Das Salzburger Unternehmen Palfinger baut Hebelösungen, um konkrete, alltägliche Probleme auf Baustellen auf der ganzen Welt zu lösen. Anforderungen von Kunden werden in komplette, funktionierende Systeme umgesetzt, die zuverlässig, einfach zu bedienen und langlebig sind. Die breite Produktpalette und lokale Präsenz unterstützen dabei ein kontinuierliches, profitables Wachstum, basierend auf langfristiger Kundennutzung und nicht auf kurzfristigen Verkäufen. Rund 12.000 Mitarbeiter sind bei Palfinger an 30 Fertigungsstandorten beschäftigt und werden von einem globalen Vertriebs- und Servicenetzwerk unterstützt, das den Support nah am Einsatzort der Geräte sicherstellt.
Das Unternehmen ist seit dem 1999 an der Wiener Börse notiert und generierte 2025 einen Umsatz von 2,34 Mrd. €, was die konstante Nachfrage nach zuverlässigen Hebelösungen und disziplinierter Ausführung widerspiegelt. Andreas Hille, Senior Vice President Global Product Line Management, Research & Development bei Palfinger, über die neuesten Entwicklungen im Bereich der Hebelösungen.
medianet: Die Logistikbranche steht unter Druck. Was bedeutet das konkret für Ihre Kunden, welche Rolle spielen dabei die Mitnahmestapler von Palfinger?
Andreas Hille: Man sieht ganz klar, dass die Anforderungen in der Logistik immer komplexer werden. Unsere Kunden müssen Waren genau dort abladen, wo sie gebraucht werden – oft unter Zeitdruck, auf engem Raum und ohne zusätzliche Infrastruktur. Entscheidend dafür sind Lösungen, die zuverlässig verfügbar sind, sich einfach bedienen und gut in bestehende Abläufe integrieren lassen. Genau hier setzen unsere Mitnahmestapler an. Sie bringen die nötige Flexibilität auf den letzten Metern und helfen, Lieferungen planbarer, schneller und sicherer abzuwickeln.
Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Einsatz zum Teil deutlich. Deshalb bieten wir ein breites Portfolio – von Seiten- und Mittelsitzmodellen über 4-Wege-Ausführung bis hin zu Diesel- und vollelektrischen Lösungen sowie ferngesteuerten oder boxmontierten Modellen. Dass wir rund elf Prozent unseres Umsatzes im Bereich Transport und Logistik erzielen, zeigt auch, wie relevant dieses Segment für uns ist – und dass wir hier weiter gezielt investieren.
medianet: Die FL-Baureihe ist der neueste Zugang in Ihrem Portfolio an Mitnahmestaplern. Was zeichnet sie aus, und welchen Mehrwert bietet sie Ihren Kunden?
Hille: Sicherheit und Ergonomie haben bei der Entwicklung der FL-Baureihe eine ganz zentrale Rolle gespielt: etwa durch eine erhöhte Sitzposition, eine verstärkte Kabine, gute 360-Grad-Rundumsicht und eine reaktionsschnelle Flursteuerung. Damit kann der Mitnahmestapler sicher und komfortabel vom Lkw oder Anhänger abgeladen und wieder aufgenommen werden. Die Baureihe umfasst sowohl Seiten- als auch Mittelsitzmodelle und deckt mit dem FLS 25, dem FLM 25 und FLM 15 ein breites Einsatzspektrum ab. Durch das modulare Konzept bieten wir unseren Kunden maximale Flexibilität.
medianet: Der FLM 15 wurde speziell für den Getränke- und Einzelhandel entwickelt. Was ist das Besondere daran? Welche Herausforderungen stellten sich bei der Entwicklung?
Hille: Die erste Frage ist immer, was der Kunde im Alltag braucht, um sicher und effizient arbeiten zu können. In der Getränke- und Handelslogistik müssen empfindliche Güter wie Glasgebinde auf engem Raum, in kurzen Lieferfenstern und bei häufigen Stopps zuverlässig bewegt werden. Unsere Aufgabe war es, eine Lösung zu entwickeln, die in diesem Umfeld präzise und einfach zu bedienen ist. Das Mittelsitzmodell FLM 15 bietet eine Tragkraft von 1,5 Tonnen und ist trotzdem extrem kompakt. Gerade in schmalen Arbeitsbereichen ist das ein großer Vorteil.
medianet: Wie viele andere Modelle ist auch der FLM 15 als vollelektrische Variante verfügbar. Welche Rolle spielt Elektrifizierung bei Palfinger?
