Value #41: KI trifft Energiewende – Europas Märkte vor einem doppelten Strukturbruch
Im TV-Studiogespräch „Value – Der Finanz Talk“, das medianet gemeinsam mit der Fachgruppe Finanzdienstleister der Wirtschaftskammer Wien produziert, stellt Fachgruppenobmann Eric Samuiloff einen Themenkomplex in den Mittelpunkt, der derzeit nahezu jede Assetklasse berührt: den erwarteten „Mega-Impact“ von Künstlicher Intelligenz und Energiewende auf Europas Kapitalmärkte.
Zu Gast ist Wolfgang Matejka, Managing Director der Matejka & Partner Asset Management GmbH. Der Kapitalmarkt-Spezialist skizziert die KI nicht als abstrakte Zukunftsvision, sondern als Technologie, deren betriebswirtschaftliche Wirkung bereits heute messbar wird – allerdings unter Vorbehalt: Denn zwischen Produktivitätsgewinnen, gigantischem Investitionsbedarf und offenen Geschäftsmodellen verlaufe eine Spannung, die Investoren und Politik gleichermaßen fordert.
KI als „Wahrscheinlichkeitsmaschine“ – und warum Datenqualität zum Wettbewerbsfaktor wird
Matejka setzt früh bei den Grundlagen an: Large Language Models (LLMs) seien im Kern Systeme, die Wahrscheinlichkeiten zwischen Wörtern so kombinieren, dass daraus „möglichst logische Sätze“ entstehen. Gerade weil das Ergebnis nicht deterministisch ist, rückt ein klassisches IT-Prinzip wieder ins Zentrum der Debatte: „garbage in, garbage out“. Schlechte oder verzerrte Daten führten zu schlechten Ergebnissen – und damit zu operativen und regulatorischen Risiken, die Unternehmen künftig stärker einpreisen müssten.
Als wichtigste Einsatzfelder beschreibt Matejka derzeit textnahe Prozesse: Erstellung, Bearbeitung, Strukturierung und Zusammenfassung von Inhalten – bis hin zur zunehmend KI-gestützten „Internetsuche“, bei der Suchergebnisse immer häufiger als vorformulierte Antworten erscheinen. In der industriellen Praxis sieht er die Dynamik vor allem bei „KI-Agenten“: autonomen, klar abgegrenzten Softwareprogrammen, die Teilaufgaben in Prozessen optimieren. Besonders sichtbar werde das in KI-gesteuerter Robotik – mit sinkender Fehlerquote, besseren Wartungsintervallen und steigendem Output.
Hyperscaler, Capex und die offene Renditefrage
Einen Schwerpunkt legt Matejka auf die Marktstruktur: Die großen „Hyperscaler“ – extrem große, überwiegend US-amerikanische Cloud- und Plattformanbieter – treiben den Ausbau der KI-Infrastruktur mit Investitionen, die in ihrer Größenordnung historische Vergleichsprojekte übertreffen, voran. Die entscheidende ökonomische Frage sei jedoch weniger, ob investiert wird, sondern wann daraus ein tragfähiger Cashflow entsteht.
Genau hier verortet Wolfgang Matejka eine Grauzone: Produktivitätssteigerungen ließen sich zwar beobachten, aber vielfach nicht sauber als KI-bedingter Ertrag isolieren. Parallel dazu entstehe ein sozialer Anpassungsdruck: Wenn Effizienzgewinne Arbeitskräfte freisetzen, verursache die Übergangsphase Kosten – ein Punkt, der in Unternehmensbilanzen anders wirke als im gesamtwirtschaftlichen Kontext.
Finanzierungstechnisch beschreibt Matejka eine Verschiebung: Anfangs seien die Programme stark eigenfinanziert gewesen; inzwischen beobachte er eine stärkere Einbindung externer Finanzierung – etwa über Anleihen oder Private-Debt-Strukturen. Das erhöhe den Erwartungsdruck an die Monetarisierung und könne, je nach Zinsumfeld, die Risikoprämien in Teilsegmenten des Tech- und Credit-Marktes beeinflussen.
Risikoanwendungen: Warum Versicherungen bei “Auto-nomie” bremsen
Während KI in Analyse- und Assistenzfunktionen rasant vorankommt, verläuft die Entwicklung bei Hochrisiko-Entscheidungssystemen deutlich zäher. Matejka nennt autonomes Fahren als Beispiel: Nicht primär die Technik, sondern Haftung, Ethik und Versicherbarkeit setzen Grenzen. Sobald Maschinen in Dilemma-Situationen „entscheiden“ müssen, entstehe eine Verantwortungsfrage, die Märkte nicht im gleichen Tempo lösen wie Ingenieure.
Energie als Engpass: KI-Boom trifft Europas Umbau der Versorgung
Der zweite große Block des Talks verbindet KI direkt mit der Energiewende. Matejka argumentiert, dass Rechenzentren nicht nur „viel Strom“ benötigen, sondern vor allem gleichlaufende Energie, also verlässliche, wenig schwankende Versorgung. Hinzu kämen Kühlbedarf und Wasserverbrauch – Faktoren, die Standortentscheidungen und Genehmigungen zunehmend politisieren.
Zur Dimension verweist Matejka auf Hochrechnungen, wonach KI-Infrastruktur bis 2030 einen signifikanten Anteil am Stromverbrauch binden könnte. In Europa verschärfe sich die Lage durch den parallelen Umbau des Energiesystems: Elektrifizierung, Netzausbau, volatile Erzeugung aus Wind und Solar sowie geopolitische Verwerfungen wirken gleichzeitig. Für die Märkte übersetzt er das in eine klare Makro-Logik: Konjunkturaufschwünge profitieren historisch von günstiger Energie – je knapper oder teurer die Ressource, desto stärker geraten Margen, Standortattraktivität. Batteriespeicher sind die Lösungen der Zukunft: “Wenn du irgendwo hörst und liest, es gibt eine Feststoff-Batterie, die den Strom bei 80 Prozent, zwei Monate sichern kann, dann haben wir es geschafft.”, so Wolfgang Matejka.
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