Trotz herausfordernder Rahmenbedingungen konnte sich die Sportwagenmarke hierzulande 2025 über das zweitbeste Jahr in der Geschichte freuen. Den Spagat zwischen klassischen Antrieben, wie dem für die Marke synonymen 6-Zylinder-Boxermotor, und „neuer Elektrowelt“ meistert Porsche mit innovativen und markentypisch performanten Modellen. Der Anteil der elektrifizierten Porsche Fahrzeuge (PHEV und BEV) betrug in Österreich im letzten Jahr bereits über 65%, der reine Elektroanteil lag bei mehr als 27%.
Neben der ikonischen und mittlerweile vielfältigen Modellpalette sowie einer starken Vertriebs- und Serviceorganisation beruht der Erfolg auch auf einer konsequenten und authentischen Marken- und Imagepflege. medianet-Herausgeber Oliver Jonke traf Jürgen Lenzeder, Verantwortlicher bei Porsche Österreich für die Bereiche Vertrieb, Marketing und Business Development, zum Interview.
medianet: Die Automobilbranche erlebt bewegte Zeiten. Wie kam Porsche durch das vergangene Jahr?
Lenzeder: Das Jahr 2025 war für Porsche Österreich das zweitbeste der Geschichte, was unsere Neuzulassungen und Auslieferungen anbetrifft. Wir haben eine neue, innovative und breite Produktpalette, die wirklich sehr, sehr gut am Markt ankommt und viele Fans und Käufer findet. Gleichzeitig tun wir viel, um den Mythos der Marke und die Beziehung zu unseren Kunden zu pflegen. Auch das ist in volatilen Zeiten sicherlich ein wesentlicher Stabilitäts- und Erfolgsfaktor.
medianet: Wie ist die Prognose für das heurige Jahr?
Lenzeder: : Das Jahr 2026 bleibt vom Umfeld her sicherlich für viele Branchen herausfordernd. Das geht auch an Kunden im Luxus- oder Premium-Automobilbereich nicht spurlos vorüber.
Gleichzeitig treiben wir die Transformation weiter voran und bringen jetzt einen vollelektrischen Cayenne, der das aktuelle Line-up aus Benzinern und Hybriden perfekt ergänzt. Mit dem Topmodell Cayenne Turbo Electric können wir das mit 1.156 PS stärkste Porsche-Serienfahrzeug aller Zeiten zu einem gleichzeitig interessanten Preis anbieten. Die Nachfrage ist bereits deutlich vor Markteinführung überaus positiv.
medianet: Das Marken- und Kundenerlebnis spielt auch im Schauraum eine wesentliche Rolle …
Lenzeder: : Bei uns steht der Kunde stark im Fokus. Deshalb investieren wir gemeinsam mit unseren Händlern auch kontinuierlich in das Markenerlebnis.
Heuer entstehen gleich drei neue Standorte: Das neue Porsche Zentrum Oberösterreich in Linz-Leonding wird ein weiterer Betrieb im sogenannten ‚Destination Porsche‘-Konzept. Ziel ist eine möglichst perfekte Customer Experience.
Gleiches gilt für das Porsche Zentrum Tirol, das gegenüber dem bestehenden Standort in Innsbruck neu errichtet wird. Dann haben wir mit dem Porsche Zentrum St. Pölten eine ganz neue Location, direkt neben der Autobahn-Abfahrt Sankt Pölten Süd. Das ist nicht nur aufgrund der Lage in unmittelbarer Nähe zur A1 besonders charmant, sondern wir werden direkt nebenan auch eine ‚Porsche Charging Lounge‘ errichten.
medianet: Ein solcher Porsche-eigener High-Performance-Ladestandort existiert ja auch bereits …
Lenzeder: : Unser erster Standort ist bereits in Koblach, am Dreiländereck in Vorarlberg, in Betrieb. Dabei geht es um einen besonders komfortablen und schnellen Ladevorgang. Komfortabel heißt, dass es dort eine Lounge mit Sanitäranlagen, Snackautomat, Kaffee und Breitbandinternet gibt. Das sind alles Dinge, die den Ladestopp auf der Durchreise wesentlich angenehmer machen. Und schnell heißt, wir können dort aktuell an sechs Ladepunkten eine Ladeleistung von jeweils bis zu 400 kW realisieren – ideal etwa für den neuen Cayenne Electric.
medianet: Das können aber nur Porsche-Kunden nutzen?
