Symbiose aus Tech und Vermarktung
© Andri Kaufmann Janutin
Remo Baumeler ist CEO des Digital Advertising-Spezialisten audienzz.
MARKETING & MEDIA Redaktion 24.04.2026

Symbiose aus Tech und Vermarktung

Das aus der NZZ-Gruppe hervorgegangene Unternehmen audienzz feiert 2026 sein zehnjähriges Bestehen.

Von der Gründung 2016 bis heute hat sich audienzz von einem Schweizer Start-up zu einem bedeutenden Player im D-A-CH-Raum entwickelt. Mit rund 120 Mitarbeitenden bespielt das Unternehmen heute Märkte in der Schweiz, Deutschland und Österreich. audienzz versteht sich als Technologieunternehmen für den digitalen Werbemarkt, das zusätzlich verschiedene Dienstleistungen rund um die Vermarktung anbietet. Im Zentrum stehen Partnerschaften mit Inventargebern, Agenturen und Werbekunden – so auch die neue Kooperation in Österreich, wo audienzz seit Jahresbeginn mit heute.at zusammenarbeitet. „Wir bezeichnen uns heute als Digital Advertising Specialist“, erklärt CEO Remo Baumeler. „Es ist vor allem die Kombination aus hoher technischer Expertise und Vermarktungskompetenz, die uns ausmacht.“

Die Meilensteine
Die letzten Jahre waren geprägt von strategischem Wachstum. Nach der Übernahme der Netpoint Media GmbH in Deutschland firmiert das Unternehmen dort inzwischen als audienzz Germany GmbH. Auch in Österreich setzt man ein deutliches Ausrufezeichen: Seit Januar 2026 besteht eine umfassende Kooperation mit heute.at. Dabei deckt audienzz für den österreichischen Publisher das gesamte Spektrum ab.

„Zum einen nutzt heute.at unser System adconsole für die Eigenvermarktung in Digital und Print. Darüber hinaus bieten wir Ad Operations Services an – das heißt: Wenn eine digitale Kampagne gebucht wird, übernimmt audienzz das gesamte Management dieser Kampagne. Zusätzlich verantworten wir die programmatische Vermarktung der gesamten Reichweite“, führt Baumeler die Details der Kooperation aus. Parallel dazu hat audienzz auch in der Schweiz mit Zukäufen wie Zulu5, Romandie Network und Attackera Kompetenzen und Reichweite ausgebaut und vermarktet Titel wie NZZ, Le Temps, Corriere del Ticino oder finanzen.ch.

Die Zukunft ist kontextuell
In einer Welt, die sich zunehmend von Third-Party-Cookies verabschiedet, hat audienzz frühzeitig auf Kontext gesetzt. Die „cookieless future“ ist seit einigen Jahren das dazu passende und gerne genutzte Schlagwort. Ergänzend zum bestehenden Portfolio bietet audienzz mit semantIQ eine KI-basierte kontextuelle Lösung, um Artikel umfassend zu kategorisieren. „Wir können damit nicht nur Keywords targeten, sondern auch die Tonalität eines Artikels bestimmen – ist er also positiv, neutral oder negativ?“, so Baumeler. Damit können Werbetreibende etwa negative Artikel ausschließen, was zu einer deutlich besseren Performance führe, so der audienzz-CEO weiter.

Dies ist auch ein entscheidender Vorteil gegenüber Social-Media-Plattformen: Während dort Werbung oft zwischen problematischen Inhalten erscheint, garantiert audienzz Brand Safety. „Heute setzen wir zu eine Großteil auf kontextuelle Lösungen. Wir brauchen nur noch selten die klassischen DMP-Daten (Data Management Platforms, Anm.)“, stellt Baumeler fest. Die Performance-Werte geben ihm recht; das Interesse der Kunden habe sich komplett in Richtung semantischer Signale verschoben.

Native Advertising
Im Bereich Native Advertising entwickelt und betreibt audienzz einen eigenen Below-the-Article-Feed, der Publishern die Hoheit über den eigenen Content zurückgeben soll. Im Gegensatz zu den geschlossenen „Walled Gardens“ des Mitbewerbs hat audienzz sein System geöffnet und ermöglicht es sämtlichen Marktteilnehmern, auf die Platzierungen zu bieten. „Publisher wünschen sich wieder mehr Kontrolle über ihre Feeds und eine bessere Qualität der Inhalte. Durch unser offenes System ermöglichen wir ihnen außerdem die bestmögliche Monetarisierung“, erklärt Baumeler. Zusätzliches Potenzial sieht Baumeler im Bereich Retail Media: Hier agiert audienzz primär als Technologie-Lieferant, etwa für Coop in der Schweiz, um Onlineshops, Printtitel und Point-of-Sale-Flächen digital zu vernetzen.

Unabhängigkeit als USP
Trotz der Wurzeln in der NZZ-Gruppe betont Baumeler die Unabhängigkeit des Unternehmens. „Es ist unsere Unabhängigkeit, die uns von Anfang an geprägt hat und bis heute prägt“, so Baumeler. Ebenso wichtig sei das Team: „Unsere Agilität und authentische Mitarbeitende, die mit viel Know-how und Herzblut arbeiten, sind unsere wichtigsten Assets“ – was sich auch in der geringen Fluktuation zeige. Man arbeite für über 700 Webseiten unabhängiger Publisher. In einem Markt, der zur Konsolidierung neigt, sieht er audienzz deshalb als idealen Partner für Medienhäuser, die sich auf ihren Content konzentrieren wollen, während sie das komplexe technische Geschäft – von Datenschutz bis CMP-Management – an Spezialisten auslagern. Für Österreich sind die Pläne klar: „Das Team in Wien wird aktuell ausgebaut, um die Präsenz vor Ort zu stärken. Wir lassen uns dabei Zeit, wachsen aber stetig“, so Baumeler abschließend.

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