Teures Versäumnis
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Jacopo Deyla ist Chief Accessibility Officer bei Accessiway, Europas führendem Anbieter für digitale Barrierefreiheit.
MARKETING & MEDIA Redaktion 19.06.2026

Teures Versäumnis

Digitale Barrierefreiheit ist längst kein Randproblem mehr. Es ist ein massiver Business-Fehler, das Thema zu ignorieren.

Gastkommentar  ••• Von Jacopo Deyla

WIEN. Fast ein Jahr nach Inkrafttreten des Barrierefreiheitsgesetzes (BaFG) handeln viele Unternehmen, als wäre digitale Barrierefreiheit ein optionales Nice-to-have. Selbst auf den größten verbraucherorientierten Websites in Österreich finden sich jede Menge digitale Barrieren. Wer das als technisches Randproblem sieht, liegt komplett falsch. Es ist ein massiver Fehler, das Thema digitale Barrierefreiheit weiter zu ignorieren. Insbesondere im Marketing. Denn während Marketer fleißig über Personalisierung, KI und Experience Design diskutieren, scheitern ihre digitalen Angebote oft an Lesbarkeit, Navigation und zugänglichen Strukturen.

Markt so groß wie China
Jeder sechste Mensch weltweit lebt mit einer Behinderung. Zählt man Familien, Freundinnen und Freunde und Unterstützungsnetzwerke hinzu, sprechen wir weltweit über rund 13 Bio. USD Kaufkraft. Kein Marketer würde freiwillig auf einen solchen Markt verzichten, der so groß ist wie China. In Österreich passiert genau das gerade. Und da sind noch nicht einmal all die Konsumentinnen und Konsumenten eingerechnet, die einfach jung und ungeduldig sind.

Gen Z und schlechte Usability
Denn die höchsten Abbruchquoten zeigt die Gen Z: Fast 50% der jungen Zielgruppe brechen digitale Vorgänge auf Websites oder in Apps ab, wenn etwas schwer zu lesen, hören, bedienen oder verstehen ist, das zeigt eine aktuelle Untersuchung. Diese Generation hat keine Geduld für schlechte digitale Erlebnisse, egal ob diese auf technischen Barrieren wie fehlender Anpassung an mobile Geräte – von denen sie genauso betroffen sind wie Menschen mit Behinderung – oder anderen Schwierigkeiten wie zu komplexer Sprache beruhen. Beides bedeutet, dass die Website weggeklickt wird. Mit anderen Worten: Wer heute die Anforderungen der Gen Z an eine gute Usability ignoriert, verliert nicht nur Conversion, sondern die Kundinnen und Kunden der Zukunft.

Barrieren nicht ignorieren
Das BaFG zwingt niemanden zu gutem Marketing. Allerdings ist digitale Barrierefreiheit längst auch ein wichtiger Business-Faktor. Klare Überschriften, verständliche Inhalte und logische Navigation – diese barrierefreien Strukturen verbessern letztendlich die User Experience für alle. Und der Effekt ist messbar: höhere Konversionen, stärkere Markenbindung und eine bessere Sichtbarkeit, denn barrierefreie Websites unterstützen auch SEO und GEO. Wer Barrierefreiheit umsetzt, optimiert seinen Funnel – von der Awareness bis zum Checkout.

Lesen Sie in der nächsten Ausgabe von medianet ein ausführliches Interview mit Helena Selakovic, Expertin für barrierefreies UX/UI Design.

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