INDUSTRIAL TECHNOLOGY
Zwiespältige Industriekonjunktur in Kärnten © w&p Zement

Nachverbrennungsanlage im Werk Wietersdorf der w&p Zement.

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Nachverbrennungsanlage im Werk Wietersdorf der w&p Zement.

Paul Christian Jezek 29.10.2020

Zwiespältige Industriekonjunktur in Kärnten

Langsame Erholung – aber nicht in allen Branchen. Und: Die Exporte „laufen“ nicht wie gewohnt.

KLAGENFURT. „Nach dem beispiellosen Absturz im Corona-Lockdown geht es bei der Kärntner Industrie sehr langsam wieder aufwärts“, kommentiert IV-Kärnten-Präsident Timo Springer die Ergebnisse der Konjunkturumfrage für das dritte Quartal 2020. Zu denken gibt ihm vor allem die schwierige Situation bei den Auslandsaufträgen. 42% der befragten Betriebe beurteilen sie als schlecht, 33% als gut.

Das lässt zum einen nichts Gutes für die Exportbilanz im Jahr 2020 erwarten, es zeigt zum anderen auch, dass die Schere zwischen International wettbewerbsfähigen Betrieben in den „richtigen“ Wertschöpfungsketten etwa der Medizintechnik und schwer von Krisen so wichtiger Branchen wie der Autoindustrie getroffenen Unternehmen immer weiter aufgehe. Diese Gegensätze ziehen sich laut Springer wie ein roter Faden durch die aktuelle Umfrage: 31% der Betriebe melden eine gute Ertragslage, 39% eine schlechte, 36% eine gute Geschäftslage, 37% eine schlechte. Erfreulicherweise seien die Einschätzungen für die Situation in einem halben Jahr dann doch deutlich optimistischer.

Unterschiede nach Branchen
Weitere Ergebnisse: Die Produktion wird für das letzte Quartal des Jahres von zwei Dritteln der Unternehmen als gleichbleibend, von einem Viertel sogar als steigend eingeschätzt. Unter den Branchen sticht positiv die Elektro- und Elektronikindustrie hervor, wo fast alle Konjunkturindikatoren deutlich im Plus liegen.

Ein ähnlich positives Bild zeigt auch die Holzindustrie. Nur die von 37% der Betriebe als schlecht beurteilten Auslandsaufträge trüben ein wenig den Optimismus.

Schwierig ist die Lage hingegen in der Metalltechnischen Industrie. Fast zwei Drittel der befragten Unternehmen klagen hier über eine sinkende Auftragslage. Ähnlich sieht es in der Chemischen sowie der Nahrungs- und Genussmittelindustrie aus.

Kürzere Quarantänezeiten
Abschließend warnt Timo Springer davor, die bereits eingetretenen Schäden in der Industrie zu unterschätzen. Er appelliert daher an die Verantwortlichen, einen weiteren Lockdown unbedingt zu verhindern. Die Industrie habe ihre Corona-Schutzmaßnahmen sehr umsichtig gesetzt und tue ihr Bestes, die Mitarbeiter zu schützen.

Mindestens ebenso wichtig sei es auch, dass wesentliche Bereiche des gesellschaftlichen Lebens aufrechterhalten werden. Vor allem die Schulen müssten dringend offen bleiben, um arbeitende Eltern mit Betreuungspflichten nicht zu überfordern. Springer mahnt hier erneut ein neues Konzept mit inzwischen von vielen Experten befürworteten kürzeren Quarantänezeiten ein. „In ganz Österreich mehren sich die Stimmen, die Quarantäne deutlich und mit entsprechender Teststrategie auf nur noch fünf Tage zu verkürzen“, sieht sich Springer in seiner Forderung nach schneller Umsetzung bestätigt. Er führt zwei Gründe an: „Erstens haben sich Qualität und Geschwindigkeit der Testungen seit Beginn der Coronakrise deutlich verbessert und befürworten daher viele namhafte Experten eine Verkürzung. Zweitens hat sich das Infektionsgeschehen zunehmend in den privaten Bereich verlegt, wo das Contact-Tracing inzwischen nur noch bedingt funktioniert, weil niemand seinem privaten Kontakt die lange Quarantänezeit zumuten will.“

Außerdem unterstreicht Springer die Aussagen von Oberösterreichs Landesrätin Christine Haberländer, die von einem „Lockdown durch die Hintertür“ spricht, wenn Kontaktpersonen ohne Symptome zuerst tagelang auf die Tests warten müssen und anschließend in Quarantäne geschickt werden, obwohl sie in den Betrieben dringend gebraucht werden. Außerdem müsse das so genannte „Freitesten“ endlich möglich gemacht werden.

Dringend appelliert Springer an die Verantwortlichen, bei regionaler Quarantäne unbedingt die Zu- und Abfahrt der Mitarbeiter von Unternehmen zu ermöglichen. Es habe sich in den Monaten der Coronakrise deutich gezeigt, dass das Ansteckungsrisiko in den Betrieben sehr gering sei, weil hier alle nur erdenklichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden, von Abstand über Masken bis Homeoffice. Es sei daher nicht einzusehen, warum so Betriebe quasi geschlossen und enormer wirtschaftlicher Schaden angerichtet werde. Die Produktion müsse am Laufen gehalten werden. (pj)

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