Für den reibungslosen Betrieb, aber auch für den Werterhalt einer Immobilie ist Facility Management das A und O. Spezialistin in diesem Gebiet ist die immOH!, ein Unternehmen der Wiener Stadtwerke Gruppe und eine der größten Servicedienstleisterinnen für Immobilienbetreuung in Österreich. medianet traf Katharina Grass, Geschäftsführerin der immOH! Infrastruktur Services GmbH zum Interview.
medianet: Warum ist infrastrukturelles Facility Management heute strategischer geworden als früher? Was ist heute das große Thema in diesem Bereich?
Katharina Grass: Grundsätzlich dreht sich im Moment alles um Nachhaltigkeit, Energieeffizienz, Ressourcenschonung – infrastrukturelle Services zahlen genau darauf ein. Wir schauen, dass das Gebäude, die Immobilie so lang wie möglich instand gehalten und so sauber, so ressourcenschonend wie möglich betrieben wird. Wir bestreben im ganzen Lebenszyklus einer Immobilie so energieeffizient zu sein, wie es nur irgendwie geht.
medianet: immOH! versteht sich als Full-Service-Dienstleisterin für Immobilienbetreuung bzw. Full-Service-Anbieter von technischen Services über Reinigung bis hin zur Planung, Errichtung und Immobilienentwicklung. Wo liegt aus Ihrer Sicht der konkrete Mehrwert dieses ‚Alles-aus-einer-Hand‘-Ansatzes für den Eigentümer der Immobilie, für den Verwalter und für institutionelle Immobilienkunden oder auch Investoren?
Grass: Ich bin ein großer Fan von ‚One Face to the Customer‘. Weil es immer einfacher ist, wenn der Mieter, Eigentümer, Verwalter, etc. nur einen Ansprechpartner hat. Im Wissen ‚an den kann ich mich wenden, der wird mir helfen‘.
Dieser ‚Alles-aus-einer-Hand‘-Ansatz fängt schon ganz vorne bei der Planung an. Da kann ich Anforderungen an die Immobilie, an das Objekt bereits gut berücksichtigen. Der Klassiker sind die Reinigungsräume, die den ganzen Reinigungsutensilien Platz bieten, auf die wird oft vergessen. Aber auch Automatisierung, Digitalisierung oder Sensorik – die richtigen Anschlüsse und Rahmenbedingungen kann ich gleich am Anfang mitplanen. Und wenn ich der Errichter bin und nachher auch die Wartung übernehme, weiß ich auch, was ich geplant habe, wie ich es entwickelt habe und kann dann natürlich in der ganzen Verwaltung von dem Gebäude und in der Pflege effizienter in den Schnittstellen sein.
Wenn das ein Dienstleistungsunternehmen ist und ein Kundenkontakt, dann kann ich intern die Abläufe einfach viel besser aufeinander abstimmen und erspare mir auch damit wieder Zeit und Geld. Wenn mir beispielsweise in der Reinigung ein Schaden auffällt, dann kann ich das gleich über meine Techniker richten lassen. Ich kenne die Immobilie. Ich muss mich nicht einlesen. Ich muss mich nicht mit allem neu vertraut machen. Ich kann das einfach super-smooth für den Kunden erledigen.
medianet: Welche Leistungen ihres Produktportfolios werden heute von Immobilienkunden am stärksten nachgefragt? Hat sich dieser Bedarf in den vergangenen Jahren eventuell auch verändert?
Grass: Von den Kunden nach wie vor gut nachgefragt ist die Unterhaltsreinigung sowie die Sonderreinigung, in dem Umfeld auch sehr stark der Teil der Industriereinigung. Wir haben jetzt auch einen großen Auftrag im städtischen Umfeld bekommen, wo wir wieder in neue Segmente gehen, in dem Fall die Brunnenreinigung.
Wir sind in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Das ist in der jetzigen wirtschaftlichen Situation auch mit den ganzen geopolitischen Rahmenbedingungen und wirtschaftlichen Gegebenheiten schön zu sehen, dass es noch immer Wachstum gibt. Besonders, wenn es sich um organisches Wachstum handelt, wenn Bestandskunden auf uns zukommen.
medianet: Stichwort ‚wirtschaftliche Situation‘: Unternehmen versuchen derzeit zu sparen wo es nur geht, spürt das auch die immOH!?
Grass: Was wir merken, ist, dass die Kunden sehr wohl auch versuchen, über Leistungsumfänge Reduktionen zu erreichen, dass sie da auch versuchen, dem wirtschaftlichen Druck entgegenzuwirken. Hier suchen wir aber immer gute Lösungen, die für beide Seiten gut lebbar bleiben.
medianet: Reinigung und infrastrukturelle Services sind bekanntlich personalintensiv. Wie und wie gut findet die immOH Mitarbeiter? Ist Reinigungsrobotik bei der immOH Thema?
Grass: Wir setzen sehr viel auf soziale Nachhaltigkeit. Wir sind für viele Menschen oft der erste Arbeitgeber in Österreich. Wir haben sehr diverses, vielfältiges Personal, das ist uns auch ganz, ganz wichtig. Aber ja, wir finden sehr gut Personal. Jetzt nicht so sehr über die klassischen Employer Branding-Maßnahmen, sondern vielmehr über Mundpropaganda. Wir haben auch eine sehr niedrige Fluktuationsquote, was in unserer Branche nicht usus ist.
Was die Reinigungsrobotik betrifft – wir machen gerade die ersten Live-Tests –, da ist meine Einschätzung gespalten. Vielen Gebäuden fehlen die benötigten Rahmenbedingungen, Anschlüsse etwa, um die Roboter wirklich so nutzen zu können, wie sie auch nutzbar wären. Reinigungsrobotik kann echte Unterstützung sein, wenn etwa in der Nacht nach Veranstaltungen nicht mehr unsere Mitarbeiterinnen die Reinigung durchführen müssen, sondern man lässt einen Roboter über Nacht fahren. Wäre auch familienfreundlicher.
medianet: Zertifizierungen, Qualitätsmanagement und standardisierte Prozesse – wie wichtig sind solche Nachweise heute im Wettbewerb?
Grass: Also Qualitätsmanagement, ISO-Zertifizierungen und die ganzen Standards werden heute schon wirklich vorausgesetzt. Ohne fällt es schwer, Aufträge zu bekommen. Ich bin ein großer Fan von Standardisierung, weil es Vergleichbarkeit schafft. Wenn ich mich an die ISO 9001 halte, dann habe ich einen Standard und der Kunde darf erwarten, dass die Unternehmen, die zertifiziert sind, ihm diesen auch bringen.
Für uns bedeutet das: ‚Wo unterscheide ich mich in diesen Standardisierungen vom Mitbewerb? Wo bin ich das Deutchen besser? Worauf fokussiere ich mich und wo lege ich den Mehrwert drauf?‘ Das ist bei uns eben die Zuverlässigkeit, die Stabilität und die Qualität in der Leistungserbringung.