WIEN. Statt die nächste KI-Revolution auszurufen, drehte sich die techConference 2026 am 9. und 10. Juni in der Messe Wien vor allem um die Frage, wo autonome Systeme heute scheitern und warum. Vor mehreren hundert IT-Fachleuten lautete die wiederkehrende Botschaft der zweitägigen Veranstaltung nicht „mehr KI“, sondern „mehr Disziplin“. Mit über 60 praxisorientierten Sessions und Workshops hat Österreichs größte IT-Konferenz gezeigt, wo KI-Automatisierung heute tatsächlich steht und wo die Grenzen autonomer Systeme liegen. „Wir erleben den Übergang vom Experimentieren zum ernsthaften Einsatz von KI-Automatisierungen und in dieser Phase brauchen Unternehmen belastbare Antworten. Genau das hat die techConference 26 geliefert“, zog Christoph Becker (Bild), CEO von ETC und Organisator der Veranstaltung, ein positives Fazit.
Schlüssel für wirksame KI
Ein zentrales Thema der Konferenz war die Frage, welche Voraussetzungen Unternehmen schaffen müssen, damit KI über das Versprechen hinauskommt. Hermann Erlach, General Manager von Microsoft Österreich, machte in seinem Beitrag deutlich, dass leistungsfähige Modelle allein nicht ausreichen: „Künstliche Intelligenz ist in vielen Unternehmen an einem entscheidenden Wendepunkt angekommen: hin zum verlässlichen Einsatz im operativen Alltag. Dafür braucht es nicht nur leistungsfähige KI-Modelle, sondern vor allem klare Verantwortlichkeiten, sichere Infrastrukturen und das Zusammenspiel von Mensch, Daten und Technologie“, so Erlach.
Bedrohung, die schon heute zählt
Für eine der eindringlichsten Botschaften der Konferenz sorgte Somya Rathee, Co-Founderin der Quantum Society Austria und Physikstudentin an der TU München. In ihrem Vortrag „Beyond Classical Limits“ zerlegte sie die verbreitete Annahme, Quantencomputing sei ein Problem von übermorgen. Doch wer heute Daten speichert, die in zehn Jahren noch vertraulich sein sollen, ist bereits angreifbar, weil Angreifer verschlüsselte Daten sammeln können, um sie später mit Quantenrechnern zu knacken. „Quantum Readiness beginnt nicht mit Hardware, sondern mit Crypto-Agilität“, so Rathee: der Fähigkeit, Verschlüsselungs-Verfahren auszutauschen, bevor der Ernstfall eintritt. Dass diese Mahnung von einer Studentin und nicht von einem Konzernvertreter kam, unterstrich ihre Wirkung.
Unbequeme These zur Softwareentwicklung
Rainer Stropek, Gründer von software architects und Microsoft MVP, griff den Modell-Hype direkt an. Nicht das bessere Sprachmodell entscheide über den Nutzen von KI in der Entwicklung, sondern das System drumherum. „KI-Agenten werden nicht dadurch produktiv, dass man ihnen mehr Autonomie gibt“, sagte Stropek. „Sie werden produktiv, wenn wir das System rundherum professionell bauen: Kontext, Werkzeuge, Tests, Feedback und klare Grenzen.“ Sein Begriff dafür „Harness Engineering“ lief auf eine Spitze gegen die Branche hinaus: Wer auf das nächste Modell-Update wartet, statt seine Prozesse zu härten, verwechselt den Demo-Effekt mit Wertschöpfung.
Angriffsfläche KI-Agent
Den Sicherheitsblock bestritten zwei international gefragte Namen: Sami Laiho, langjähriger Windows-Security-Spezialist, und Paula Januszkiewicz, Gründerin von CQURE, Enterprise Security MVP und Microsoft Regional Director. Beide drehten die Begeisterung für autonome Systeme um und fragten nach deren Schwachstellen. Der gemeinsame Nenner: Die größte Gefahr autonomer Architekturen ist das unbesehene Vertrauen, das Anwender ihnen entgegenbringen, denn jede zusätzliche Autonomie vergrößert die Angriffsfläche. Was als Werbung für KI-Automatisierung hätte daherkommen können, geriet so zu einer Konferenz über deren Bedingungen und Risiken.
Christoph Becker fasste das Programm in einem Satz zusammen, der als Eingeständnis durchgeht: „Erfolg hat nicht, wer KI nutzt, sondern wer lernt, schneller mit ihr umzugehen als der Wettbewerb.“
Presse Geschäftsführer Nowak neuer VÖZ-Präsident
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