Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli
KLARER PLAN. Wer sehen will, wie ein Playbook zur Zerstörung einer Demokratie quasi in einer Art Live-Übertragung entsteht, braucht nur in die USA zu schauen. Dort kann man recht gut beobachten, wie eine reiche Elite gerade die demokratische Gesellschaft buchstäblich sturmreif schießt und nur mehr darauf warten muss, bis ein bis dahin aufgewiegelter Mob den Rest erledigt.
Und dass dieser Mob ganz leicht in Bewegung zu setzen ist, hat bereits der Sturm auf das US-Kapitol am 6. Jänner 2021 gezeigt. Damals reichten ein paar – damals noch verklausulierte Floskeln – von Donald Trump, um bewaffnete Massen in Bewegung zu setzen.
Angriff an vielen Fronten
Neben dem offensichtlichen, physischen Angriff läuft aber seit Jahren auch ein viel diffizilerer auf die Institutionen und Grundpfeiler jeder Demokratie. Und dazu gehören vor allem auch die freien Medien.
Wie perfide so ein Plan aussehen kann, lässt sich aktuell an der Zerstörung der altehrwürdigen Washington Post beobachten. Sie erinnern sich: Das war neben der New York Times jene Zeitung, deren Journalisten maßgeblich dazu beigetragen haben, den sogenannten Watergate-Skandal aufzudecken, der am Ende zum Rücktritt von Richard Nixon geführt hat.
Im Jahr 2013 übernahm Amazon-Chef Jeff Bezos das Medium, welches wie viele andere mit dem Aufkommen des Internets zu kämpfen hatte, für 250 Mio. USD. Bezos versicherte damals den Angestellten: „Die Zeitung wird ihren Lesern verpflichtet bleiben und nicht den Privatinteressen ihrer Besitzer.“
Viele erhofften sich in Bezos den wirtschaftlichen Retter der Zeitung. In Wahrheit – und das sollte jedem von Anfang an klar gewesen sein – will er eine der wesentlichen Säulen der vierten Macht der USA zerstören. Denn die Post zu retten – er hat aktuell ein Vermögen von knapp 250 Mrd. USD – wäre für ihn ein Klacks.
Aber: Dem Trump-Freund geht es eben um etwas ganz anderes, wie man live beobachten kann.