Lenzeder: : Genau. Wenn ein Porsche-Kunde den Porsche-Charging Service aktiviert hat, dann kann er dieses Gelände befahren und die Leistungen nutzen. Mit den Porsche-Charging Lounges möchten wir das Laden für unsere Kunden auf ein ganz neues Level heben.
medianet: Wer ist heute der klassische Porsche-Käufer?
Lenzeder: : Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Demographisch gesehen sind unsere Kunden im fortgeschrittenen Berufs- und Lebensabschnitt. Das ist auch den Anschaffungskosten geschuldet, denn man muss natürlich über eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit verfügen. Nichtsdestotrotz haben wir zunehmend erfolgreiche junge Menschen, die sich diesen Traum erfüllen. Neben einer gewissen Verjüngung unserer Zielgruppen sind es zudem immer mehr Frauen, die ihre Liebe zu unseren Fahrzeugen entdecken.
medianet: In welchen Kategorien beobachten Sie einen Anstieg des Frauenanteils?
Lenzeder: : Grundsätzlich im Fahrzeugsegment der SUV. Aber auch der Porsche 911 ist ein Modell, das zunehmend von Frauen gefahren wird. Man merkt, dass das Interesse der weiblichen Kundschaft über die gesamte Modellpalette steigt und das freut uns, ehrlich gesagt, sehr.
medianet: Wie lange behalten Porsche-Fahrer ihr Auto im Durchschnitt?
Lenzeder: : Da muss man zwischen Fahrzeugen unterscheiden, die wirklich als Daily Driver eingesetzt werden, wie die SUVs Cayenne und Macan, oder die Modelle Panamera und Taycan. Das sind viertürige Fahrzeuge, die sehr sportlich sind, aber trotzdem ein Raumangebot und hohen Alltagsnutzen bieten. Da orientiert sich das Wechselintervall etwa an dem eines Premium- oder Luxus-Pkw.
Demgegenüber bleiben zweitürige Sportwagen, allen voran unsere Markenikone Porsche 911, meist länger im Besitz. Es gibt hier natürlich viele, die ‚ihr Baby‘ nicht nur Jahre, sondern Jahrzehnte behalten. Das ist immer etwas sehr Emotionales. Dass rund zwei Drittel aller jemals gebauten Porsches noch auf den Straßen unterwegs sind, spricht für die Qualität, aber natürlich auch für die Liebe der Eigentümer zu diesen Fahrzeugen.
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medianet: Sie fördern die Kundenbindung auch mit exklusiven Events.
Lenzeder: : Hier gibt es unterschiedliche Formate, Veranstaltungen auf nationaler und regionaler Ebene. Wir haben in Österreich acht Porsche-Zentren, die für ihre und mit ihren Kunden Aktivitäten lokal durchführen. Hinzu kommen nationale Aktivitäten, etwa Fahrsicherheitstrainings und ganz große Veranstaltungen, wie zum Beispiel unser ‚Cars & Coffee‘. Das Event findet auch heuer wieder Ende Mai am Red Bull Ring statt. Alle österreichischen Porsche-Kunden sind dazu herzlich eingeladen und die Eintrittskarte ist der eigene Porsche-Fahrzeugschlüssel. Im Vorjahr hatten wir über 1.000 Kunden und beinahe 500 Porsche-Fahrzeuge vor Ort. Dabei merkt man einfach, dass die Porsche-Community so etwas ist wie eine große Familie.
medianet: Auffällig bei der Werbelinie sind kantige Sprüche.
Lenzeder: : Ich würde gar nicht sagen, dass sie kantig sind. Ich glaube, dass sie in der Vergangenheit, etwa in den 80er- und 90er-Jahren, noch sehr viel kantiger waren. Wir wollen Herzen gewinnen und versuchen einen gewissen Charme und ein bisschen Augenzwinkern hineinzubringen. Dabei wollen wir möglichst viel Rücksicht nehmen auf das Medium oder auch das Umfeld, in dem wir uns dabei bewegen.
Wir versuchen etwa, eine möglichst treffgenaue Headline zu finden. Beispielsweise in einem Magazin für Ärzte haben wir zur Markteinführung des neuen 911 GT3 mit der Headline geworben: ‚Die beste Medizin gegen Antriebslosigkeit‘. Diese Slogans zu erfinden ist ein wenig unser Steckenpferd. Wir wollen etwas herausstechen und dabei als Marke sehr sympathisch bleiben. (ah)
