Renaissance der echten Begegnung
© Andreas Tischler
Begegnungen funktionieren auch in Tracht, vor allem in Österreich: Forum Alpbach-Präsident Othmar Karas, Staatssekretärin Elisabeth ­Zehetner, Minister Wolfgang Hattmannsdorfer, Silvia Grünberger (Grünberger & Partner), Minister Peter Hanke.
MARKETING & MEDIA Redaktion 11.09.2026

Renaissance der echten Begegnung

In der digitalen Ära wird vor allem ein Gut immer knapper: Zeit für Gespräche, fürs Zuhören und für Widerspruch.

Gastkommentar  ••• Von Silvia Grünberger

WIEN. Wir haben noch nie so schnell, so viel und über so viele Kanäle kommuniziert. Informationen sind jederzeit verfügbar, Künstliche Intelligenz beschleunigt Recherche und Analyse. Gleichzeitig wird etwas immer knapper: unsere Zeit. Zeit für echte Gespräche, fürs Zuhören, für Widerspruch und für den Austausch mit Menschen, die andere Perspektiven und Verantwortung mitbringen.

Ein echtes Zusammenkommen
Gerade deshalb haben mich der Salzburg Summit und das Forum Alpbach in diesem Sommer sehr beeindruckt. Nicht nur, weil namhafte Persönlichkeiten zusammengekommen sind, sondern weil auf hohem Niveau über Fragen diskutiert wurde, die für ­unsere Zukunft entscheidend sind.

Beim Salzburg Summit standen die neue geopolitische Ordnung, Europas Wettbewerbsfähigkeit und strategische Handlungsfähigkeit ebenso im Zentrum wie Zukunftstechnologien und Life Sciences. In Alpbach ging es unter dem Motto „How Europe Wins“ um Europas Fähigkeit, seine Zukunft selbst zu gestalten – von der Handlungsfähigkeit und Finanzierung über Technologie und Infrastruktur bis zu Sicherheit und Demokratie.

Vier Erkenntnisse
Die erste Erkenntnis: Relevanz entsteht durch die Qualität der Fragen. Gerade in einer Zeit, in der Meinungen schneller verbreitet als Zusammenhänge erklärt werden, braucht es Orte, an denen komplexe Themen nicht verkürzt, sondern wirklich analysiert werden. Die zweite: Perspektivenvielfalt ist ein Wettbewerbsvorteil. Wenn Wirtschaft, Politik, Medien und Wissenschaft aufeinandertreffen, prallen unterschiedliche Interessen und Denkweisen aufeinander. Genau daraus entsteht Erkenntnis. Für Kommunikation bedeutet das: Wer nur seine eigene Botschaft sendet, bleibt in seiner eigenen Logik. Gute Kommunikation beginnt mit dem Verstehen des Gegenübers.

Die dritte: Partnerschaften werden zur strategischen Währung. Geopolitische Unsicherheit, technologische Umbrüche und wirtschaftlicher Druck lassen sich nicht isoliert bewältigen. Es braucht Menschen und Institutionen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Und dann braucht es die Begegnung: Nicht als Gegensatz zum Inhalt, sondern als dessen Verstärker. Ein intensives Panel schafft die gemeinsame Wissensbasis. Das persönliche Gespräch danach schafft Vertrauen, vertieft Gedanken und kann aus einer Perspektive eine gemeinsame Idee machen. Das gilt auch für die Kommunikationsplanung: Eine Veranstaltung ist dann erfolgreich, wenn sie nicht bei Sichtbarkeit endet. Die entscheidende Frage lautet: Was bleibt? Eine neue Erkenntnis? Eine belastbare Beziehung? Eine gemeinsame Position? Ein konkreter nächster Schritt?

Da wär noch die KI
Wenn KI uns künftig noch mehr Zeit für Recherche und Produktion abnimmt, sollten wir diese gewonnene Zeit nicht mit noch mehr Content füllen. Wir sollten sie für das nutzen, was Technologie nicht leisten kann: zuhören, einordnen, Vertrauen schaffen und Verantwortung übernehmen. Denn die wertvollsten Impulse entstehen dort, wo kluge Inhalte auf echte Menschen treffen.

Silvia Grünberger ist Managing Partner von Grünberger & Partner und berät ihre Kunden bei der strategischen Positionierung in Wirtschaft, Politik und Medien.

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