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Kosmische Geschichten © OHB System AG
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Paul Christian Jezek 25.03.2021

Kosmische Geschichten

Top-Austro-Qualität im Weltraum.

WIEN. Am 20. März 2021 startete ein Erdbeobachtungssatellit aus Südkorea an Bord einer russisischen Sojuz-Rakete ins All, der hochauflösende Bilder von der Erde aufnehmen wird. Im Weltraum angekommen, wird seine präzise Position durch einen Navigationsempfänger aus Wien auf einen Meter genau bestimmt. „Je genauer die Positionsbestimmung des Satelliten, desto genauer die Daten, die der Satelliten liefert“, sagt Andreas Buhl, Geschäftsführer von RUAG Space Austria, Österreichs größtem Weltraumunternehmen. „Unsere Navigationsempfänger sind weltweit gefragt. Wir liefern diese nach Europa, USA oder Asien.“ Derzeit befinden sich 22 Navigationsempfänger aus Österreich im Weltall. Sie bestimmen die Positionen unterschiedlicher Satelliten, etwa eines Umweltsatelliten der NASA oder eines Meeresspiegel-Satelliten der europäischen Weltraumorganisation ESA. „Ein Satellitennavigationsempfänger von uns hat den Auftragswert eines Einfamilienhauses“, betont Buhl.

Der Satellit CAS500-1 (Compact Advanced Satellite) der südkoreanischen Raumfahrtagentur KARI (Korea Aerospace Research Institute) wiegt rund 500 kg und wird im erdnahen Orbit platziert. Südkorea betätigt sich stark in Sachen Weltraumtechnologie: Alleine 2021 investiert das Land eine halbe Mrd. € in Weltraumaktivitäten, um seine Kapazitäten zur Herstellung etwa von Satelliten und Raketen zu stärken.

Dabei ist CAS500-1 bezüglich der RUAG-Präsenz absolut kein Einzelfall: Schon am 25. März starten die nächsten 36 von insgesamt rund 600 kleinen Telekommunikationssatelliten des britisch-indischen Unternehmens OneWeb ins All. Damit steigt die Zahl der im All befindlichen Kleinsatelliten auf 146. Die Satelliten bringen Breitbandinternet in entlegene Regionen. „Vor der Kälte und Hitze im All von ca. minus 150 bis plus 150°C schützt die waschmaschinengroßen Satelliten Technik aus Österreich“, sagt Buhl. Den Hitzeschutz produzierte RUAG Space im niederösterreichischen Werk in Berndorf. Die Isolation besteht aus mehreren Schichten metallbedampfter Kunststofffolien.

Die OneWeb-Satelliten werden vom Weltraumbahnhof Vostochny in Russland ins All starten. Für den Transport der Satelliten von der Produktionsstätte in Florida bis nach Russland wurden Hochtechnologie-Satellitencontainer von RUAG Space Austria verwendet. „Satelliten sind hochsensible Geräte“, erklärt Buhl. „Sie können nur in speziell gedämpften und belüfteten Containern transportiert werden, um sie vor Erschütterungen und Temperaturschäden zu schützen. Für unseren Kunden haben wir hier maßgeschneiderte Lösungen entwickelt.“ Der Auftragswert für Container und Thermalisolation beträgt zusammen rund zehn Mio. €. Das OneWeb-Satellitensystem soll weltweit kostengünstigen Internetzugang ermöglichen und in einem ersten Ausbauschritt rund 600 Satelliten umfassen, die im erdnahen Orbit um die Erde kreisen. Ein Satellit wiegt rund 150 kg.

Hitzeschutz aus Österreich für europäischen Planetenjäger
Und damit immer noch nicht genug: Ein europäisches Weltraumobservatorium soll fremde Planeten finden – und auch dies wird von RUAG-Thermalisolation geschützt. Die Raumfahrtmission PLATO (Planetare Transite und Oszillationen von Sternen) der europäischen Weltraumorganisation ESA wird mit kleinen Teleskopen und 26 Kameras nach Planeten suchen, die fremde Sterne umkreisen. „So wie sich ein Jäger für die Pirsch in den heimischen Wäldern warm genug anzieht, braucht auch ein Planetenjäger entsprechende Kleidung“, lächelt Buhl. „Das schwarze Thermalkleid für die Satellitenplattform kommt aus Österreich und schützt den europäischen Satelliten vor den extremen Temperaturen im All, die im Schnitt zwischen minus 200 und bis zu plus 300 Grad Celsius schwanken.“

Die Isolation besteht aus mehreren Schichten hauchdünner Polyimidefolien. Gebaut wird der Satellit vom deutschen Raumfahrtunternehmen OHB in Bremen. Die Planetenjägermission soll Antworten auf große wissenschaftliche Fragen liefern: Wie funktioniert das Sonnensystem? Wie entstehen Planeten und wie entsteht Leben? Der Raketenstart vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou, Südamerika, ist für 2026 geplant.

Summa summarum ist RUAG Space Austria mit Sitz in Wien und einem zweiten Werk in Berndorf (NÖ) mit rund 250 Mitarbeitenden das größte österreichische Weltraumtechnikunternehmen. Das Hochtechnologieunternehmen rüstet weltweit Satelliten und Trägerraketen mit Elektronik, Mechanik und Thermalisolation aus und hat eine Exportquote von rund 100%. Als Spin-off der Weltraumaktivitäten produziert das Unternehmen auch Thermalisolation etwa für den Medizinbereich (Magnetresonanztomografen). (pj)

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