•• Von Martin Rümmele
WIEN. 46 neue Arzneimittel mit ebenso vielen neuen Wirkstoffen sind im Vorjahr auf den europäischen Markt gekommen. „Das ist die zweitbeste Bilanz der vergangenen zehn Jahre an zugelassenen Arzneimitteln“, stellte Günter Waxenecker, Leiter der Medizinmarktaufsicht in der AGES, bei einer Pressekonferenz mit dem Forum der forschenden pharmazeutischen Industrie (FOPI) fest.
Positiv wurde der Anteil an Forschung und Entwicklung in der Branche erwähnt, der ein „wesentlicher Aspekt“ sei und mit einer Reinvestitionsquote von 13,5% vor anderen Industrien positioniert ist. Trotz eines immer schwieriger werdenden Umfelds investierte die europäische Pharmaindustrie zuletzt rund 55 Mrd. € in Forschung und Entwicklung.
Was die negativen Aspekte betrifft, da verringerte sich der Anteil in der EU an allen globalen derartigen Studien zwischen 2013 und 2023 von 18 auf neun Prozent, erläuterte FOPI-Präsidentin Ute Van Goethem. Auch in Österreich zeigte die Zahl der klinischen Studien zwischen 2021 und 2024 einen markanten Abwärtstrend von minus 28%. Im Vorjahr kam es allerdings zu einer leichten Umkehr, und die Studienzahl erreichte wieder den (niedrigen) Wert von 2023. Das führe auch dazu, dass weniger Patienten die Möglichkeit haben, frühzeitig von neuen Ansätzen zu profitieren. Es gelte daher, möglichst viele klinische Studien wieder nach Österreich zu bringen, so Van Goethem: „Innovative Medikamente eröffnen Betroffenen und ihren betreuenden Ärzt:innen neue Therapieoptionen.“
Life Science Strategie gefragt
„In den 1990er-Jahren entfielen noch knapp 40% der weltweiten Forschungsausgaben auf Europa. Aktuell sind es nur noch 21%. Dafür haben China einen Anteil von 44% und die USA einen Anteil von 29% erreicht. Das hat auch Auswirkungen auf die Versorgung heimischer Patienten“, appelliert die FOPI-Präsidentin an die gesundheitspolitischen Entscheidungsträger. „Wir müssen unsere Denkweise ändern, Forschung willkommen heißen und ein gutes Umfeld schaffen. Die von der Regierung angekündigte Life Science Strategie wäre dafür die beste Gelegenheit.“