medianet technology: E-Mobilität – Laden wird Teil des Alltags
Die Elektromobilität gewinnt in Österreich deutlich an Fahrt. Im „medianet technology studio“ sprach medianet-Herausgeber Chris Radda mit Roman Nowatschek, Leiter E-Mobilität der EVN AG, über Ladeinfrastruktur, neue Mobilitätsgewohnheiten und die wachsende Bedeutung von elektrischen Unternehmensflotten.
Aktuell sind laut Nowatschek knapp 280.000 rein elektrisch betriebene Fahrzeuge auf Österreichs Straßen unterwegs. Ihnen stehen rund 38.000 öffentliche Ladepunkte zur Verfügung. Das Angebot sei damit dem derzeitigen Bedarf voraus. Die EVN betreut selbst etwa 3.500 Ladepunkte und nimmt in diesem Bereich die Marktführerschaft ein.
Entscheidend für den weiteren Ausbau sind Kooperationen mit Unternehmen, Handelsketten und Infrastrukturbetreibern. Gefragt seien hochfrequentierte Standorte, an denen Gastronomie, Einkaufsmöglichkeiten oder sanitäre Anlagen zur Verfügung stehen. „Unser Ansatz ist, Ladeinfrastruktur dort hinzustellen, wo die Leute ohnehin ihren Alltag verbringen“, erklärte Nowatschek.
Damit gehe ein Paradigmenwechsel einher: Während für das Tanken eigens eine Tankstelle angefahren werden müsse, könne ein Elektroauto zu Hause, am Arbeitsplatz oder während des Einkaufs geladen werden. Bereits 20 bis 30 Minuten an einer leistungsfähigen Ladestation könnten Energie für weitere 150 Kilometer oder mehr liefern. „Das Laden fügt sich wesentlich eleganter in den Alltag ein“, so Nowatschek. Für den Einzelhandel entsteht daraus eine Win-win-Situation. Ladepunkte erhöhen die Attraktivität eines Standorts und machen ihn zugleich in Lade-Atlanten und digitalen Kartendiensten sichtbar. Im Rahmen der Kooperation mit der XXXLutz-Gruppe etwa will die EVN bis 2028 insgesamt 600 Ladepunkte errichten.
Auch für Unternehmen bietet die EVN integrierte Lösungen an. Eine einzige Ladekarte kann für Firmenflotten, das Laden am Arbeitsplatz, Besucherparkplätze und die private Nutzung von Dienstfahrzeugen eingesetzt werden. Die unterschiedlichen Vorgänge werden im Hintergrund getrennt abgerechnet und dokumentiert. Unternehmen erhalten damit Transparenz darüber, wo, durch wen und in welcher Höhe Kosten entstanden sind.
Besonders dynamisch entwickelt sich der Markt für elektrische Nutzfahrzeuge. Derzeit sind davon rund 18.000 in Österreich zugelassen. Während E-Lkw vor wenigen Jahren häufig nur 150 bis 200 Kilometer Reichweite erreichten, seien heute bereits mehr als 700 Kilometer möglich. Dadurch werde zunehmend die gesetzlich vorgeschriebene Ruhepause zum bestimmenden Faktor: Während der 45-minütigen Pause nach viereinhalb Stunden Fahrzeit könne das Fahrzeug nachgeladen werden.
Engpässe im Stromnetz erwartet Nowatschek bei einem bedarfsgerechten Lademanagement nicht. „Alle gleichzeitig tanken wird schwierig, alle gleichzeitig laden auch.“ Entscheidend sei, Ladeleistung und Ladezeit an den tatsächlichen Einsatz anzupassen. Fahrzeuge, die über Nacht oder einen ganzen Arbeitstag stehen, müssten nicht mit maximaler Leistung geladen werden.
Die Wirtschaft fungiert dabei als Vorreiter: Rund 70 bis 80 Prozent der neu zugelassenen Elektrofahrzeuge sind Unternehmensfahrzeuge. Insgesamt fahren bislang jedoch erst etwa fünf Prozent des österreichischen Fahrzeugbestands elektrisch. Nowatschek sieht daher weiterhin zweistellige Wachstumsraten und erhebliches Potenzial. Bis 2030 will die EVN ein österreichweites Netz sowie ein grenzüberschreitendes Partnernetz etablieren.
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