WIEN. Die Agenda2050 und das Forum on Information and Democracy haben zu einem Dialog über Medien, Vertrauen, Verantwortung und die Auswirkungen globaler Plattformen auf das Medien-Ökosystem eingeladen. Vertreter aus Politik, Medien und Wirtschaft diskutierten in der Cupra City Garage über Herausforderungen für Medienvielfalt und unabhängigen Journalismus.
„In der aktuellen Diskussion um den heimischen Medienstandort rückt die globale Gefahr durch Big Tech in den Hintergrund. Nicht nur in Österreich und Europa ist die Existenz des unabhängigen Journalismus bedroht: Der dominierenden Marktübermacht von Tech-Giganten wie Alphabet, Meta, Amazon oder Bytedance kann nur Einhalt geboten werden, wenn Märkte voneinander lernen und gemeinsame Strategien entwickeln“, leitet Eugen Schmidt (AboutMedia), Präsident der Agenda2050, in die Diskussion ein.
Globale Plattformen als neue Gatekeeper
Katharina Zügel vom Forum on Information and Democracy verwies auf die Entwicklung der vergangenen Jahre und die wachsende Bedeutung großer Plattformen für Informationszugang, Nutzerdaten und digitale Werbung.
Die Diskussionsteilnehmer thematisierten, dass Plattformunternehmen zunehmend Einfluss auf die Verteilung journalistischer Inhalte und den digitalen Werbemarkt nehmen. Dabei wurden unter anderem Fragen zu Transparenz, Messbarkeit und der Finanzierung redaktioneller Medien erörtert.
Lösungsansätze für den Medienmarkt
Im Austausch wurden internationale Modelle wie der Bargaining Code in Australien und der Online News Act in Kanada sowie wettbewerbsrechtliche Maßnahmen diskutiert. Auch mögliche Anpassungen bei Digitalsteuern, Medienförderung und der Einbindung künstlicher Intelligenz standen im Mittelpunkt.
„Plattformen leisten massiven Widerstand gegen nationale Gesetze und missbrauchen ihre Marktmacht. In Verhandlungen müssen sich Medienhäuser unter ihrem Wert verkaufen und sind auf den guten Willen der Marktbeherrscher angewiesen. Auf dieser Basis ist unabhängiger Journalismus kaum mehr zu leisten“, fasst Zügel das Problem zusammen.
Österreichische Perspektive
Unter der Moderation von Sebastian Loudon (Datum Stiftung) diskutierten Answer Lang (Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport), Eva Roth (Atmosvere), Eugen Schmidt (Agenda2050), Martin Wassermair (Reporter ohne Grenzen), Alexander Wrabetz (Stadt Wien) und Katharina Zügel (Forum on Information and Democracy).
Die Teilnehmer sprachen über die Bedeutung europäischer Regulierung, Kooperationen im Medienmarkt und neue Anforderungen durch künstliche Intelligenz.
„Künstliche Intelligenz macht Inhalte innerhalb von Sekundenbruchteilen wertlos. Medienhäuser müssen die Kontrolle über ihre Inhalte wieder zurückgewinnen und brauchen Sicherheit“, so Roth.
Die Agenda2050 bezeichnete den Dialog als Beitrag zur Diskussion über die Zukunft des Medienstandorts und zur Entwicklung gemeinsamer europäischer Lösungen. (red)