ORF-Wahl: Clemens Pig bringt sein Team durch
APA / GEORG HOCHMUTH
Clemens Pig, ab 2027 neuer ORF Generaldirektor mit seinem Direktoren- und Landesdirektorenteam
PRIMENEWS Dinko Fejzuli 11.08.2026

ORF-Wahl: Clemens Pig bringt sein Team durch

Das Führungsteam für die Reformperiode ab 2027 steht fest. Das neu gewählte Direktorium um Generaldirektor Clemens Pig muss den ORF in eine wirtschaftlich herausfordernde Zukunft führen.

WIEN Der Stiftungsrat des ORF hat die vom künftigen Generaldirektor Clemens Pig vorgeschlagenen zentralen Direktorinnen und Direktoren sowie die Landesdirektorinnen und Landesdirektoren gewählt. Das neue Führungsteam setzt sich aus Michael Krön für Programm und Brands, Angelika Sima für Audience und Plattformen, Silvia Lieb für Finanzen und Verwaltung sowie Harald Kräuter für Technologie und Innovation zusammen. Bei der Abstimmung über das zentrale Vierer-Direktorium entfielen 30 Ja-Stimmen auf die vorgeschlagenen Führungskräfte. Zwei Vertreter enthielten sich der Stimme – Stefan Kröll aus Tirol und Alfred Geismayr aus Vorarlberg –, während zwei Mitglieder gegen die Vorlage stimmten. Die Gegenstimmen stammten von den beiden von der FPÖ nominierten Vertretern der Bundesregierung, Peter Westenthaler und Christoph Urtz.

Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer sprach angesichts des Ergebnisses von einem „großen Vertrauensvorschuss“ für die Führungskräfte. Um den gesetzlichen Vorgaben für ein transparentes, objektives, nachvollziehbares und nicht-diskriminierendes Auswahlverfahren zu entsprechen, zog der Generaldirektor externe Personalberater hinzu. Insgesamt hatten 105 Personen 142 Bewerbungen abgegeben. Das von Pig angestrebte strikt ausgewogene Geschlechterverhältnis wird mit fünf Frauen und acht Männern allerdings verfehlt.

Neue und alte Landesdirektoren

Doch auch die ORF-Länderschefs wurden gestern bestellt, beziehungsweise wiederbestellt, denn: In den Landesstudios bleiben Edgar Weinzettl (Wien), Alexander Hofer (NÖ), Klaus Obereder (OÖ), Esther Mitterstieler (Tirol) und Werner Herics (Burgenland) auf ihren Posten. Gerd Schneider (Salzburg), Sigrid Hroch (Steiermark), Martin Weberhofer (Kärnten) und Julia Ortner (Vorarlberg) sorgen für frischen Wind.

Kritik und Ankündigung rechtlicher Schritte

Bereits im Vorfeld der Wahl-Sitzung kam es zu politischen Auseinandersetzungen. FPÖ-Stiftungsrat Peter Westenthaler übte scharfe Kritik und forderte eine Halbierung der 13 Posten sowie der Gehälter. Er bemängelte das Fehlen der Bewerbungsunterlagen für die Stiftungsratsmitglieder, warf dem Generaldirektor ein „konzeptionelles, systematisches Versteckspiel“ vor und kündigte an, die Wahl rechtlich anzufechten. Christoph Urtz verwies auf das Europäische Medienfreiheitsgesetz (EMFA) und betriebsrechtliche Vorgaben. Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer wies die Vorwürfe zurück und betonte, dass die Entscheidung über die Personalauswahl laut Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts allein beim Generaldirektor liege.

Bestellung nach neuen europäischen Standards 

Generaldirektor Clemens Pig hob im Rahmen einer Pressekonferenz nach der Wahl vor Journalisten hervor, dass die Auswahl der Führungskräfte streng nach den Vorgaben des European Media Freedom Act erfolgte.  „Mit dem heutigen Wahlergebnis, der Bestellung der zentralen Direktorinnen und Direktoren sowie der Landesdirektorinnen und Landesdirektoren ist auf der ersten Achse Vertrauen ein wichtiger Schritt erfolgt, nämlich die weitere Emanzipierung des ORF von politischer Einflussnahme.“ Zur Zusammensetzung der Posten fügte Clemens Pig hinzu: „Am Ende dieses Prozesses bin ich froh, dass es ein Team ist mit viel interner Erfahrung, weil der Generaldirektor und die Finanzdirektorin von extern kommen.“ Weiters hielt Clemens Pig fest: „Und diese Mischung finde ich sehr, sehr gut.“

