„Stillstand ist für uns keine Option“
© Paul Ballot
DMB.-Geschäftsführung: Jürgen Vanicek, Moana Merzel und Marcello Demner (v.l.).
MARKETING & MEDIA Redaktion 08.05.2026

„Stillstand ist für uns keine Option“

DMB. ist auch heuer wieder an der Spitze der focus.xpert-Rankings der Kreativagenturen.

••• Von Sascha Harold

Die focus.xpert-Rankings der Kreativagenturen messen jedes Jahr den Bruttowerbewert, den die Agenturen im Vorjahr umgesetzt haben. Die Zahlen belegen, dass viele Unternehmen trotz wirtschaftlicher Krisen weiterhin auf Kreativität setzen. Angesichts dieser Krisen ist es umso beeindruckender, dass der Erstplatzierte des heurigen Jahres sein Top-Ergebnis aus dem Vorjahr noch einmal steigern ­konnte.

Zum wiederholten Mal setzt sich DMB. in den Rankings der Kreativagenturen an die Spitze und verweist Wirz und Wien Nord Serviceplan auf die Plätze zwei und drei. Einige Jahre ist die Staffelübergabe in der Geschäftsführung der Agentur nun her, das Trio rund um Marcello Demner, Moana Merzel und Jürgen Vanicek beweist, dass sich Kreativität auch in schwierigen Zeiten durchsetzt.  medianet hat im großen Siegerinterview über die spannendsten Projekte des letzten Jahres, wiederkehrende Kunden und darüber gesprochen, warum es gar nicht das Ziel ist, irgendwelche Titel zu verteidigen.

medianet: Zum sechsten Mal in Folge die Nummer eins im Fokus-Ranking, zudem zum dritten Mal in Folge ein Plus beim Bruttowerbewert – was ist das Geheimnis des Erfolgs?
Marcello Demner: Stillstand ist für uns keine Option. Wir hinterfragen permanent unsere Arbeit, unsere Arbeitsweisen, wie wir unsere Kunden erfolgreicher machen. Und wir haben das große Glück, mit Kunden zu arbeiten, die genau das auch von uns einfordern. Am Ende ist es wie immer die Kombination aus den richtigen Menschen, mutigen Entscheidungen und der konsequenten Ausrichtung auf nachhaltige Wirkung.

medianet: Was waren im letzten Jahr die herausragendsten Projekte? Und über welche Neukunden haben Sie sich besonders gefreut?
Jürgen Vanicek: Es war ein Jahr mit vielen Projekten, auf die wir sehr stolz sind. Für den Österreichischen Markenartikelverband haben wir die inzwischen 30. Kampagne mit einer Rekordbeteiligung von rund 40 Marken umgesetzt. Das gab es in den letzten 20 Jahren nicht mehr. Mit ‚Sorg für Geborgenheit‘ ist es nicht nur gelungen, die Wiener Städtische noch sichtbarer zu machen, sondern auch ihre gesellschaftliche Relevanz zu betonen – und Lösungen für Probleme anzubieten, wo andere erst gar nicht hingreifen. Besonders freut uns, wenn die Wirkung der Arbeit über die klassischen Kampagnen hinausgeht und sogar Gespräche auslöst. Wenn dann die Wiener Städtische beim CCA auch noch Client of the Year wird und DMB. Creative Lead of the Year, wissen wir, wir haben nicht so viel falsch gemacht.
Demner: Auch die Platzierung im weltweiten One Club Global Creative Ranking, Platz 1 Österreich und unter den Top 20 weltweit, zeigt, dass unser kreativer Anspruch international Anerkennung findet. Das bewegt und motiviert, weiterhin Relevantes zu schaffen.
Moana Merzel: Es ist immer ein schönes Signal, wenn ehemalige Partner, wie die SVS oder Mazda, wieder zurückkommen. Das bestätigt Vertrauen. Gleichzeitig freuen wir uns über neue Kunden, wie den ÖFB, die Lust haben, gemeinsam etwas zu bewegen und auch bereit sind, dafür neue Wege zu gehen. Und natürlich war es auch eine schöne Bestätigung, mit dem Regierungsetat den sogenannten Pitch des Jahres zu gewinnen.

medianet: Politisch und wirtschaftlich waren die letzten Jahre von Krisen geprägt. Welche Rolle kann und soll Kreati­vität in so einem Umfeld einnehmen?
Demner: Gerade in unsicheren Zeiten ist Kreativität kein ‚Nice-to-have‘, sondern ein entscheidender Differenzierungsfaktor. Wenn alles noch vorsichtiger, noch austauschbarer wird, braucht es Ideen, die Klarheit schaffen, Haltung zeigen und Orientierung geben.

medianet: Sie betreuen Marken, die große Volumina bewegen. Wie schwierig ist es, bei solchen langjährigen Partnerschaften den kreativen Output immer wieder frisch zu halten?
Vanicek: Wenn man glaubt, man kennt eine Marke ‚eh schon‘, wird es gefährlich. Gute Partnerschaften leben davon, dass beide Seiten den Mut haben, sich gegenseitig weiterzuentwickeln statt sich in Vertrautheit einzurichten. Gerade langjährige Kunden muss man immer wieder neu betrachten, aus anderen Perspektiven und mit neuen Impulsen.

medianet: Viele Unternehmen neigen in wirtschaftlich unsicheren Zeiten zu ‚sicherer‘, aber austauschbarer Werbung. DMB. ist für Kante bekannt. Müssen Sie heuer mehr Überzeugungsarbeit leisten, um Kunden zu den Investitionen zu bewegen, die für den Spitzenplatz im Ranking notwendig sind?
Merzel: : Natürlich spüren wir eine gewisse Vorsicht. Aber gleichzeitig sehen wir, dass gerade mutige Kommunikation umso stärker wirkt, wenn alles andere leiser daherkommt. Überzeugungsarbeit gehört immer dazu. Am Ende geht es darum, gemeinsam mit dem Kunden die beste Lösung zu finden. Und die ist selten die, die vorsichtig ist, sondern die, die etwas auslöst.

medianet: Das Thema Künstliche Intelligenz ist 2026 im Agenturalltag angekommen. Wie nutzt DMB. diese Technologie, ohne dabei den menschlichen Aspekt zu verlieren?
Vanicek: KI ist für uns ein Werkzeug, ein Möglichmacher, kein Ersatz. Sie kann Prozesse beschleunigen, Optionen erweitern und neue Perspektiven eröffnen. Aber die entscheidenden Fragen bleiben menschlich. Die Idee, die Haltung und das Gespür für den richtigen Moment kann man nicht automatisieren.

medianet: Nach dem erneuten Sieg im Umsatz-Ranking: Welche Ziele setzt sich DMB. für die kommenden zwölf Monate? Geht es um die Verteidigung des Status quo oder gibt es Branchen, in denen DMB. heuer noch eine ‚kreative Lücke‘ schließen möchte?
Merzel: Uns interessieren Bereiche, in denen Kommunikation besonders viel bewegen kann, sei es gesellschaftlich oder wirtschaftlich. Und natürlich wollen wir weiterhin Kunden gewinnen, die Lust auf ambitionierte, wirksame Kommunikation haben.
Demner: Unser Ziel ist nicht, einen Titel zu verteidigen, sondern unsere Arbeit weiterzuentwickeln und der Erfolg unserer Kunden. Wenn wir das gut machen, kommen Rankings meist von selbst.

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