VÖP fordert rasche Medienreformen
© VÖP/Katharina Schiffl
MARKETING & MEDIA Redaktion 29.05.2026

VÖP fordert rasche Medienreformen

Reformdruck und Plattformdominanz: Bei der Fachkonferenz „Next Level Medienpolitik“ diskutierten Vertreter aus Medien, Politik und Regulierung über die Zukunft des Medienstandorts Österreich.

WIEN Der Verband Österreichischer Privatsender (VÖP) hat bei seiner Fachkonferenz „Next Level Medienpolitik“ rasche politische Maßnahmen zur Absicherung des heimischen Medienstandorts eingefordert. Vertreter aus Politik, Medien, Wissenschaft und Regulierung diskutierten über wirtschaftliche und demokratiepolitische Herausforderungen für private Medien und den ORF.

Im Zentrum der Debatte stand der zunehmende Druck auf österreichische Medienunternehmen. Internationale Plattformen würden den digitalen Werbemarkt dominieren, Werbeerlöse zurückgehen und zugleich Kosten- sowie Investitionsdruck durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz steigen. Mehrfach wurde betont, dass Medienpolitik nicht nur wirtschaftliche Rahmenbedingungen sichern müsse, sondern auch Medienvielfalt, journalistische Qualität und demokratische Öffentlichkeit.

Förderung und Sichtbarkeit

Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler stellte Reformen bei der Medienförderung in Aussicht. Öffentliche Mittel sollten gezielter eingesetzt werden. „Öffentliche Mittel nach dem Gießkannenprinzip ist nicht das Zukunftskonzept“, sagte Babler. Zudem sprach er sich dafür aus, österreichische Medienangebote auf Plattformen und Endgeräten sichtbarer zu machen: „Wir wollen und werden auch dafür sorgen, dass die Menschen in Österreich Gelegenheit haben, österreichische Medien und österreichische Sender wieder besser wahrnehmen zu können.“

Auch Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll verwies auf die Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz und globale Plattformen. Die digitale Transformation müsse rasch angegangen werden, Europa brauche mehr digitale Souveränität und regulatorische Antworten auf die Dominanz internationaler Tech-Konzerne.

Warnung vor Plattformmonopolen

Der Medienwissenschafter Martin Andree warnte in seiner Keynote eindringlich vor einer zunehmenden Monopolisierung digitaler Öffentlichkeit durch wenige internationale Plattformen. Diese würden heute den Großteil digitaler Aufmerksamkeit kontrollieren und damit sowohl die wirtschaftliche Basis journalistischer Medien als auch deren Sichtbarkeit gefährden. „Wir verlieren unter den Bedingungen der digitalen Monopole die Medienfreiheit – und zwar fundamental“, sagte Andree. Er sprach sich unter anderem für bessere Verlinkungsmöglichkeiten zu journalistischen Angeboten, offene Standards und regulatorische Maßnahmen gegen marktbeherrschende Plattformstrukturen aus.

Alarmierendes Bild des Medienstandorts

Breiten Raum nahmen die Paneldiskussionen ein. In der ersten Runde diskutierten die medienpolitischen Sprecher der Regierungsparteien – Klaus Seltenheim (SPÖ), Nico Marchetti (ÖVP) und Henrike Brandstötter (NEOS) – gemeinsam mit ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher, VÖZ-Geschäftsführer Maximilian Dasch und Christian Stögmüller vom VÖP darüber, welche politischen Rahmenbedingungen notwendig seien, um einen zukunftsfähigen Medienstandort abzusichern.

Dabei zeichneten die Medienvertreter ein alarmierendes Bild: Sinkende Werbeeinnahmen, globale Plattformmonopole und der technologische Wandel würden sowohl private Medien als auch den ORF wirtschaftlich unter Druck setzen. Gleichzeitig seien mit der zunehmenden Dominanz von Big Tech auch demokratiepolitische Risiken verbunden, etwa durch algorithmisch gesteuerte Aufmerksamkeitssysteme, Desinformation und den Verlust gemeinsamer öffentlicher Räume.

