Stabile Umsatzbasis
© Wietersdorfer/Sabine Biedermann
INDUSTRIAL TECHNOLOGY Redaktion 03.07.2026

Stabile Umsatzbasis

Die Wietersdorfer Gruppe behauptet sich in einem herausfordernden Wirtschaftsjahr.

KLAGENFURT. Die Wietersdorfer Gruppe blickt auf ein anspruchsvolles Geschäftsjahr 2025 zurück. Trotz schwacher Weltkonjunktur, verhaltener Bau- und Industrieentwicklung sowie volatiler internationaler Projektmärkte hielt das Kärntner Familienunternehmen seine Umsatzbasis weitgehend stabil. Der Gruppenumsatz lag bei 1,09 Milliarden Euro und damit um 1,3 Prozent unter dem Vorjahr. Nach mehreren Internationalisierungsschritten standen 2025 die Integration neuer Gesellschaften, Portfolio-Steuerung, Kostenmanagement und eine intensive Marktbearbeitung im Fokus.

Konsolidierung nach internationaler Expansion
In den vergangenen Jahren hat die Wietersdorfer Gruppe ihre internationale Präsenz insbesondere in Afrika, Lateinamerika und Australien ausgebaut. 2025 lag der Schwerpunkt auf der operativen Konsolidierung: Neue Gesellschaften wurden integriert, Strukturen und Prozesse weiterentwickelt und internationale Projekte mit Fokus auf Kostendisziplin und Risikosteuerung vorangetrieben.

„Das Jahr 2025 war keine Fortschreibung des linearen Wachstums. Nach mehreren Internationalisierungsschritten war es entscheidend, neue Gesellschaften organisatorisch und operativ zu integrieren, Prozesse weiterzuentwickeln und internationale Projektchancen bei gleichzeitig konsequenter Kostenkontrolle und Risiosteuerung zu realisieren“, erklärt CEO Michael Junghans.

Europa bleibt wichtigster Markt
Europa blieb 2025 der stärkste Markt der in den fünf Geschäftsfeldern Zement und Beton, Kalk, GFK-Rohrsysteme, PP-Rohrsysteme und Industriemineralien tätigen Unternehmensgruppe. Mit 830,7 Millionen Euro Umsatz entfielen rund 76 Prozent des Gruppenumsatzes auf Europa. Besonders die Alpe-Adria-Region mit Österreich, Italien und Slowenien blieb ein stabiler Kernmarkt.

Österreich war mit einem Anteil von 15,3 Prozent der umsatzstärkste Einzelmarkt und legte um 6,7 Prozent zu. Die Entwicklung wurde durch Marktbearbeitung, Inflationseffekte und die Beteiligung an Sico Technology unterstützt. Die USA blieben mit 15 Prozent Umsatzanteil ein zentraler Markt, verzeichneten jedoch nach einem starken Vorjahr einen Rückgang von 7,7 Prozent. Italien entwickelte sich mit einem Umsatzanteil von 13,5 Prozent und einem Plus von 37,9 Prozent besonders positiv, unter anderem durch die Übernahme des Zementwerks Fanna. Spanien wuchs um 59,7 Prozent, getragen von Bewässerungsprojekten und dem Industriegeschäft.

„Europa blieb trotz herausfordernder Rahmenbedingungen der relevanteste Markt, während internationale Projektmärkte stärker von öffentlichen Investitionszyklen, Preis- und Währungsschwankungen geprägt waren“, betont CFO Hannes Gailer.

Rohrsysteme als internationale Wachstumsplattform
Die GFK- und PP-Rohrsysteme erzielten gemeinsam 519,7 Millionen Euro Umsatz und standen damit für knapp die Hälfte des Gruppenumsatzes. Sie adressieren zentrale Zukunftsthemen wie Wasserinfrastruktur, Bewässerung, Entsalzung, Energieversorgung und Infrastrukturausbau.

Gleichzeitig zeigte sich 2025 die hohe Dynamik internationaler Projektmärkte. Das Auslaufen einzelner Großprojekte, Preis- und Margendruck, Wettbewerb sowie Währungseffekte beeinflussten insbesondere das GFK-Geschäft. „Der weltweite Bedarf an leistungsfähiger Wasser-, Abwasser-, Bewässerungs- und Energieinfrastruktur bleibt weiterhin hoch. 2025 haben wir beispielsweise in den USA mehr Laufmeter GFK-Rohre verkauft als im Vorjahr“, so Junghans.

Zement und Beton mit starkem Wachstum
Die Geschäftsfelder entwickelten sich unterschiedlich. Besonders stark wuchs Zement und Beton mit einem Umsatz von 323,4 Millionen Euro und einem Plus von 17,6 Prozent. Treiber waren unter anderem die Übernahme des Zementwerks Fanna sowie die starke Position in der Alpe-Adria-Region.
Industriemineralien erzielten 193,0 Millionen Euro Umsatz (+4,5 Prozent), Kalk 44,3 Millionen Euro (+0,9 Prozent). Die PP-Rohrsysteme erreichten 87,5 Millionen Euro, die GFK-Rohrsysteme 432,1 Millionen Euro.
„Die breite Aufstellung über Zement und Beton, Rohrsysteme, Kalk und Industriemineralien ist ein wesentlicher Stabilitätsfaktor. Unterschiedliche Geschäftsmodelle, Regionen und Projektzyklen helfen uns, Marktschwankungen besser abzufedern“, erklärt Gailer.

Investitionen in Zukunftsfähigkeit fortgesetzt
Trotz des Konsolidierungsjahres investierte die Wietersdorfer Gruppe weltweit 105,6 Millionen Euro. Davon entfielen 20,7 Millionen Euro auf Österreich und 13,3 Millionen Euro auf Kärnten. Rund 14 Prozent der Investitionen wurden als GreenInvest-Projekte umgesetzt.

Zu den größten Projekten zählten der Ausbau des Standorts Houston (USA) im Bereich GFK-Rohrsysteme mit einem Investitionsvolumen von 11,2 Millionen Euro sowie eine neue Siloanlage am Standort Wietersdorf für drei Millionen Euro. Diese unterstützt die Entwicklung nachhaltiger Produkte im Bereich Zement und Beton.
„Dass wir in einem Konsolidierungsjahr 105,6 Millionen Euro investiert haben, zeigt unseren langfristigen Anspruch. Wir investieren in effiziente Standorte, nachhaltigere Produkte, Dekarbonisierung und die Zukunftsfähigkeit der Gruppe“, so Junghans.

Ausblick 2026: Chancen und Unsicherheiten
Für 2026 erwartet die Wietersdorfer Gruppe weiterhin ein herausforderndes Umfeld. Geopolitische Risiken, hohe Energiepreise, handels- und zollpolitische Unsicherheiten sowie volatile Projektmärkte bleiben zentrale Faktoren. Wachstum soll insbesondere durch M&A-Aktivitäten und eine intensive Marktbearbeitung entstehen.

„Europas Industrie braucht verlässliche Rahmenbedingungen, offene Märkte, leistbare Energie und deutlich weniger Bürokratie. Wer Transformation, Dekarbonisierung und Versorgungssicherheit will, muss auch die notwendige Infrastruktur ermöglichen“, betont Gailer.

„Für 2026 bleiben wir in der Planung bewusst vorsichtig. Geopolitische Unsicherheiten, volatile Energiepreise sowie handels- und zollpolitische Risiken werden uns weiter beschäftigen“, so Junghans abschließend.

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