UW Wien Südost wird Hochspannungsportal
© Niklas Stadler
INDUSTRIAL TECHNOLOGY Redaktion 10.07.2026

UW Wien Südost wird Hochspannungsportal

Die „größte Steckdose Wiens“ erhält „neue Anschlüsse“ von der APG und wird bei laufendem Betrieb zur Baustelle.

••• Von Helga Krémer

Mit einem symbolischen Spatenstich eines der bedeutendsten Energieinfrastrukturprojekte Österreichs gestartet: Die Austrian Power Grid (APG) modernisiert und erweitert die 380-kV-Schaltanlage im Umspannwerk Wien Südost. Die Investition von rund 300 Mio. € soll die Leistungsfähigkeit des Stromnetzes erhöhen und die Versorgung der Bundeshauptstadt sowie der gesamten Ostregion langfristig absichern.
Am Start des Projekts nahmen unter anderem Josef Taucher, SPÖ-Landtagsabgeordneter und Gemeinderat sowie Vorsitzender des Unterausschusses Wiener Stadtwerke (in Vertretung von Stadträtin Ulli Sima), Andreas Graf-Matzner, Vice President und Country Manager von CloudHQ Germany, Gerhard Fida, Vorsitzender der Geschäftsführung der Wiener Netze, sowie APG-Vorstandssprecher Gerhard Christiner teil.

Stromnetz als Schlüssel
Für APG-Vorstandssprecher Gerhard Christiner ist der Ausbau ein zentraler Baustein für die Energiewende. „Ein leistungsfähiges Netz ist das Rückgrat der Stromversorgung – nur wenn Erzeugung, Transport und Verbrauch ganzheitlich zusammenspielen, kann die Dekarbonisierung des Energiesystems gelingen“, sagte Christiner. Der österreichische Übertragungsnetzbetreiber plant bis 2035 Investitionen von rund neun Milliarden Euro in die Netz­infra­struktur. Das Ziel: ein Stromnetz, das den steigenden Anforderungen durch erneuerbare Energien, Industrie und Digitalisierung gewachsen ist.

Das Umspannwerk Wien Südost nimmt dabei eine besondere Rolle ein. „Strom-Knotenpunkte wie Wien Südost funktionieren wie gigantische Steckdosen, die erneuerbare Erzeugung, industrielle Transformation und digitale Infrastruktur verbinden“, erklärte Christiner.

Durch die Modernisierung soll sich die Anschlussleistung Wiens verdoppeln. Gleichzeitig wird die Anlage während der rund zehnjährigen Bauphase weiterbetrieben. Die Bedeutung des Standorts zeigt sich auch an den transportierten Strommengen: Im Jahr 2025 flossen rund 22 Terawattstunden Strom über das Umspannwerk – etwa ein Drittel des österreichischen Jahresverbrauchs im öffentlichen Netz.

Worauf Wien setzt
Auch die Stadt Wien sieht den Ausbau als wichtigen Schritt für die Energiezukunft. Josef Taucher betonte, dass der Ausbau erneuerbarer Energien entscheidend sei, um unabhängiger von fossilen Energieträgern und internationalen Energiepreisschwankungen zu werden.  „Leistbare Energie ist ein zentrales Thema für die Wienerinnen und Wiener“, sagte Taucher. Der Ausbau erneuerbarer Energie sei nicht nur eine technische Aufgabe, sondern ein Beitrag zu einer sicheren und nachhaltigen Stadtentwicklung.

Wien will die Leistung aus erneuerbaren Quellen bis 2030 auf bis zu 1.800 Megawatt steigern und damit mehr als verdoppeln. Bereits heute liefern rund 17.600 Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 325 Megawattpeak Strom für umgerechnet mehr als 91.000 Haushalte.

Das Ziel der Stadt: Bis 2030 soll Sonnenenergie in einem Viertel aller Wiener Haushalte genutzt werden. Die Modernisierung des Umspannwerks Wien Südost soll dafür die notwendige Netzinfrastruktur schaffen.

Wiener Netze investieren
Nicht nur die APG baut am Standort aus. Auch die Wiener Netze investieren rund 40 Mio. € in die Erweiterung des Umspannwerks Wien Südost. Geschäftsführer Gerhard Fida verwies auf die hohe Versorgungssicherheit des regionalen Netzbetreibers von 99,99%. Damit diese auch künftig gewährleistet bleibt, werde das Stromnetz laufend erweitert und modernisiert.

Geplant sind unter anderem die Erweiterung der 110-kV-Schaltanlage, die Einbindung eines neuen Großtransformators sowie neue 110-kV- und 30-kV-Schaltanlagen. Dadurch sollen zusätzliche erneuerbare Energieprojekte in das Netz integriert werden können. „Der Höchstspannungsring der Stromversorgung Wiens wird als Rückgrat weiter gestärkt und abgesichert“, sagte Fida. Die Wiener Netze planen darüber hinaus bis 2040 insgesamt 13 weitere Umspannwerke. Jährlich sollen rund 490 Mio. € in die Energiewende investiert werden.

Digitalstandort
Die Bedeutung des Projekts reicht auch in den Bereich der digitalen Infrastruktur. Andreas Graf-Matzner von CloudHQ Germany sieht leistungsfähige Stromnetze als Voraussetzung für die nächste Generation digitaler Anwendungen. „Rechenzentren sind zentrale Bausteine einer modernen Wirtschaft – sie bilden die Grundlage für Cloud-Dienste, KI-Anwendungen und digitale Wertschöpfung“, sagte Graf-Matzner. Für den Betrieb großer Rechenzentren seien stabile Netzanbindungen und ausreichende Übertragungskapazitäten entscheidend. Die Modernisierung des Umspannwerks Wien Südost schaffe genau jene Voraussetzungen, die für Planungssicherheit und nachhaltiges Wachstum notwendig seien.

Graf-Matzner sieht Wien als einen der interessantesten Digitalstandorte Europas. Die stärkere Netzanbindung könne künftig den Aufbau von Rechenzentrums-Clustern und energieintensiver digitaler Infrastruktur unterstützen. „Energiewende und Digitalisierung sind keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Zukunftsstrategie“, so Graf-Matzner.

Mit dem Ausbau des Umspannwerks Wien Südost entsteht damit nicht nur ein technisches Großprojekt, sondern ein zentraler Baustein für die Energie- und Digitalzukunft Österreichs.

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