Ein zentrales Thema war die Forderung nach raschen politischen Maßnahmen. Diskutiert wurden insbesondere eine Verlängerung des Digitaltransformationsfonds, Fördermodelle zur Unterstützung digitaler Geschäftsmodelle, Maßnahmen zur Absicherung journalistischer Arbeitsplätze sowie stärkere Investitionen in Medienkompetenz. Zudem wurde eine engere Zusammenarbeit von ORF und privaten Medien – etwa bei Digitalisierungsvorhaben oder KI-Projekten – als sinnvoll bezeichnet.

Medien als demokratische Infrastruktur

In einer weiteren Diskussion standen der demokratische Wert unabhängiger Medien sowie deren wirtschaftliche Zukunft im Mittelpunkt. RTR-Geschäftsführer Wolfgang Struber diskutierte gemeinsam mit Marlene Beran (ServusTV) und Lorenz Cuturi (Wimmer Medienhaus) über die Rolle professioneller Medien in Zeiten wachsender Plattformdominanz.

Dabei wurde mehrfach betont, dass unabhängige Medien nicht nur Informationsanbieter, sondern demokratische Infrastruktur seien. Professioneller Journalismus sichere freien Zugang zu Information, Einordnung und Meinungsvielfalt. Vor allem regionale und lokale Medienangebote wurden als Stärke heimischer Anbieter hervorgehoben, da diese eine größere Nähe zu den Menschen hätten als internationale Plattformkonzerne.

Gleichzeitig verwiesen die Teilnehmer auf den massiven wirtschaftlichen Druck durch abfließende Werbegelder an internationale Digitalkonzerne. Um Qualitätsjournalismus langfristig abzusichern, brauche es sowohl höhere Fördermittel als auch strukturelle Reformen, die Kooperationen, Innovationen und digitale Geschäftsmodelle erleichtern.

Kooperationen statt Isolation

In der dritten Paneldiskussion standen schließlich Kooperationen als möglicher Hebel zur Stärkung privater Medien im Fokus. Michael Ogris (KommAustria), Falk Zimmermann (Verband Bayerischer Lokalrundfunk), Pia Bambuch (ProSiebenSat.1 PULS 4) und Kronehit-CEO Philipp König diskutierten darüber, welche regulatorischen Freiräume Medienunternehmen künftig benötigen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die Situation privater Medien wurde dabei mehrfach als „existenzbedrohend“ beschrieben. Diskutiert wurden Kooperationen bei Streamingangeboten, Technologie, Vermarktung und KI-Infrastruktur, um gegenüber globalen Plattformkonzernen konkurrenzfähig zu bleiben. Zugleich wurde betont, dass wirtschaftliche Zusammenarbeit nicht zwangsläufig weniger Meinungsvielfalt bedeuten müsse. Entscheidend sei aus Sicht der Teilnehmer, Angebotsvielfalt und journalistische Qualität zu sichern – auch dann, wenn sich Eigentümerstrukturen verändern.

VÖP fordert Belastungsbremse

VÖP-Geschäftsführerin Corinna Drumm verwies in ihren Schlussworten auf die schwierige Lage der Branche. Der Medienstandort Österreich befinde sich in einer „außerordentlich schwierigen Situation“ und es gehe dabei um nichts Geringeres als den Erhalt demokratischer Infrastruktur. Gleichzeitig sprach sie sich klar gegen zusätzliche finanzielle Belastungen aus – insbesondere gegen die diskutierte Streaming-Abgabe. Diese würde die Medienbranche weiter schwächen und unmittelbar Arbeitsplätze gefährden. Drumm appellierte an die Politik, gezielt jene Medien zu stärken, „die mit professionellen Redaktionen, journalistischen Standards und klarer Trennung von Werbung und Inhalt zur demokratischen Öffentlichkeit beitragen“. (red)

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