Positive Effekte
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INDUSTRIAL TECHNOLOGY Helga Krémer 06.02.2026

Positive Effekte

EU-Indien-Abkommen werde neue Chancen für Österreichs Industrie eröffnen, meinen Ökonomen der UniCredit Bank Austria.

WIEN. Die Europäische Union und Indien haben sich Ende Jänner 2026 auf ein umfassendes Handelsabkommen geeinigt. Mit dem geplanten Vertrag soll ein Großteil der bestehenden Zölle und handelspolitischen Hürden abgebaut werden. Indien ist einer der dynamischsten Wachstumsmärkte weltweit.

„Das EU‑Indien‑Abkommen eröffnet der österreichischen Industrie zusätzliche Exportmöglichkeiten und stärkt ihre Position in globalen Wertschöpfungsketten“, sagt Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria.

Exportmarkt und Wachstumsimpuls
Österreich exportierte 2024 Waren im Wert von 1,3 Mrd. € nach Indien, das sind 0,7% der gesamten Ausfuhren. Maschinen, Elektronik und synthetische Fasern zählen zu den wichtigsten Exportgütern. Oberösterreich war mit 445 Mio. € das exportstärkste Bundesland, gefolgt von der Steiermark (231 Mio. €) und Vorarlberg (149 Mio. €).

Durchschnittliche Zölle von über zwölf Prozent (gewichtet mit dem Exportvolumen) auf österreichische Exporte belasten derzeit insbesondere die Kfz‑Industrie, die Getränkeindustrie sowie Teile des Maschinenbaus. Mit einem Abkommen sollen über 90% dieser Zölle wegfallen. Insgesamt betrug 2024 die Belastung der österreichischen Exporte nach Indien durch Zölle ca. 160 Mio. €.

„Indien erhebt im internationalen Vergleich hohe Einfuhrzölle. Der Wegfall dieser Belastungen wäre für viele heimische Industriebetriebe ein klarer Impuls, insbesondere in den technologieintensiven Branchen“, so Robert Schwarz, Ökonom der UniCredit Bank Austria.

Industrieregionen als Gewinner
Auf Basis der OECD‑TiVA‑Daten („Trade in Value Added“) ergibt sich für 2024 eine durch die indische Endnachfrage ausgelöste inländische industrielle Wertschöpfung von rund 650 Mio. €. Das sind weniger als ein Prozent der gesamten Industriewertschöpfung Österreichs. Die industrieintensiven Bundesländer Oberösterreich und Steiermark erzielen die stärksten positiven Effekte aus dem Handel mit Indien. Oberösterreich generierte 2024 rund 220 Mio. € an Industriewertschöpfung. Die Steiermark erreichte 120 Mio. €.

Diese Regionen profitieren auch am stärksten von einem Handelsabkommen, da ihre Industriestrukturen – insbesondere im Bereich der Kfz‑Industrie und Maschinen – überproportional von den zu erwartenden Zollsenkungen begünstigt werden. Relativ zur gesamten Wirtschaftsleistung ist der Anstieg in Vorarlberg auf 150 Mio. € am größten.

Unter der Annahme einer Verdoppelung der österreichischen Warenausfuhren nach Indien – ein Szenario, das aufgrund sektoraler Stärkefelder realistisch erscheint – könnte die Industriewertschöpfung deutlich zulegen:
Oberösterreich mit einem Anstieg auf 450 Mio. € und die Steiermark auf 250 Mio. €. Diese Berechnungen berücksichtigen bereits internationale Wertschöpfungsketten, etwa steigende Nachfrage aus Deutschland nach österreichischen Vorleistungsgütern.

Deutliche positive Beschäftigungseffekte
Auch für den österreichischen Arbeitsmarkt ergeben sich klare Vorteile. Derzeit hängen rund 5.000 Industriearbeitsplätze in Österreich direkt von der indischen Nachfrage ab. Bei einer Verdoppelung der Exporte dürfte sich auch dieser Effekt nahezu verdoppeln. „In Oberösterreich rechnen wir mit einem Anstieg der Industriearbeitsplätze aufgrund höherer Nachfrage aus Indien um 1.800 Arbeitsplätze und in der Steiermark um 1.000“, rechnet Schwarz vor. Rund 500 Arbeitsplätze dürften in Vorarlberg, Niederösterreich und Tirol neu entstehen.

„Das Abkommen ist eine strategische Ergänzung zur bestehenden europäischen Handelspolitik und stärkt die Position der heimischen Industrie in einem der am schnellst wachsenden Märkte der Welt“, betont Bruckbauer abschließend.

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