Hille: Elektrifizierung ist ein wichtiges Technologiefeld für Palfinger – nicht nur bei Mitnahmestaplern, sondern auch bei Hubarbeitsbühnen oder Ladekranen. Ein leiser und effizienter elektrischer Antrieb reduziert Emissionen und eröffnet neue Nutzungsmöglichkeiten.
Die Entwicklung elektrischer Hebelösungen auf Basis einer einheitlichen Architektur ist für uns ein zentrales Thema. Dabei nutzen wir gezielt unsere Erfahrungen aus dem Marinebereich, wo elektrische Lösungen zunehmend neue Standards in Effizienz und Nachhaltigkeit setzen.
Der FLM 15 electric arbeitet lokal emissionsfrei und nahezu geräuschlos. Dadurch sind Einsätze am Abend, früh am Morgen oder in sensiblen innerstädtischen Bereichen mit strengen Lärm- und Emissionsauflagen besser möglich.
medianet: Palfinger hat sich mit der Strategie 2030+ ‚Reach Higher‘ ambitionierte Ziele gesetzt. Was war der Antrieb dafür?
Hille: Märkte, Technologien und Kundenanforderungen verändern sich stark. Die Strategie 2030+ ist unsere Antwort darauf. Wir wollen unsere Stärken ausbauen, unsere Position als Branchenführer sichern und langfristig profitabel wachsen. Dafür haben wir drei strategische Richtungen definiert: ‚Lifting Customer Value‘, ‚Balanced Profitable Growth‘ und ‚Execution Excellence‘.
Im Kern geht es darum, den Kundennutzen zu erhöhen, gezielt in Märkte zu investieren und unsere Abläufe entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu optimieren.
medianet: Sie nennen ‚Lifting Customer Value‘ als erstes. Was heißt das konkret?
Hille: Wir wollen Lösungen entwickeln, die für unsere Kunden einen messbaren Unterschied machen – weil sie produktiver, sicherer oder einfacher nutzbar sind. Eine Maschine muss zuverlässig arbeiten, intuitiv zu bedienen sein und zum jeweiligen Einsatz passen. Dazu kommen digitale Services und ein starkes Servicenetzwerk.
medianet: Stichwort Service. Welche Rolle spielt dabei die globale Präsenz von Palfinger?
Hille: Wir wollen noch näher an unseren Kunden sein. Deshalb bauen wir unser globales Servicenetzwerk gezielt weiter aus, etwa durch den neuen Ersatzteillogistikstandort in Huntley, Illinois, für den nordamerikanischen Markt, den Sales & Service Hub in Madrid oder durch die Zusammenarbeit mit einem strategischen Partner in Indien. So verdichten wir unsere Präsenz und können Kunden weltweit noch schneller und verlässlicher unterstützen.
medianet: Welche Neuentwicklungen sind zukünftige, strategische Schwerpunkte?
Hille: Elektrifizierung, Digitalisierung, Automatisierung, autonome Steuerungsfunktionen und alternative Antriebe sind zentrale Innovationsfelder für Palfinger. Daraus entwickeln wir konkrete, skalierbare Lösungen für unterschiedliche Anwendungen – von Logistik und Bauwirtschaft über TEC-Großkrane für urbane Einsätze bis hin zu vollelektrischen Offshore-Auslegerkranen, die künftig sicher und effizient von Land aus gesteuert werden können.
Ein topaktuelles Beispiel ist unsere Technologiekooperation mit Icon, einem US-Unternehmen im Bereich robotergestützter 3D-Drucksysteme für das Bauwesen.
Im Mittelpunkt steht ‚Titan‘, ein großformatiges Robotersystem. Es kann automatisiert bis zu acht Meter hohe Strukturen drucken und unterstützt damit auch mehrgeschoßiges Bauen. Für uns zeigt das sehr deutlich: Unsere Technologien können weit über klassische Kran- und Hebelösungen hinaus einen Beitrag leisten und helfen, Prozesse effizienter, ressourcenschonender und zukunftsfähiger zu gestalten.