Für Regionalbanken  wird es jetzt härter
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FINANCENET Redaktion 30.01.2026

Für Regionalbanken wird es jetzt härter

Die Situation hat sich gravierend geändert – der Rückenwind der letzten Jahre lässt spürbar nach.

•• Von Reinhard Krémer

Für Österreichs Regional­banken, die hierzulande mehr als 90% der Bankinstitute umfassen, war 2024 erneut ein starkes Jahr. Vor allem das weiterhin sehr hohe Niveau beim Zinsüberschuss hat die Ergebnisse angetrieben. Das zeigt die aktuelle Regionalbankenstudie Österreich der zeb.Austria, die alljährlich durchgeführt wird.  Dass sich die Situation gravierend geändert hat, verdeutlicht das zeb-eigene Simulationsmodell, basierend auf den Daten von 357 Regionalbanken: Der Rückenwind der vergangenen Jahre lässt spürbar nach – steigende Risikokosten, sinkende Zinsmargen und ein anspruchsvolles wirtschaftliches Umfeld verändern die Spielregeln. „Wir sehen, dass die Institute insgesamt solide aufgestellt sind, doch die bisherigen Erfolgsmodelle müssen adaptiert werden. Daher gilt es, jetzt die kommenden Jahre aktiv zu gestalten und strategische Weichenstellungen vorzunehmen“, sagt, Michaela Schneider, Partnerin bei zeb.Austria.

Rückläufiges Zinsergebnis
Die sehr guten Ergebnisse der Jahre 2023 und 2024 waren vor allem dem günstigen Markt­umfeld geschuldet. Steigende Zinsen sorgten für hohe Er­träge, während Kosten und Risiken vergleichsweise stabil blieben.
Das Jahr 2025 war neben sinkenden Zinsmargen geprägt von steigenden Insolvenzen und geopolitischen Unsicherheiten. All das hat die Ertragslage belastet und wird auch in den kommenden Jahren das Betriebsergebnis der Banken schmälern. Auf Basis der Zinsprognosen erwarten die Experten der zeb erst ab 2028 eine deutliche Erholung beim Zinsüberschuss und damit verbunden beim Betriebsergebnis der Banken.

Die steigende Zahl der Unternehmensinsolvenzen – vor allem in der Bau- und Immobilienbranche – hat die Banken besonders belastet. Da sich Regionalbanken überwiegend aus Kundeneinlagen und nicht
über den Kapitalmarkt refinanzieren, treffen sie wirtschaftliche Abschwünge besonders direkt.

Höhere Risikokosten drücken
„Ein weiterer Ausfall von Kundenforderungen würde die Risikokosten erheblich erhöhen und hätte auch negative Auswirkungen auf die Kapitalausstattung der Banken“, sagt Andreas Sumper, Managing Partner zeb.Austria.
Der Simulation folgend würde bei einem zusätzlichen Anstieg der Wertberichtigungen um fünf Prozentpunkte die Kernkapitalquote von 21,4% (2024 im Median) auf 14,7% zurückgehen. Die Mehrheit von rund 53% der untersuchten Banken hätte dann eine Kernkapitalquote von weniger als 15%, 2024 lagen 97% der österreichischen Regionalbanken oberhalb einer Kernkapitalquote von 15%. „Um ihr Wachstum mit Eigenkapital zu unterlegen müssen Österreichs Regionalbanken Gewinne schreiben.

Fällt das Betriebs­ergebnis unter die Marke von 0,5%,  so fehlt der Bank die eigenständige Refinanzierungskraft um das RWA-Wachstum (risikogewichtete Aktiva) mit Eigenkapital zu unterlegen“, erläutert Sumper.

Gut aufgestellt, aber …
Insgesamt betrachtet sind Österreichs Regionalbanken solide aufgestellt. Vor allem die Eigenkapitalausstattung ist derzeit noch ausreichend. Trotzdem wird die Zukunft herausfordernd. Das Wachstum des Ertrags­potenzials im Firmenkunden- sowie auch im Privatkundengeschäft wird bis ins Jahr 2030 deutlich geringer ausfallen als in der Periode von 2019 bis 2024.
Nicht zuletzt auch deshalb, weil das Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahren nur schwach positiv bleiben wird,

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