Value #46 – Der Finanz Talk: Alexandra Meissnitzer: Vom Spitzensport in die Verantwortung

Im TV-Format “Value–Der Finanz Talk”, produziert mit der Fachgruppe Finanzdienstleister Wien der Wirtschaftskammer Wien, sprach Fachgruppenobmann Eric Samuiloff mit Alexandra Meissnitzer über Spitzensport, Wirtschaft und Verantwortung. Die frühere Ski-Weltmeisterin und Gesamtweltcupsiegerin hat nach ihrer aktiven Karriere einen MBA abgeschlossen und bildet sich nun im Bereich Stiftungsvorstand und Aufsichtsrat weiter.

Auslöser ist auch ihre Tätigkeit beim internationalen Ski- und Snowboardverband FIS. Dort arbeitet Meissnitzer an einer Hall of Fame, in der frühere Größen des Sports ihre Geschichten und Botschaften vermitteln sollen. Die Einnahmen sollen Jugendprogrammen zugutekommen. Das Thema Stiftung sei dadurch konkret geworden. “Ich wollte es in Österreich zuerst einmal machen, damit ich den Einstieg finde”, sagte Meissnitzer. Zugleich gehe es darum, sich breiter aufzustellen und nach der Sportkarriere nicht auf frühere Erfolge reduziert zu werden.

Einen zentralen Zusammenhang zwischen Sport und Wirtschaft sieht Meissnitzer im Umgang mit Zielen, Druck und Entwicklung. Schon in ihrer MBA-Arbeit habe sie Parallelen zwischen Spitzensport und Privatwirtschaft untersucht. Überspitzt formuliert gehe es in beiden Bereichen ums Gewinnen, “nicht immer in Form von Medaillen und Pokalen”, sondern auch in Form kleiner täglicher Siege. Entscheidend seien Zielorientierung, ein professionelles Team, Motivation, eigene Stärken und Offenheit für Veränderung.
Gerade in der Weiterbildung helfe ihr, was sie im Sport früh gelernt habe: Konsequenz und Disziplin. Sie sitze in Lehrgängen häufig neben Juristen oder Personen mit anderem fachlichen Hintergrund. “Ich sitze mich da jetzt nirgends rein und bin ein Superhero”, sagte Meissnitzer. Es gehe darum, dranzubleiben, auch wenn vieles neu sei.

Für Samuiloff war vor allem der Verantwortungsbegriff ein Anknüpfungspunkt zum Finanzbereich. Meissnitzer betonte, Verantwortung beginne bei Selbstverantwortung: “Ich muss es vertreten können.” Zugleich wolle sie nicht alles selbst können müssen. Sie setze auf ein eigenes Fundament an Wissen, hole aber externe Expertise dazu, wo sie notwendig sei. Das gelte besonders, wenn es um das Vermögen anderer Menschen gehe. Die eigene Grenze zu kennen, sei Teil eines verantwortungsvollen Zugangs.
Jungen Athletinnen und Athleten rät Meissnitzer, Ausbildung nicht auf die Zeit nach der Karriere zu verschieben. Weiterbildung während der aktiven Laufbahn sei möglich und wichtig. In der Finanzberatung sehe sie für Sportler kein naheliegendes Standardfeld, dafür sei das Thema zu komplex. Gerade deshalb brauche es qualifizierte Beratung und Respekt vor Fachwissen.
Mit Blick auf mögliche Mandate im Stiftungs- oder Aufsichtsratsbereich spricht Meissnitzer nicht von einem fixen Karriereplan, sondern von Vorbereitung und Umsetzung. Besonders bei gut ausgebildeten Frauen gehe es darum, den nächsten Schritt tatsächlich zu machen. Sie wolle sich mit Menschen umgeben, “die mich wachsen sehen wollen”. Wien erlebt die Salzburgerin als zusätzlichen Horizont: Die Stadt pulsiere und helfe, die Komfortzone zu verlassen.
Das Gespräch zeigte weniger einen Bruch als eine Fortsetzung ihrer Karriere mit anderen Mitteln: Zielstrebigkeit, Lernbereitschaft und Teamdenken bleiben zentrale Faktoren. Nun geht es nicht mehr um Hundertstelsekunden, sondern um Management, Governance und Verantwortung.

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