WIEN. Die Industriellenvereinigung (IV) wertet die Mitte Oktober präsentierte Herbstprognose von Wifo und IHS als Zeichen einer vorsichtigen Stabilisierung, sieht aber keinen Grund zur Entwarnung.
Für 2027 geht das Wifo von einem Wachstum von 1,3% aus, das IHS rechnet mit einem Prozent. Beide Institute halten trotz des erneuten Energiepreisschubs an ihren Wachstumserwartungen von 0,9 respektive 0,8% für 2026 fest, Wachstumsimpulse kämen laut Wifo aus der Industrie, dort sei ein Aufschwung zu erkennen. „Die Frühindikatoren zeigen eine gute Auftragslage und bessere Stimmung in der Industrie“, sagte Wifo-Chef Gabriel Felbermayr bei der Präsentation der Prognose. Die Warenherstellung und die Exporte würden um zwei bis 2,3% wachsen und Österreich von einer besseren Industriekonjunktur in Deutschland und Osteuropa profitieren.
Am Boden der Tatsachen
Bei der IV sieht man die Lage nicht ganz so euphorisch. „Die exportorientierte Industrie hält die Konjunktur in einem schwierigen Umfeld auf Kurs. Diese Erholung ist kein Aufschwung – und sie ist zart und fragil. Sie kann jederzeit kippen, wenn die Politik jetzt die falschen Schwerpunkte setzt“, warnt IV-Generalsekretär Christoph Neumayer, denn die Risiken seien beträchtlich: Der Iran-Krieg habe Öl, Gas und Strom erneut verteuert, die Inflation liege mit 3,3 bzw. 3,1% weiterhin deutlich über dem EZB-Ziel, und die Arbeitslosenquote steige heuer auf 7,6%. „Wer diese Zahlen liest, sieht ein Wachstum auf schmalem Fundament. Gerade die Industrie ist von hohen Energiekosten und internationalem Wettbewerbsdruck am stärksten betroffen“, betont Neumayer.
„Stoppt den Steuerwahn!“
Umso schädlicher seien die wiederkehrenden Diskussionen über neue Steuern. „Die ständigen Debatten über Todessteuern, Vermögenssteuern und andere Belastungsideen sind Gift für den Standort. Sie verunsichern genau jene Unternehmen, die jetzt investieren sollen, und treffen besonders die Familienbetriebe, die das Rückgrat unserer Industrie bilden. Investitionen brauchen Planbarkeit, nicht wöchentlich neue Steuerfantasien. Der Steuerwahn muss endlich gestoppt werden!“, so Neumayer. Österreich zähle bereits heute zu den Ländern mit der höchsten Abgabenbelastung in Europa. Jede zusätzliche Belastung würde die Wettbewerbsfähigkeit weiter schwächen und die beginnende konjunkturelle Entspannung konterkarieren.
Es gäbe viel zu tun
Statt neuer Belastungen brauche es klare Entlastungssignale: eine spürbare Senkung der Lohnnebenkosten bzw. Lohnstückkosten, wettbewerbsfähige Energiepreise für die Industrie, einen konsequenten Abbau von Bürokratie sowie die zügige Umsetzung der Industriestrategie 2035. Das Budget müsse über die Ausgabenseite konsolidiert werden. „Die Prognosen geben uns ein Zeitfenster. Wir müssen es nutzen, um den Standort zu stärken, und nicht, um ihn mit neuen Steuerdebatten zu schwächen“, so Neumayer abschließend zum Thema Herbstprognose.
Stärkung der Wertschöpfung
Was die kürzlich vorgestellte „Made in Europe Declaration“ betrifft, so greife diese mit der Stärkung europäischer Wertschöpfung ein wichtiges Anliegen für den österreichischen und europäischen Industriestandort auf. Der gezieltere Einsatz öffentlicher Beschaffung könne dazu beitragen, industrielle Wertschöpfung, Versorgungssicherheit und technologische Souveränität in Europa zu stärken. Es gelte laut Neumayer zu bedenken, dass höhere Beschaffungskosten die ohnehin knappen öffentlichen Budgets zusätzlich belasten. Für die stark exportorientierte österreichische Industrie bestehe außerdem das Risiko, dass Drittstaaten ihrerseits ihre Beschaffungsmärkte schließen. (hk)
Amazon investiert 2027 Milliarden in Deutschland
Amazon will im kommenden Jahr mehr als 16 Milliarden Euro in Deutschland investieren. Ein knappes Drittel dieser Summe fließe in den Ausbau von Rechenzentren, teilte der Onlinehändler