Wirtschaftliche Weichenstellungen und Budgetkonsolidierung 

Ein zentrales Thema der neuen Führung stellt die finanzielle Konsolidierung des ORF dar. Angesprochen auf den Entfall der Refundierung des Vorsteuerabzugs und das damit verbundene Einsparungspotenzial von 80 bis 90 Millionen Euro reagierte die künftige Finanzdirektorin Silvia Lieb zurückhaltend. "Ich möchte festhalten, dass ohne detaillierte Analyse, ohne Faktenmaterial und ohne Einsicht in alle Unterlagen es jetzt unverantwortlich wäre, konkrete Überlegungen und konkrete Maßnahmen anzusprechen.“ Sie kündigte aber eine systematische Überprüfung an: „Es wird im ersten Schritt sicher einen sehr umfangreichen Realitätscheck geben.“ Zudem führte Silvia Lieb aus: „Ich setze auf das Team in der Finanzdirektion, auf das Team in der Direktion, mit den Kolleginnen und Kollegen in deren Zuständigkeitsbereichen.“ 

Auch Clemens Pig äußerte sich zu den finanziellen Vorgaben und die veränderten rechtlichen Rahmenbedingungen: „So wie viele andere Unternehmen auch muss und wird der ORF einsparen. Das geht gar nicht anders.“ Er merkte aber durchaus an. dass die  80 bis 90 Millionen, die aus dem Entfall der Refundierung des Vorsteuerabzugs resultieren, "vom Gesetzgeber her sehr  kurzfristig angesetzt“ seien.

Neue Akzente in Programm, Reichweite und Technologie

Inhaltlich kündigte der künftige Programmdirektor Michael Krön eine klare Linie für die künftigen Formate und die gesellschaftliche Rolle des Senders an: „Vor allem möchte ich mich auf die Sprache und den Ton konzentrieren, den der ORF in diesem Land setzt. Ich glaube, dass da ein wahnsinnig wichtiges Instrument dazu sein kann, einen guten Diskurs in diesem Land wieder führen zu können.“ Und zur Ausrichtung der Inhalte meinte Krön: „Ich möchte gern Österreich etwas bieten, wo sich alle Menschen, die in diesem Land leben, auch gehört und gesehen fühlen und sich zu Hause fühlen können".

Die künftige Direktorin für Audience und Plattformen, Angelika Sima, unterstrich wiederum die Notwendigkeit einer engen Kooperation der Ressorts, um das Publikum auf allen Kanälen zu erreichen: „Es wird in der Direktion, Audiance und Plattformen darum gehen, diese wunderbaren Produkte, die die tollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrem Haus jeden Tag machen, noch besser dorthin zu bringen, wo unser Publikum sie haben möchte.“ Erklärend meint sie: „Das ist vielleicht leicht missverständlich, als Quotenschielen zu verstehen, aber ich sehe darin ganz was anderes, nämlich, dass wir auch in Zukunft relevant bleiben und unsere Aufgabe für die Demokratie erfüllen können.“

"Effizienz durch Technologie"

Und der neue und alte Direktor für Technologie und Innovation, Harald Kräuter, will für die anstehenden Aufgaben auf "Effizienz durch Technologie" setzen.“ Weiters führte Harald Kräuter aus: „Wir werden mit KI uns weiter fortbewegen, sehr sorgsam damit umgehen, gut ausschildern, vertrauenswürdig sein.“ Abschließend hielt Harald Kräuter zur strategischen Ausrichtung fest: „Wir werden Technologie einsetzen, damit effizienter werden können und damit jeder Euro ins Programm gehen kann, wir noch bessere Programminhalte liefern können. (fej)

Das neue ORF-Führungsteam im Überblick

Die Direktoren

Michael Krön (Direktor für Programm und Brands) Michael Krön ist seit dem Jahr 2000 für das Medienunternehmen tätig und verantwortete zunächst die Programmwirtschaft im Sport und in der Information. Nach der Leitung von Programmentwicklung und Qualitätsmanagement übernahm er die Finanzen der Programmdirektion und stieg 2022 zum Chefproducer auf. Als Executive Producer verantwortete er die Umsetzung des Eurovision Song Contest in Wien.

Silvia Lieb (Direktorin für Finanzen und Verwaltung) Die Tiroler Betriebswirtin begann ihre Medienkarriere 1998 bei der Moser Holding und verantwortete unter anderem den Aufbau des Funkhauses Tirol. Nach Stationen als Geschäftsführerin der Bezirksblätter Tirol und Personalleiterin stieg sie in den Vorstand auf und übernahm 2024 dessen Vorsitz. Zudem engagiert sie sich im Präsidium des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ) und tritt nun als Quereinsteigerin in das Unternehmen ein.

Angelika Simma-Wallinger (Direktorin für Audience und Plattformen) Die Journalistin und Medienmanagerin begann 1999 beim ORF, wo sie unter anderem das Magazin „konkret“ auf ORF 2 verantwortete und Diskussionsformate entwickelte. Nach Stationen als Büroleiterin der Fernsehdirektion und als Kommunikationschefin der Caritas unterrichtete sie an der FH Vorarlberg. Im Herbst 2022 kehrte sie als Chefredakteurin des Landesstudios Vorarlberg zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk zurück.

