wandel erhöhe den Handlungsdruck: Bis 2050 werde Österreich zwar rund 350.000 Einwohner mehr, gleichzeitig aber etwa 250.000 Erwerbstätige weniger haben. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung werde dann älter als 65 Jahre sein. Fröschl plädiert daher für stärkere Anreize, das gesetzliche Pensionsalter tatsächlich zu erreichen und nach langer Erwerbstätigkeit freiwillig länger zu arbeiten. Österreich wende derzeit rund 14 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für das staatliche Pensionssystem auf. Einsparungen müssten deshalb vor allem bei großen Ausgabenblöcken ansetzen, anstatt Forschung und Zukunftsinvestitionen zu schwächen.
Kritik übte Fröschl auch am Steuersystem. Dieses benachteilige Vollzeitarbeit und belaste Überstunden besonders stark. Wer mehr Stunden leisten wolle, müsse davon auch finanziell profitieren. „Es muss sich wieder auszahlen, mehr zu arbeiten und mehr Leistung zu erbringen“, betonte er.
Bei einer Abgabenquote von rund 56 Prozent sei Österreich bereits „Einnahmenkaiser“. Zusätzliche Steuern lehne er daher ab; notwendig seien Reformen auf der Ausgabenseite.
Als weiteren entscheidenden Wohlstandsfaktor bezeichnete Fröschl die Europäische Union. Rund 70 Prozent der österreichischen Exporte gingen in EU-Staaten. Gleichzeitig profitiere Österreich von der Sicherheitslage inmitten Europas. Um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, müssten bestehende Hürden im Binnenmarkt beseitigt und europäische Gesetze stärker auf ihre Bürokratiefolgen geprüft werden. Positive Ansätze sieht Fröschl unter anderem in einer europäischen Gesellschaftsform, einer Reform des Kapitalmarkts und einer möglichen Befreiung langfristiger privater Veranlagungen von der Kapitalertragsteuer.
Auch das in Österreich verbreitete Unternehmerbild müsse korrigiert werden. Das Klischee vom „herzlosen Ausbeuter“ entspreche nicht der Realität moderner Industriebetriebe. Diese böten hohe Löhne, sichere und saubere Arbeitsplätze sowie zusätzliche Leistungen wie Kantinen oder Betriebskindergärten. Gleichzeitig trügen Unternehmer persönliches Risiko und Verantwortung für Arbeitsplätze.
Beim Bürokratieabbau sieht Eduard Fröschl vor allem in der Digitalisierung Potenzial. Klare Gesetze sollten eingehalten und Verstöße sanktioniert werden – eine permanente Dokumentation der Gesetzestreue sei jedoch vielfach entbehrlich. Für die öffentliche Verwaltung fordert er einheitliche IT-Systeme, Schnittstellen und Datenbanken.
Österreich müsse als kleines Land „schnell und agil werden, um wieder ein Hidden Champion zu sein“, fasste Fröschl zusammen. Dafür brauche es Reformbereitschaft und einen stärkeren Blick auf jene Generationen, die den Wohlstand künftig erwirtschaften und finanzieren sollen.