Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider
ZEITREISE. Jubiläen sind retrospektive Zwangsbeglückung. Man addiert Jahre, produziert eventuell Sonderseiten, gratuliert herzlichst – und entdeckt im Rückspiegel, wie anders alles aussah. Diese Woche bietet dafür viel Material: Star Trek wird 60, die Biene Maja 50, 9/11 jährt sich zum 25. Mal. Drei Jahrestage, die keinerlei vernünftigen Anlass bieten, gemeinsam betrachtet zu werden. Also tun wir genau das.
Beginnen wir mit dem TV-Bienchen und ihren Kolleginnen: Der Bienenstock als arbeitsteiliges System – aus dem die Titelheldin gern ausbricht –, und das auf Kooperation, Kommunikation und Anpassung beruht. Effizienz entsteht nicht durch maximale Autonomie, sondern durch Interdependenz. Das klingt verdächtig nach globalisierter Wirtschaft vor ihrem Sündenfall.
Dann Star Trek. Gene Roddenberrys Zukunftsentwurf war in Wahrheit weit radikaler, als es Warp-Antrieb und Tricorder vermuten lassen. Das Revolutionäre war nicht die Technik. Es war die Annahme, dass die Menschheit Vernunft lernen könnte. Dass wissenschaftlicher Fortschritt in Kooperation münden kann – 1966, mitten im Kalten Krieg.
Dazwischen liegt unter anderem der 11. September 2001 und damit der Beginn einer Ära, in der potenzielle Verwundbarkeit zum dominanten politischen und ökonomischen Faktor wurde. Von da an bekam Offenheit eine zweite Bedeutung: Risiko. Flughäfen (und Schuhsohlen) wurden zu Hochsicherheitszonen, Daten zu Sicherheitsfragen, Lieferketten zu strategischen Schwachstellen. Eine Gesellschaft, die Sicherheit zum höchsten Gut erklärt, wird irgendwann nicht sicherer, sondern statischer. Vielleicht ist das die Lektion dieser Jubiläen: Wir verfügen über mehr Wissen, mehr Technologie und mehr Wohlstand als jede Generation vor uns – und investieren dennoch immer mehr Energie in die Verwaltung von Angst.
Maja würde wahrscheinlich trotzdem ausfliegen. Die Enterprise sowieso.