European Publishing Congress 2026: Medienbranche sucht Rezepte für die KI-Ära
© Medienfachverlag Oberauer/APA-Fotoservice/Schedl
Wien wird Mitte Juni erneut zum Treffpunkt der europäischen Medienbranche.
MARKETING & MEDIA Redaktion 09.06.2026

European Publishing Congress 2026: Medienbranche sucht Rezepte für die KI-Ära

Am 17. und 18. Juni trifft sich Europas Publishing-Szene im Palais Niederösterreich. Im Fokus stehen KI, neue Erlösmodelle, Datenstrategien und konkrete Innovationsprojekte.

WIEN. Wien wird Mitte Juni erneut zum Treffpunkt der europäischen Medienbranche: Beim European Publishing Congress 2026 kommen am 17. und 18. Juni rund 500 Medienentscheider aus ganz Europa im Palais Niederösterreich zusammen. Im Mittelpunkt steht heuer eine Frage, die Verlage derzeit unter besonderem Druck beantwortet müssen: Wie lässt sich publizistische Qualität in einer digitalen Medienwelt finanzieren, in der KI, Plattformlogiken und verändertes Nutzungsverhalten bestehende Geschäftsmodelle herausfordern?

Der Kongress setzt dabei bewusst auf konkrete Strategien statt bloßer Zukunftsrhetorik. Die Veranstalter stellen die Evolution der KI und die strategische Neuausrichtung von Medienhäusern ins Zentrum des Programms. Diskutiert wird, wie Redaktionen und Verlage KI nicht nur punktuell als Effizienzwerkzeug einsetzen, sondern organisatorisch, technologisch und wirtschaftlich verankern können.

KI als Strukturfrage
Zu den Vortragenden zählt unter anderem Laura Seiffe, KI-Projektmanagerin bei der Zeit Verlagsgruppe, die zeigt, wie sich ein Medienhaus systematisch auf KI-Anwendungen vorbereitet. Dmitry Shishkin von der BBC widmet sich der Frage, welche Rolle Datenmodelle und Content-Strukturen für den erfolgreichen Einsatz von KI spielen. Ulrike Langer, Medien-Trendscout in den USA, beleuchtet neue Erlösmodelle im KI-Zeitalter – von Lizenzdeals über strukturierte Daten bis hin zu neuen Formen der Content-Monetarisierung. Thomas Düffert, CEO von Madsack, spricht über die Notwendigkeit, digitale Geschäftsmodelle schneller skalierbar zu machen.
Der thematische Schwerpunkt kommt nicht zufällig: Laut Reuters Institute zählt generative KI 2026 zu den zentralen Transformationstreibern für Newsrooms – sowohl in der Produktion als auch bei Distribution und Geschäftsmodell. Gleichzeitig warnt das Institut vor einem schwierigen Balanceakt: Medienhäuser müssen KI nutzen, ohne Vertrauen, Markenwert und direkte Nutzerbeziehungen zu gefährden.

Vom Experiment in den Workflow
Praxisnah wird es im Media Innovation Lab, das konkrete Anwendungen aus europäischen Medienhäusern vorstellt. Kai Gohlke von Oberpfalz Medien und Jens Seidel zeigen am Beispiel „Oberpfalz daheim“, wie nutzergenerierte Inhalte mithilfe von KI in redaktionelle Workflows integriert werden können: Leser liefern Inhalte, Redaktion und KI übernehmen Qualitätskontrolle und Einbindung in bestehende Prozesse.
Weitere Cases kommen von Azir Razzak von Our Media und Benjamin Kolb von Purple, die den Aufbau effizienter Multi-Brand-Plattformen zeigen. Nico Krizsak von DuMont und Peter Resele von Comyan berichten über Cloud-Migration und KI-gestützte Archivsysteme. Damit rückt der Kongress die Frage in den Vordergrund, wie Innovation nicht nur als Projekt, sondern als dauerhafte Infrastruktur in Medienhäusern funktionieren kann.

Awards als europäische Leistungsschau
Ein Höhepunkt des Kongresses ist die Verleihung der European Publishing Awards, mit denen herausragende Medienprojekte aus den Bereichen Newspaper, Magazine und Digital ausgezeichnet werden. Zu den Hauptpreisträgern 2026 zählen unter anderem die "Apotheken Umschau" aus Deutschland als „European Magazine of the Year“, Politiken aus Dänemark als „Digital Publishing Platform of the Year“ sowie "La Provincia" aus Spanien als „Local Newspaper of the Year“.
Die Auszeichnungen zeigen zugleich, wie breit sich Innovation im Publishing inzwischen definiert: Es geht nicht mehr nur um digitale Produkte, sondern um publizistische Qualität, Markenführung, Plattformstrategien, Nutzerbindung und neue Formen der Wertschöpfung.

Branchentreffpunkt in herausfordernder Zeit
Der European Publishing Congress positioniert sich damit als Forum für eine Branche, die zwischen publizistischem Anspruch und ökonomischem Druck nach neuen Antworten sucht. Sinkende Abhängigkeit von klassischen Reichweitenmodellen, stagnierende Digitalabos, KI-Suche und Lizenzfragen verändern die Spielregeln rasant. Jüngste Debatten um KI-Suchmaschinen, Content-Nutzung und faire Vergütung zeigen, wie stark sich das Verhältnis zwischen Medienhäusern und Tech-Plattformen neu sortiert.
Für Medienmanager, Chefredakteure, Produktverantwortliche und Digitalstrategen bietet der EPC daher nicht nur ein internationales Schaufenster für Best Practices, sondern auch eine Standortbestimmung: Wie wird aus KI mehr als ein Tool? Wie entstehen neue Erlösmodelle jenseits klassischer Werbung und Abos? Und wie bleiben Medienmarken relevant, wenn Distribution, Suche und Nutzerkontakt zunehmend von Plattformen und KI-Systemen geprägt werden?

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