WIEN. Der stationäre Einzelhandel befindet sich im Wandel. Eine aktuelle Analyse von Standort + Markt im Auftrag der Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) zeigt, dass die Zahl der Einzelhandelsstandorte zwischen 2015 und 2025 um 3,1 Prozent zurückging. Die tatsächlich in Betrieb befindliche Verkaufsfläche sank um 3,5 Prozent. Besonders stark war der Rückgang in den Innenstädten.
„Der stationärer Einzelhandel befindet sich im Wandel. Das wissen wir seit längerem, doch die eine Antwort für alle Standorte gibt es nicht. Denn die Entwicklung der Flächen sieht je nach Standort unterschiedlich aus“, sagt Rainer Trefelik, Bundessparte Handel der WKÖ.
Innenstädte besonders unter Druck
Während Fachmarktzentren mit einem Flächenplus von 0,8 Prozent weitgehend stabil blieben und Shopping Center um 2 Prozent zulegten, verzeichneten die Citys einen Rückgang von 13 Prozent.
„Die Daten zeigen keinen Absturz des stationären Handels, aber einen tiefgreifenden Umbau. Das heißt, der Handel verschwindet nicht aus unseren Städten und Regionen, doch er konzentriert sich stärker auf gute Standorte und passt seine Flächen und Konzepte an veränderte Konsumgewohnheiten an“, fasst Brigitte Moser, Gesellschafterin von Standort + Markt, die Flächenentwicklung zusammen.
Auch der Branchenmix verändert sich. In Fachmarktagglomerationen sank der Flächenanteil des Einrichtungshandels von 32,4 auf 20,4 Prozent. In den Innenstädten ging der Bekleidungsanteil von 25,5 auf 21,2 Prozent zurück. Gastronomie, Dienstleistungen und Freizeit gewannen dagegen an Bedeutung. Frühere Geschäftsflächen werden zudem zunehmend für Ordinationen, Büros oder Kanzleien genutzt. Der harte Leerstand liegt über alle untersuchten Stadtgrößen hinweg bei 9 Prozent.
Erreichbarkeit und Kosten
Onlinehandel, gestiegene Kosten und das weiterhin schwache Konsumklima beschleunigen die Veränderungen. „Die Daten zeigen uns, dass wir für einen weiterhin erfolgreichen stationären Handel stabile Rahmenbedingungen brauchen und dabei auch die Anforderungen der jeweiligen Standorte berücksichtigen müssen“, resümiert Handelsobmann Trefelik.
Für Fachmarktzentren sei eine rasche und unbürokratische Nachnutzung leerer Flächen wichtig. In den Citylagen rückt laut Trefelik hingegen die Erreichbarkeit stärker in den Mittelpunkt: „Wenn wir weiter lebenswerte und bunte Städte haben wollen, dann gilt es auch sicherzustellen, dass sie gut zu erreichen sind, egal ob öffentlich oder per Pkw“, fordert Trefelik.
Auch bei den Kosten sieht die WKÖ Handlungsbedarf: „Die gestiegenen Energiekosten dürfen nicht neuerlich zu einer Kostenlawine für die Betriebe werden. Sowohl bei den Mieten als auch bei der Lohnentwicklung gilt es mit Augenmaß vorzugehen“, so Trefelik abschließend. (red)