Harald Kräuter (Direktor für Technologie und Innovation) Der gelernte Nachrichtentechniker und promovierte Kommunikationswissenschaftler begann 1990 als Tonmeister im ORF-Funkhaus. Nach Stationen als technischer Leiter in Niederösterreich, Leiter des Investitionsmanagements und Geschäftsführer der Gebühreneinzugstochter GIS wurde er unter Roland Weißmann zum Technikdirektor berufen. Clemens Pig belässt ihn in dieser Funktion, die künftig das Aufgabengebiet Technologie und Innovation umfasst

Die Landesdirektoren

Edgar Weinzettl (Landesstudio Wien) Edgar Weinzettl studierte Rechtswissenschaften sowie Politikwissenschaft und startete seine ORF-Laufbahn 1996 bei Radio Wien. Nach Tätigkeiten als stellvertretender Chefredakteur des Landesstudios Wien stieg er 2012 zum Ressortleiter der Radio-Innenpolitik auf. Anfang 2022 wurde er zum Wiener Landesdirektor bestellt und tritt nun eine weitere Amtszeit an.

Alexander Hofer (Landesstudio Niederösterreich) Alexander Hofer begann 1992 als Redakteur im Aktuellen Dienst des Landesstudios Niederösterreich. Nach Stationen bei „Willkommen Österreich“, der Leitung der Gesellschaftsmagazine und der Sendeleitung von „Seitenblicke“ übernahm er 2018 die Funktion des Channelmanagers von ORF 2. Ab 2019 fungierte er als ORF-Unterhaltungschef, ehe er 2023 Landesdirektor in Niederösterreich wurde.

Klaus Obereder (Landesstudio Oberösterreich) Klaus Obereder startete 1989 als freier Mitarbeiter im Landesstudio Oberösterreich und wurde 1993 als Redakteur angestellt. Er wirkte jahrelang als Chef vom Dienst in Radio und Fernsehen sowie als Moderator der Sendung „OÖ heute“. Im Mai 2021 stieg er zum Chefredakteur auf und wurde wenig später im September 2021 erstmals zum Landesdirektor gewählt.

Werner Herics (Landesstudio Burgenland) Werner Herics arbeitete nach dem Studium als Moderator bei Ö1 sowie als Leiter des ORF-Korrespondentenbüros in Belgrad und war für die OSZE im Kosovo tätig. Nach Stationen als stellvertretender Ö1-Info-Chef, Verlagsleiter in Serbien und Vorstand der RMA kehrte er 2013 zum ORF zurück. Seit 2016 steht er als Landesdirektor an der Spitze des Landesstudios Burgenland.

Esther Mitterstieler (Landesstudio Tirol) Esther Mitterstieler studierte Literatur, Zeitgeschichte und Philosophie und arbeitete unter anderem beim „Standard“, der „Börsen-Zeitung“ sowie als Chefredakteurin beim „Wirtschaftsblatt“ und bei „News“. 2019 dockte sie als Wirtschafts-Ressortleiterin der ORF-Radio-Information an. Seit 2022 amtiert die renommierte Wirtschaftsjournalistin als Landesdirektorin des ORF Tirol.

Gerd Schneider (Landesstudio Salzburg) Der gebürtige Oberösterreicher Schneider begann seine Laufbahn vor 38 Jahren mit einem Praktikum im ORF Salzburg. Nach Jahren als freier Mitarbeiter und Redakteur übernahm er 2012 die Chefredaktion und die stellvertretende Landesdirektion. Nun folgt sein Aufstieg zum Landesdirektor, wobei sein Vertrag bis zum Erreichen des Pensionsalters befristet ist.

Sigrid Hroch (Landesstudio Steiermark) Sigrid Hroch begann ihre Karriere Ende der 1980er-Jahre über die ORF-Lehrredaktion und ist seit über 40 Jahren im Landesstudio Steiermark tätig. Sie berichtete als Reporterin unter anderem von den jugoslawischen Unabhängigkeitskriegen und arbeitete als Moderatorin sowie Beitragsgestalterin. Zuletzt leitete sie als Programmchefin das Radio Steiermark und fungiert als Präsidentin des Steirischen Presseclubs.

Martin Weberhofer (Landesstudio Kärnten) Martin Weberhofer studierte Betriebswirtschaft und war ab 1991 parallel als freier Mitarbeiter für Ö1, Ö3 und das Landesstudio Kärnten tätig. Nach seiner Festanstellung im Jahr 2004 übernahm er 2007 die Position des alleinverantwortlichen Programmchefs von Radio Kärnten. Er folgt auf Karin Bernhard, die in den Ruhestand tritt.

Julia Ortner (Landesstudio Vorarlberg) Julia Ortner arbeitete als Politikredakteurin bei Medien wie „Die Presse“, „Falter“ und „News“. Beim ORF moderierte sie die „Pressestunde“, gehörte zum Redaktionsteam der „ZiB2“ und gestaltete Beiträge für das Magazin „Report“. Seit April 2024 leitet die vielfach ausgezeichnete Journalistin die Redaktion von ORF.at.

 

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