Design zahlt sich aus
© Carbon Less Future/aleksander lustix photo
Das Klimatechnologieunternehmen Carbon Less Future ist mit dem Vertical-Farming-Container für Baumsetzlinge im Finale.
LUXURY BRANDS&RETAIL Redaktion 10.07.2026

Design zahlt sich aus

Die DesignEuropa Awards rücken im September in Ljubljana die Kraft der Gestaltung in den Fokus.

ALICANTE. Design ist im Premiumsegment längst mehr als Formgebung. Es entscheidet darüber, wie Produkte wahrgenommen, begehrt und bewertet werden. Gerade in Möbel, Interior, Mode und Accessoires ist Gestaltung ein zentraler Teil des Markenwerts – und damit auch ein wirtschaftlicher Faktor. Neue Daten des Amtes der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) zeigen, wie stark Design Kaufentscheidungen in Europa beeinflusst: Für 72% der europäischen Verbraucher ist Produktdesign ein wichtiger Faktor beim Kauf, fast drei Viertel wären bereit, für besser gestaltete Produkte mehr zu bezahlen.

Design als Kaufargument
Besonders deutlich zeigt sich die Bedeutung von Design in jenen Branchen, die auch den Luxus- und Lifestylemarkt prägen. Beim Kauf von Möbeln halten 76% der Verbraucher in der EU Design für sehr wichtig, bei Kleidung und Accessoires sind es 66%. Qualität und Preis bleiben zwar zentrale Kriterien, doch die ästhetische und funktionale Gestaltung entscheidet zunehmend mit – besonders bei jüngeren Zielgruppen. Bei den 15- bis 24-Jährigen geben 80% an, dass Produktdesign für ihre Kaufentscheidung wichtig ist und mehr als ein Drittel (36%) aus dieser Altersgruppe halten für gut gestaltete Produkte einen höheren Preis gerechtfertigt.

Vor diesem Hintergrund kommt der nächsten Verleihung der DesignEuropa Awards, die 2016 vom EUIPO ins Leben gerufen wurden, besondere Bedeutung zu. Zum zehnjährigen Jubiläum verzeichnet der Bewerb eine Rekordbeteiligung von mehr als 1.600 Einreichungen aus 52 Ländern. Erstmals wird heuer ein Public Choice Award vergeben: Designinteressierte können über die Website der DesignEuropa Awards für ihren Lieblingsfinalisten abstimmen. Der Gewinner des Publikumspreises wird gemeinsam mit den übrigen Preisträgern am 22. September bei der Verleihung in Ljubljana, Slowenien, bekannt gegeben. Die Zeremonie wird live auf den offiziellen Kanälen des EUIPO übertragen.
Die Finalisten zeigen, wie breit Design heute gedacht wird – von Medizintechnik über Fitness und Landwirtschaft bis zu Smart-Wellness-Lösungen.

Den Lifetime Achievement Award erhält der französische Designer Philippe Starck. Er zählt zu den prägenden Gestaltern der vergangenen Jahrzehnte und steht exemplarisch für ein Designverständnis, das Produkte nicht nur verschönert, sondern ihre Rolle im Alltag und in der Gesellschaft neu definiert.
„Philippe Starcks Werk zeichnet sich durch sein Engagement für nachhaltiges Design und seine konsequente Auffassung von Design als ethischem und politischem Akt aus. Mit seinem innovativen Ansatz sprengt er konventionelle Grenzen und unterstreicht die Rolle des Designs bei der Gestaltung verantwortungsbewussterer Lebensweisen“, so die Begründung der Expertenjury.

Fälschungen als Risiko
Dass Design wirtschaftlich wertvoll ist, macht es zugleich anfällig für Nachahmung. Produktpiraterie ist durch den Online-Handel und den steigenden Einfluss sozialer Medien ein boomender „Wirtschaftszweig“. Immerhin 13% der europäischen Konsumenten haben bereits wissentlich gefälschte Design-Produkte gekauft, von den 15- bis 24-Jährigen sogar mehr als jeder Vierte (26%). Laut EUIPO verursacht dies in der Modebranche EU-weit jährliche Verluste von rund 12 Mrd. €, bei Fakes von Handtaschen, Schmuck und Uhren beläuft sich der Schaden für die Hersteller der Original-Designs auf rund 2,7 Mrd. €.
Für designgetriebene Branchen ist Schutz daher mehr als eine juristische Formalität. Gerade für kleinere Unternehmen, die oft von wenigen prägnanten Entwürfen leben, kann dieser Schutz ein entscheidendes ökonomisches Asset sein. EUIPO-Studien zeigen zudem, kleine Unternehmen mit eingetragenen Designs fast 30% höhere Einnahmen pro Mitarbeiter erzielen und rund 25% höhere Löhne zahlen als Unternehmen ohne eingetragene Schutzrechte. Dennoch verfügt nur etwa ein Prozent der KMU in der EU über eingetragene Designrechte.

„Europäisches Design ist eine zentrale Wettbewerbsstärke. Es prägt die Produkte, denen wir vertrauen, die wir wertschätzen und täglich nutzen, und unterstützt Unternehmen dabei, sich im globalen Markt zu differenzieren. Studien zeigen, dass Verbraucher, insbesondere jüngere Generationen, den Wert guten Designs erkennen. Ein wirksamer Designschutz gibt Urhebern die Sicherheit für Innovationen und stärkt Unternehmen, indem er Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit fördert, auf die die europäische Wirtschaft angewiesen ist“, erklärt João Negrão, Exekutivdirektor des EUIPO.

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