Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider
FEUER AM DACH. EY hat sein Klimaschutz-Barometer 2026 publiziert: „Drei Viertel der Österreicher:innen sorgen sich um die Folgen des Klimawandels – zugleich halten 10% den Klimawandel für nicht existent.“ 40 Grad im Schatten, die Wiesen knusprig, der Boden staubtrocken – und zehn Prozent halten den Klimawandel weiterhin für Unsinn. Weitere sechs Prozent sind unentschieden. Man will sich nicht vorschnell festlegen.
Die anderen sorgen sich. Fast drei Viertel jener, die den Klimawandel für real halten, fürchten sich vor den Folgen. 79% erwarten in den kommenden zehn Jahren weitreichende Konsequenzen. 73% finden, Klima- und Umweltschutz sollten politisch höhere Priorität bekommen. Soweit, so gut. Nur landet das Thema im Ranking der wichtigsten politischen Anliegen trotzdem auf Platz fünf. Teuerung, Gesundheit, Zuwanderung und Wohnen sind dringender. Interessant ist auch: 44% sehen vor allem die Politik am Zug, 24% die Unternehmen – nur 21% die Bevölkerung selbst. Klimaschutz also unbedingt, aber die Zuständigkeit bitte in der Löschkübelkette weiterreichen. Biedermann bleibt stur, auch wenn die Brandstifter schon die Benzinfässer am Dachboden stapeln.
Das ergibt eine eigentümlich österreichische Gemengelage: Der Klimawandel ist real, bedrohlich und politisch wichtig. Nur offenbar nicht wichtig genug. Noch ausdrucksstärker wird das Bild beim Blick auf die Parteipräferenzen. Selbst unter FPÖ-Anhängern, großteils gestandene Klimawandelskeptiker, fordert eine Mehrheit mehr Gewicht für Klima- und Umweltschutz. Man kann problemlos mehr Klimaschutz wollen und zugleich Zweifel am zugrunde liegenden Problem hegen.
Das klingt widersprüchlich, ist aber vielleicht weniger absurd, als es scheint. Genau darin liegt die eigentliche Botschaft des Klimaschutz-Barometers: Österreich leugnet den Klimawandel mehrheitlich nicht. Es delegiert ihn. An die Politik, die Unternehmen, die Zukunft. Möge sich das Problem ohne größere Zumutungen erledigen.