WIEN. Die rasante Verbreitung von Künstlicher Intelligenz sorgt für einen tiefgreifenden Wandel in der digitalen Informationswelt. Eine aktuelle repräsentative Studie des Research Instituts Marketagent unter mehr als 1.000 Österreicherinnen und Österreichern zeigt ein klares Spannungsfeld: Während KI als Technologie grundsätzlich auf Offenheit trifft, wächst gleichzeitig die Skepsis gegenüber den Inhalten, die sie produziert.
Denn Künstliche Intelligenz ist längst im Alltag angekommen: 83 Prozent der Befragten nutzen KI aktiv, jede zweite Person sogar mindestens einmal pro Woche (51%). Bei der Generation Z liegt dieser Wert bei 80 Prozent. Vor allem zur schnellen Recherche und Informationsbeschaffung wird KI eingesetzt (62%). Die Haltung bleibt dabei ambivalent: Rund ein Drittel steht KI grundsätzlich positiv gegenüber (35%/Generation Z: 49%), 20% äußern eine klare Ablehnung.
Masse statt Klasse
Mit der zunehmenden Nutzung steigt auch die Präsenz KI-generierter Inhalte: Fast sechs von zehn Befragten begegnen solchen Inhalten regelmäßig. Die wachsende Sichtbarkeit führt jedoch nicht zu Akzeptanz: 41% bewerten die Zunahme negativ, jede zweite Person konsumiert entsprechende Inhalte eher ungern (52%). Die wahrgenommene Qualität wird als mittelmäßig eingestuft.
Nur rund ein Viertel der Bevölkerung fühlt sich sicher darin, KI-Inhalte zuverlässig zu erkennen (23%/Generation Z: 40%). Geachtet wird vor allem auf unnatürlich wirkende Elemente (49%) und inhaltliche Unstimmigkeiten (43%). Eine deutliche Mehrheit von 85% fordert eine verpflichtende Kennzeichnung von KI-Inhalten.
„Transparenz ist ein zentrales Schlüsselthema im Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Nutzerinnen und Nutzer wollen wissen, womit sie es zu tun haben und fordern klare Orientierung in einer zunehmend unübersichtlichen Informationslandschaft“, erklärt Andrea Berger, Research & Communications Manager bei Marketagent.
Social Media im Umbruch
Die Auswirkungen sind besonders in sozialen Medien spürbar: Jede dritte Person berichtet von verändertem Nutzungsverhalten. Das Vertrauen sinkt (54%), Inhalte werden kritischer hinterfragt (47%), und ein Drittel reduziert bewusst den eigenen Konsum. Gleichzeitig gewinnen erkennbar menschliche Inhalte (43%) und bekannte Absender (35%) an Bedeutung.
Besonders prägnant ist der Begriff „AI Slop“ – massenhaft produzierte, oberflächliche KI-Inhalte. Auch wenn der Begriff selbst noch wenig bekannt ist (23%/Generation Z: 41%), nimmt die Mehrheit das Phänomen bereits aktiv wahr: 71% berichten von einer Zunahme belangloser KI-Inhalte. Befürchtet werden vor allem sinkende Qualität (46%), gezielte Manipulation (45%) und Desinformation (44%). Drei Viertel der Befragten erwarten eine weitere Zunahme dieser Entwicklung.
„Die Ergebnisse unserer Studie zeigen deutlich: Künstliche Intelligenz ist gekommen, um zu bleiben. Während die Tools die Produktion von Inhalten massiv erleichtern, steigt gleichzeitig der Wunsch nach Orientierung und Authentizität. Für Medien, Plattformen und Marken ergibt sich daraus eine klare Aufgabe: Wer langfristig relevant bleiben will, muss nicht nur technologisch mithalten, sondern vor allem Vertrauen schaffen: durch Klarheit, Qualität und eine erkennbare menschliche Handschrift", so das Fazit von Marketagent-Founder Thomas Schwabl. (red)