INDUSTRIAL TECHNOLOGY
Voraussetzung für eine globalisierte Wirtschaft © Austrian Standards

Elisabeth Stampfl-Blaha, hier mit Vertretern der japanischen Normungsorganisation JSA und AS-Experten.

© Austrian Standards

Elisabeth Stampfl-Blaha, hier mit Vertretern der japanischen Normungsorganisation JSA und AS-Experten.

Redaktion 09.05.2019

Voraussetzung für eine globalisierte Wirtschaft

Standards als Türöffner zum europäischen Binnenmarkt.

WIEN. Die Europäische Union geht auf die Idee zurück, dass ein Zusammenschluss wirtschaftlicher Interessen zu mehr Lebensqualität, Sicherheit und Frieden führt. Die brandaktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung „über die ökonomischen Effekte des EU-Binnenmarktes in Europas Ländern und Regionen“ unterstreicht das einmal mehr, indem sie belegt, dass der EU-Binnenmarkt einer der größten Treiber für den österreichischen Wohlstand ist.

Eine nicht unerhebliche Rolle spielen dabei Standards, da sie nicht nur die Voraussetzung für einen funktionierenden europäischen Binnenmarkt schaffen, sondern auch die Handelshemmnisse nachhaltig abbauen. Ohne harmonisierte Standards wäre diese europäische Wirtschaftsunion de facto nicht möglich gewesen. Auch heute haben harmonisierte Standards mehr denn je eine zentrale Bedeutung für die europäische Wirtschaft.

Globaler „Reisepass“
Standards vereinfachen den grenzüberschreitenden Austausch von Waren und Dienstleistungen und öffnen als „Reisepass“ den Unternehmen in Europa die Türen zum Binnenmarkt. Im selben Ausmaß, in dem die Wirtschaft global wird, wächst auch der Bedarf an globalen, harmonisierten Standards. Rund 90% der Standards, die für Österreich bedeutend sind, werden schon jetzt auf europäischer oder internationaler Ebene entwickelt.

„Da fast 80 Prozent der Warenexporte in den europäischen Binnenmarkt gehen, ist dieser der wichtigste Markt für die österreichische Außenwirtschaft. Gerade bei strategisch wichtigen Zukunftsthemen wie Künstliche Intelligenz (KI), Internet der Dinge (IoT) und Industrie 4.0 ist es wichtig, dass wir gemeinsame Europäische Standards mitgestalten“, verweist Austrian-Standards-Direktorin Elisabeth Stampfl-Blaha darauf, dass Standards Innovationen den Weg ebnen und die Anpassung an internationale Entwicklungen vorantreiben.

Welch drastische Folgen es haben kann, wenn ein EU-Staat aus der Standardisierung fällt, macht der drohende Brexit deutlich. Großbritannien könnte bei einem Brexit ab 2020 keinen einzigen Europäischen Standard mehr mitgestalten. Zertifikate für britische Produkte könnten ihre Gültigkeit verlieren und dürften möglicherweise nicht mehr verwendet werden. „Dies hätte fatale Folgen für die britische Wirtschaft“, so Stampfl-Blaha.

Österreich gestaltet Europa
Durch die Mitgliedschaft bei CEN, dem Europäischen Komitee für Normung, ermöglicht Austrian Standards als nationale Standardisierungsorganisation österreichischen Expertinnen und Experten die Teilnahme am europäischen Normungsgeschehen und sorgt dafür, dass Österreich in der europäischen Normung ganz vorn dabei ist. Insgesamt 944 Experten aus Österreich gestalten aktiv in CEN-Gremien Europäische Standards mit, und 29 europäische Normungsgremien werden von Austrians Standards betreut.

Zu österreichischen Exportschlagern, bei denen aus einer innovativen nationalen Norm ein Europäischer Standard wurde, zählt u.a. die ÖNORM EN 1400 „Schnuller für Säuglinge und Kleinkinder – Anforderungen, Prüfverfahren, Normkennzeichnung“. Aus der ÖNORM D 110 über „Dienstleistungen der Freizeitwirtschaft – Tauchbasen – Anforderungen an die Dienstleistung und die Bereitstellung der Dienstleistung“ wurde erst eine Europäische Norm und dann sogar ein internationaler ISO-Standard. „Standards sind eine gemeinsame Sprache, die uns über Grenzen, Branchen und Kulturen hinweg miteinander kommunizieren lässt. Sie tragen erheblich zu Lebensqualität, Wohlstand und Sicherheit bei und folgen damit zutiefst dem europäischen Gedanken“, so Stampfl-Blaha.

Über Europa hinaus
Im Februar dieses Jahres ist das EU-Japan Wirtschaftspartnerschafts- und Freihandelsabkommen in Kraft getreten, wodurch nicht-tarifäre Handelsschranken abgebaut und der Zugang zu Ausschreibungen in Japan erleichtert wurde. Im Interesse der österreichischen Wirtschaft pflegt Austrian Standards enge Kontakte auch zur japanischen Normungsorganisation Japan Standards Association (JSA), deren Vertreter vor Kurzem zu Arbeitsgesprächen nach Wien gekommen sind. Im Mittelpunkt des JSA-Besuchs standen die Auswirkung der Digitalisierung auf die Entwicklung von sowie die zunehmende Wichtigkeit von Dienstleistungsangeboten (Service Excellence) rund um Standards. (pj)

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