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Diese Shopformate haben 2020 das Sagen © Messe Düsseldorf/Constanze Tillmann

Ulrich Spaan und Elke Moebius

© Messe Düsseldorf/Constanze Tillmann

Ulrich Spaan und Elke Moebius

Redaktion 03.10.2019

Diese Shopformate haben 2020 das Sagen

Elke Moebius von der EuroShop und Ulrich Spaan vom EHI Retail Institute über aktuelle Handelstrends.

••• Von Christian Novacek

Die Hardfacts sind beeindruckend: 2.400 Aussteller aus 58 Ländern werden auf der EuroShop 2020 rd. 114.000 Besucher in die Welt der Shoptrends eintauchen lassen. Und das gleich in acht Dimensionen: Shop Fitting & Store Design, Visual Merchandising, Retail Marketing, Lighting, Food Tech & Energy Management, Expo & Event Marketing, Food Service Equipment sowie dem Kernstück Retail Technology.

„Allein diesem Bereich sind 550 Aussteller zugeordnet“, berichtet EuroShop-Director Elke Moebius unter Verweis auf dreieinhalb mit dem Thema belegte Hallen. Zu Recht, denn: „Gerade in der Retail Technology sind die meisten Innovationen zu erwarten.“

Mehr Action auf der Messe
Innovation + Handel = EuroShop ist eine Formel, die 2020 ihre Gültigkeit zum 20. Mal unter Beweis stellen will. Entsprechend hoch sind die Erwartungen gesteckt, denn: „Mehr Action, mehr Dramatik, mehr Emotion und bessere Orientierung an den Wünschen der Kunden, das ist es, was der Handel bieten muss, und das ist es, was die EuroShop bereits realisiert hat“, so Moebius. Mit den genannten acht Erlebnisdimensionen steht die Messe für eine besucher­orientierte Angebotsstruktur einerseits und bietet gleichzeitig jede Menge Freiräume zur Präsentation zukunftsrelevanter Entwicklungen und innovativer Produkte für den weltweiten Retail.
Was nun weltweit im Handel abgeht – dafür kommt die kongeniale Trendanalyse vom wahrscheinlich wichtigsten strategischen Partner der Messe, dem EHI Retail Institute. Deren Chef Ulrich Spaan ortet generell, dass im Handel derzeit „viel in Bewegung ist“. Und speziell wird in der Frage, inwieweit sich Online- und Offlinehandel verzahnen oder doch mehr ineinander verkeilen, weiterhin die wichtigste Zukunftsdimension gelagert sein.

Bedrohung E-Commerce?
Der Status quo des stationären Handels ist – zumindest in einer Vielzahl der Medienberichte – tendenziell elend: „Schon seit Jahren erklären die Medien in ihren Schlagzeilen den stationären Einzelhandel für tot – ein Opfer des E-Commerce“, führt Spaan aus. Aber selbstredend leben Totgesagte gern länger, als man ihnen zugestehen möchte. Aber bleibt das auch so?

In den USA macht sich bereits der Gegentrend breit: Ein vom Immobilienunternehmen JLL Ende 2018 veröffentlichter Bericht sagt demnach voraus, dass Online-Einzelhändler in den USA über die kommenden fünf Jahre 850 Filialen eröffnen werden. Das zeigt den Wert, den diese Marken auf eine physische Präsenz legen. „Jeder behauptet, dass der stationäre Handel stirbt, aber die E-Commerce-Marken drängen ziemlich schnell und aggressiv in den stationären Bereich“, sagt entsprechend Taylor Coyne, Forschungsleiter Bereich Retail bei JLL.

Digital wird analog
Das heutzutage immer öfters zelebrierte Dilemma lautet darauf, dass im stationär best ausgestatteten Erlebnis- und Beratungs-Store gustiert wird – und online gekauft. Diese Verhaltensform betrifft aber vor allem jene Händler, die primär stationär agieren und online herumtapsen. Umgekehrt wird der Erfolg mitunter flott umgesetzt. Ein weiteres Beispiel aus den USA: Warby Parker, ein Online-Anbieter für Brillen, eröffnete seine erste stationäre Fläche 2013 (drei Jahre nach der Gründung) und betreibt mittlerweile über 90 Läden in den USA und Kanada. Er wird gern als eine der ersten rein digitalen Marken angeführt, die verstanden haben, dass sich Online und Offline ergänzen.

Was nun den Food-Bereich betrifft, so werden auch stationär die Potenziale mehr und mehr ausgeschöpft; Spaan nennt hier Schmidts Edeka XL-Markt in Bad Säckingen, der „Lebensmittel in der Fleisch- und Käseproduktion unmittelbar erlebbar macht“. Die Erlebbarkeit von Amazon Fresh lässt indes hierzulande noch auf sich warten.

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