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Besser ein Splitter im Auge …
sabine bretschneider 30.11.2018

Besser ein Splitter im Auge …

… als ein Brett vorm Kopf. Die Auszeichnungen für den antiwissenschaftlichsten Unfug des Jahres.

Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider

BEINAHE MAGISCH. Homöopathie, Bachblütenessenzen und Aura-Spray sind Ihre Mittel der Wahl bei sämtlichen Unwägbar- und Unpässlichkeiten? Der Stand der Sterne verrät Ihnen, wie Sie es im Job anlegen und in der Partnerschaft, wo und wann genau die Liebe hinfällt? Der Mond rät zum perfekten Zeitpunkt, den nächsten Friseurtermin anzusteuern und den Tannenbaum für das frohe Fest zu fällen? Ihre Unverträglichkeiten sind längst ausgependelt, Ihr Wasser gegrandert, die schwarze Katze des Nachbarn mittels Lebendfalle in die Donauauen transportiert?

Sie finden, dass ein Mann mit Hut am Steuer eines Pkw nicht unbedingt bedrohlich wirkt, solange die Kopfbedeckung aus Alufolie gefaltet ist? Und aus der erneuten Lektüre des hundertjährigen Kalenders haben Sie die Überzeugung gewonnen, dass der Klimawandel genauso ein Humbug ist wie das Gschichtl von der Unbedenklichkeit der Masernimpfung? Dann sollten Sie jetzt aufmerken. Die besten Ideen Ihrer Gesinnungsgenossen wurden eben wieder prämiert. Mit dem „Goldenen Brett 2018”. Ausgezeichnet wurde der „herausragendste antiwissenschaftliche Unfug des Jahres”. Hunderte Vorschläge waren eingegangen – und das Rennen um den Hauptpreis war ein denkbar knappes. Applaus also für das Wiener Krankenhaus Nord, den Bewusstseinsforscher Christoph Fasching und dessen hochpotenten energetischen Schutzwall, finanziert mit öffentlichem Geld. Das Goldene Brett fürs Lebenswerk erhielt Demeter: Unter dem Schlagwort „biologisch-dynamisch” verkauft der Demeter-Verband landwirtschaftliche Produkte, erzeugt nach den Regeln der Anthroposophie – „einer okkulten Gedankenwelt, die vom Esoteriker Rudolf Steiner begründet wurde”, wie es heißt. Und hier kommt das Stoppzeichen. Warum biologisch-dynamische Landwirtschaft nicht zwangsläufig ein „vorwissenschaftlich-magisches Weltbild” fördert, das hat eine Kollegin nach allen Regeln der journalistischen Kunst recherchiert. Lesen Sie dazu mehr in der nächsten Ausgabe von medianet.

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